Die az-Redaktion erhielt jüngst Meldungen von Leserinnen und Lesern im Ostaargau, wonach diese «viel mehr Flugbewegungen» beobachteten, gerade spätabends und teilweise frühmorgens.

Mehr Flugbewegungen stellte auch Felix Binder fest, Präsident des Planungsverbandes Zurzibiet Regio und für diesen Vertreter im fluglärmkritischen Verein «IG Nord», in dem vorab die Zurzibieter, zwölf Zürcher sowie zwei Schaffhauser Gemeinden agieren.

Feststellbar seien aufgrund eines Testbetriebs im Flughafen Kloten jeweils am Wochenende während des Südkonzepts morgens zwischen 7 und 9 Uhr tatsächlich mehr Nordstarts. Es gehe am Samstag und Sonntag um je rund 30 zusätzliche Flugbewegungen, die dafür andernorts entfallen.

Binder: «Diesen Testbetrieb nehmen wir hin, er ist ein Vorläufer der entscheidenden Phase mit Blick auf das kommende neue Betriebsreglement.» Für Binder ist klar: «Wir haben keinerlei Interesse an zusätzlichen Flügen. Sollte das Reglement in diese Richtung geändert werden, würden wir Einsprache erheben.»

Fluglärm über dem Aargau

Fluglärm über dem Aargau

Rekord am 26. und 27. Juli

Die Informationsverantwortliche des Flughafens Zürich, Sonja Zöchling, betont: «Es wurde kein neues Abflugverfahren und auch keine neue Route eingeführt. Es ist alles beim Alten.» Sie verweist aber auf den ferienbedingten Mehrverkehr der letzten Wochen und auf das instabile Wetter.

So erreichte der Flughafen am letzten Juli-Wochenende mit je rund 92 000 Passagieren am Samstag und am Sonntag einen neuen Rekord. Aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens kam es zu Verspätungen, auch bis in die späten Abendrandzeiten hinein.

Zöchling: «Aufgrund der Massierung in der Ferienzeit ist das Empfinden von mehr Flugbewegungen schon verständlich, erst recht, wenn die letzten Maschinen erst gegen 23.30 Uhr draussen sind.»

Wetter: Mehr Flüge über Aargau

Die grössere Wahrscheinlichkeit für ungewohnte Flugbewegungen liege aber im unberechenbaren Wetter der vergangenen Wochen.

Sehr oft musste der Flughafen Zürich tagsüber aufgrund starken Westwinds auf Ostanflüge umstellen. Allein am 3., 4. und 7. August musste der Flughafen deshalb nachmittags während bis zu zweier Stunden von Osten her angeflogen werden.

Als Konsequenz wurde dann nach Norden gestartet. Die Folge: mehr Flugbewegungen auch über dem Aargau. Auch aufgrund dieser Umstellungen ergaben sich Verspätungen.

Der im kantonalen Aargauer Baudepartement für das Fluglärmdossier verantwortliche Spezialist Hans-Martin Plüss sagt dazu: «Wir haben bislang keine solchen Meldungen erhalten, auch keine eigenen Beobachtungen gemacht. Beim Regulativ im Flughafen Zürich gab es keine Veränderungen.»

Thomas Frei, Planer im kantonalen Baudepartement, hat noch eine Erklärung für die verstärkte Wahrnehmung des Fluglärms im Sommer. Bei warmen Temperaturen sind die Schallwellen besser hörbar, da warme Luftmassen weniger dicht sind. Dies führt auch zu einer geringeren Steigfähigkeit der Flieger. In der Folge haben startende Flugzeuge länger, bis sie die Reiseflughöhe erreicht haben.

Testbetrieb wird verlängert

Der Testbetrieb mit Nordabflügen während der deutschen Sperrzeiten am Wochenende zwischen 7 und 9 Uhr kann laut Zöchling auch ein Grund für eine stärkere Wahrnehmung von Flugbewegungen sein. Dabei starteten bestehende Nord- und alle Westabflüge auf Piste 32 Richtung Norden. Im Nordosten des Aargaus könnte man das stärker wahrnehmen, so Zöchling, aber nicht insgesamt.

Der Testbetrieb läuft seit 14. Juni und hätte bis 3. August jeweils am Wochenende und an deutschen Feiertagen zwischen 7 und 9 Uhr am Morgen durchgeführt werden sollen. Da dies aufgrund des schlechten Wetters und hohen Verkehrsaufkommens an zwei Wochenenden nicht umgesetzt werden konnte, wird der Testbetrieb laut Zöchling bis zum kommenden Wochenende verlängert.

Mit der Testreihe soll geprüft werden, ob sich die Komplexität des Flugbetriebs reduzieren lässt und welche Auswirkungen sich für die Pünktlichkeit und Leistungsfähigkeit des Südkonzepts ergeben. Durchgeführt wird der Test mit Zustimmung des Bundesamts für Zivilluftfahrt, des Flughafens und der Swiss von Skyguide.

Der Flughafen Zürich weist aufgrund des Pistensystems und diverser Rahmenbedingungen eine hohe Komplexität auf. Am Schluss soll geprüft werden, ob das angepasste Flugregime während des Südkonzepts definitiv zur Anwendung kommen soll, so Zöchling. Aufgrund der eingetretenen Verzögerung liegen aber derzeit noch keine Ergebnisse vor.