Leserwandern 2015
Das letzte Schwitzen: heisses Finale der Leserwanderungen

2560 Wanderer auf 25 Etappen in fünf Wochen: Warum die sengende Sonne den Leserwanderern nichts ausmachte und was unterwegs zu reden gab. Eine Rückschau

Sven Altermatt
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Lewa 25
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Hans Schneider, Rekordwanderer, Robert Weber, mit 85 Jahren der älteste Wanderer (v. l.).
Peter C. Beyeler, alt Regierungsrat; Dieter Egloff, Bankratspräsident (v. l.).
Ralf Bucher, Bauernverband, Grossrat; Jean-Pierre Gallati, Grossrat; Peter Lüscher, AIHK (v. l.).
Raymond Tellenbach, Gemeindeammann Bremgarten, und Bernhard Guhl, Nationalrat (v. l.).

Lewa 25

Alex Spichale

Gelegenheit macht Liebe. Doch wer sich nicht findet, kommt auch nicht zusammen. Hans Schneider und die Leserwanderungen seiner Zeitung haben sich gefunden. Und wie erst: Der frühere Dorfbäcker von Thalheim ist der Rekord-Leserwanderer schlechthin. In den vergangenen Jahren hatte er so gut wie keine Wanderung verpasst. Bei der diesjährigen Ausgabe ist er sogar auf allen Etappen mitgewandert.

Der treuste und der älteste Wanderer

Diese Nachricht wird wohl niemanden überraschen: Der pensionierte Bäcker Hans Schneider aus Thalheim ist nach 2013 und 2014 auch in diesem Jahr der Rekordwanderer. Dafür gab es am Freitagabend natürlich einen grossen Applaus. Und auch der älteste unter den regelmässigen Wanderern ist derselbe wie in den vergangenen Jahren: Robert Weber aus Brugg ist 85 Jahre alt. «Dank dem Leserwandern kann ich den Sommer ausnützen», sagt er. (sva)

«Ich schaue mir das mal an», sagte sich Schneider im Sommer 2011. Bald darauf hatte es ihn gepackt: Während seines Berufslebens hatte er keine Zeit für Wanderungen. Nun hält er sich fit damit. Entdeckt unbekannte Gegenden auf den Leserwanderungen. Trifft neue Menschen. Immer nach dem Lust-und-Laune-Prinzip. Hält diese Beziehung weiter? Oder ist nun Schluss? «Wir werden sehen», sagt Schneider. Das klingt für seine Verhältnisse ziemlich verbindlich.

Er ist der Rekordhalter – und trotzdem nur einer von vielen: Insgesamt sind es 2560 Leserwanderer, die auf den 25 Etappen der diesjährigen Ausgabe dabei waren. Das sind erneut mehr als im Vorjahr. Wobei der Kontrast grösser nicht sein könnte: 2014 dominierte nasses und kaltes Wetter, die Regenschauer schienen Tag für Tag ein Muss.

In diesem Jahr ist es der tägliche Aufstieg in der sengenden Sonne, der in Erinnerung bleiben wird. Hitze und Nässe haben beide ihre Tücken. Eines aber ist klar: Warme Temperaturen und Sonnenschein sind besser fürs Gemüt. Das Wetter blieb natürlich das meistdiskutierte Thema auf den Wanderungen. Petrus könne sich noch so viel Mühe geben, sagte eine Wanderführerin in der ersten Woche. «Allen kann er es nie recht.» Das wäre sonst ja ganz schön langweilig.

Eine griffige Formel

Jeden Wochentag in den Sommerferien eine Wanderung, Sehenswürdigkeiten und prominente Gäste. So weit, so unspektakulär. Das ist eine griffige Kurzformel, aber das Leserwandern ist damit noch nicht erklärt.

Für Rekord-Wanderer Hans Schneider ist es vor allem der niederschwellige Zugang, der den Erfolg der Aktion ausmacht: Es braucht weder eine Anmeldung noch ein Auto für die Anfahrt. Die Etappen sind für Jung und Alt machbar.

Geführt werden die Teilnehmer von erfahrenen Wanderleitern, für die Routenplanung zeichnen sich regionale Partnerorganisationen verantwortlich. Unterwegs warten Überraschungen oder vielleicht sogar ein Apéro. «Da muss man sich gar nichts mehr überlegen», sagt Schneider. Auch dem ist nicht mehr viel hinzuzufügen.

Das war die 25. Etappe - Wahlkampf Unter den Aargauer Nationalräten ist er vielleicht der grösste Fan des Leserwanderns: BDP-Mann Bernhard Guhl. Zweimal war er in diesem Jahr dabei, auf der ersten und der letzten Etappe. Auf Twitter liess er seine Fans live am #leserwandern teilhaben. Die Frage stellt sich bei allen Promi-Wanderern, die im Herbst (wieder) nach Bern wollen: Wären sie auch mitgewandert, wenn kein Wahlkampf ansteht? Guhl zumindest muss die Antwort nicht scheuen: Er war schon im vergangenen Jahr dabei. «Und auch im nächsten», sagt er. «Wenn ich bis dann nicht unter der Erde liege.»- Endlich In den vergangenen Jahren konnte Dieter Egloff, Bankratspräsident der Aargauischen Kantonalbank, nicht beim Leserwandern dabei sein. Immer war er verhindert. Zu seinem eigenen Bedauern, wie er sagt. Nun hats auf der letzten – und vielleicht heissesten – Etappe der diesjährigen Ausgabe doch noch geklappt. Die Gluthitze war erst noch ganz nach seinem Geschmack: «Ich schwitze super gern.»- Prost! Auf der Anhöhe bei Rudolfstetten berichtete Walter Oettli über die Schönheiten der Gegend. Als er auf den «guten Wein aus den Rebbergen von Widen» zu sprechen kam, blickte der Bremgarter Stadtammann Raymond Tellenbach nervös in die Runde – bis Oettli dann elegant auf den «hervorragenden Wein aus Bremgarten» lenkte.- Prost! Vom Bremgartner Wein konnten sich die Leserwanderer dann gleich selbst überzeugen. Zum krönenden Abschluss gab es in Bremgarten einen Apéro, spendiert von der Stadt und der «Aargauer Zeitung». Eine gute Gelegenheit, um die diesjährige Ausgabe nochmals Revue passieren zu lassen. Für den harten Kern der Leserwanderer war es quasi ein Familienfest, bei dem auch ein Hauch von Wehmut zu spüren war. Wochenlang haben sie zusammen ihren Leserwanderdienst abgeleistet, da fällt der Abschied eben schwer. (SVA)

Das war die 25. Etappe - Wahlkampf Unter den Aargauer Nationalräten ist er vielleicht der grösste Fan des Leserwanderns: BDP-Mann Bernhard Guhl. Zweimal war er in diesem Jahr dabei, auf der ersten und der letzten Etappe. Auf Twitter liess er seine Fans live am #leserwandern teilhaben. Die Frage stellt sich bei allen Promi-Wanderern, die im Herbst (wieder) nach Bern wollen: Wären sie auch mitgewandert, wenn kein Wahlkampf ansteht? Guhl zumindest muss die Antwort nicht scheuen: Er war schon im vergangenen Jahr dabei. «Und auch im nächsten», sagt er. «Wenn ich bis dann nicht unter der Erde liege.»- Endlich In den vergangenen Jahren konnte Dieter Egloff, Bankratspräsident der Aargauischen Kantonalbank, nicht beim Leserwandern dabei sein. Immer war er verhindert. Zu seinem eigenen Bedauern, wie er sagt. Nun hats auf der letzten – und vielleicht heissesten – Etappe der diesjährigen Ausgabe doch noch geklappt. Die Gluthitze war erst noch ganz nach seinem Geschmack: «Ich schwitze super gern.»- Prost! Auf der Anhöhe bei Rudolfstetten berichtete Walter Oettli über die Schönheiten der Gegend. Als er auf den «guten Wein aus den Rebbergen von Widen» zu sprechen kam, blickte der Bremgarter Stadtammann Raymond Tellenbach nervös in die Runde – bis Oettli dann elegant auf den «hervorragenden Wein aus Bremgarten» lenkte.- Prost! Vom Bremgartner Wein konnten sich die Leserwanderer dann gleich selbst überzeugen. Zum krönenden Abschluss gab es in Bremgarten einen Apéro, spendiert von der Stadt und der «Aargauer Zeitung». Eine gute Gelegenheit, um die diesjährige Ausgabe nochmals Revue passieren zu lassen. Für den harten Kern der Leserwanderer war es quasi ein Familienfest, bei dem auch ein Hauch von Wehmut zu spüren war. Wochenlang haben sie zusammen ihren Leserwanderdienst abgeleistet, da fällt der Abschied eben schwer. (SVA)

Patrick Züst

Rekorde geknackt

Die Leserwanderer entdeckten Burgruinen zu Fuss, blickten von Aussichtstürmen aufs Umland und erkundeten die Kantonsgrenzen. Mal bissen sie auf dem Oberdörferberg in einen Cervelat, dann kosteten sie «Moscht» von Titterter Äpfeln.

Den diesjährigen Teilnehmerrekord gab es auf der vierten Etappe: 160 Wanderer marschierten abends von der berühmten Linde in Linn auf die Staffelegg. Mehr als ein Dutzend Mal knackten die Teilnehmer in diesem Jahr die Hunderter-Marke an einem Wandertag.

Wandern mit dem «Leibblatt»

So vielfältig wie die Routen sind auch die Leserwanderer selbst. Silvia Lüscher aus Wohlen schätzt die Geschichten aus der Region, Carla Giacometto aus Luterbach will die kleinen und grossen Geheimnisse der Nordwestschweiz kennen lernen. Heidi Neeser aus Ehrendingen freut sich auf anregende Gespräche. Und Roland Müller aus Wettingen mag vor allem die langen Routen auf den Jurahöhen.

Einige dieser Gesichtszüge spiegeln sich schliesslich in der Zeitung. Wohl nie ist die Beziehung zwischen den Lesern und ihrer Zeitung intimer als beim Leserwandern.

Wenn ein Teilnehmer in der Wolfsschlucht von der Wanderung mit seinem «Leibblatt» spricht, scheint das aus der Zeit gefallen. Doch der Begriff erinnert nicht nur an eine enge Beziehung, sondern gibt der Zeitung auch eine soziale Dimension. Diese lebt vom Engagement der Leser, ihrer Anregungen und ihrer Kritik.

Gerade das bereichert die Arbeit der Redaktion: Wer den Schreibtisch gegen die freie Natur tauscht und die Leserwanderer begleitet, profitiert von guten Gesprächen. Ausführlich und in Ruhe miteinander diskutieren – wo geht das schon besser als auf einer Wanderung?