Aarau
Das Kantonsspital muss seine Rentabilität steigern – das sind die Schwachstellen und Stärken

Ist das Kantonsspital zukunftstauglich? Dieser Frage ging das Beratungsunternehmen Pricewaterhousecoopers (PwC) im Auftrag der Aargauer Regierung nach. Am Dienstag informierte Gesundheitsdirektorin Franziska Roth über das Ergebnis.

Mathias Küng
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Kantonsspital
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Pressekonferenz des Kantons zur PwC (PricewaterhouseCoopers)-Untersuchung zum Kantonsspital Aarau. Im Bild: Regierungsrätin Franziska Roth, Felix Schönle, Verwaltungsratspräsident a.i. Kantonsspital Aarau.
Pressekonferenz des Kantons zur PwC (PricewaterhouseCoopers)-Untersuchung zum Kantonsspital Aarau. Im Bild: Felix Schönle, Verwaltungsratspräsident a.i. Kantonsspital Aarau.
Kantonsspital Aarau
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Ueli Wild

Wo steht das Kantonsspital Aarau (KSA)? Wie ist seine strategische Ausrichtung? Verfügt es über die strukturellen und finanziellen Voraussetzungen, um seine geplanten Investitionsvorhaben und die strategischen Herausforderungen bewältigen zu können? Diesen Fragen ging das Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC) im Auftrag der Aargauer Regierung und des Verwaltungsrats des KSA nach.

Gesundheitsdirektorin Franziska Roth und der interimistische KSA-Verwaltungsratspräsident Felix Schönle stellten die Ergebnisse und ihre Schlüsse daraus gestern Nachmittag nach der Information der Gesundheitskommission des Grossen Rates in Aarau der Öffentlichkeit vor. Das KSA stehe vor einem grossen Investitionsvorhaben, sagte Roth mit Blick auf den geplanten 600-Millionen-Franken-Neubau. Man habe wissen wollen, ob dies tragbar ist: «Das PwC-Gutachten liefert einen Expertenblick von aussen», sagte Roth dazu.

Die Regierung hat sich an mehreren Sitzungen mit den Ergebnissen auseinandergesetzt. Sie sieht sich darin bestätigt, dass «ein Neubauprojekt in der geplanten Grössenordnung notwendig und finanziell tragbar ist, sofern der Businessplan eingehalten werden kann», wie es in den Unterlagen zur Medieninformation heisst. Die Regierung begrüsst demnach auch, dass die KSA-Führung ein neues Lohnsystem eingeführt und mit allen Kaderärzten neue Arbeitsverträge abgeschlossen hat. Zudem hätten Chef- und leitende Ärzte ein neues Lohnmodell, womit Fehlanreize beseitigt würden.

Das besagt das Gutachten

Doch was haben die PwC-Experten im Gutachten herausgefunden, das Regierung und KSA-Führung als Ergänzung zu den bisherigen Beurteilungs- und Entscheidungsgrundlagen dient? Sie untersuchten zehn Themenfelder.

  • Das KSA sollte seine Rentabilität auf eine Ebitda-Marge (das ist der Gewinn ohne Berücksichtigung von Zinsen, Steuern, Abschreibungen und sonstigen Finanzierungsaufwendungen) von mindestens 10 Prozent steigern können, um die betriebliche Entwicklung und die Trag- und Finanzierbarkeit der geplanten Investitionsvorhaben nachhaltig sicherstellen zu können, heisst es im Gutachten. Dafür genügten die sich aus dem Neubauvorhaben ergebenden Effekte alleine nicht. Es brauche weitere Massnahmen zur Effizienzsteigerung, die konsequent umzusetzen seien.
  • Die PwC-Experten erachten das geplante Neubauprojekt als finanziell tragbar – aber unter der Voraussetzung, dass das KSA seinen anspruchsvollen Businessplan einhalten kann.
  • Für die Erreichung der finanziellen Ziele sind die Entwicklung und Präzisierung einer klaren Unternehmens- und Angebotsstrategie sowie deren Umsetzung unabdingbar notwendig. Am Endversorgerstatus des KSA soll festgehalten werden, empfiehlt PwC.
  • Um die hoch gesteckten Ziele zu erreichen, brauche es Veränderung und eine Führung mit hoher Umsetzungsstärke. Die PwC-Experten stellen in ihrem Bericht Reorganisations- und Handlungsbedarf fest für die oberste Führungsstruktur des KSA sowie den weiteren Aufbau und die Weitentwicklung von entsprechenden Managementinstrumenten.
  • Zur Eigentümerstruktur sieht PwC mehrere Varianten (vgl. Box).
  • Eine unternehmerisch-operative Fusion von KSA und Kantonsspital Baden KSB steht für die Gutachter nicht im Vordergrund (vgl. Box).

Eigentümerfrage: Weiter voll Staatsbesitz oder Teilverkauf mit Ausgabe von Volksaktien?

Das Gutachten sieht für das KSA, das zu 100 Prozent dem Kanton gehört, drei Möglichkeiten: Zweckmässige Optionen seien

- die Weiterführung der aktuellen kantonalen Trägerschaft,

- ein Teilverkauf im Rahmen der Ausgabe einer Volksaktie

- ein Verkauf an ein Privatspital.

Mit dem Verkauf würde sich laut Gutachten der Rollenkonflikt des Kantons als Eigner, Mitfinanzierer und Entscheid-Instanz bei der Tarifgenehmigung und Versorgungsplanung entschärfen. Gleichermassen reduziere sich das finanzielle Risiko, welches der Kanton mit der Beteiligung am KSA eingeht, etwa das Wertberichtigungsrisiko. Die Ausgabe einer Volksaktie erhöhe die Verbundenheit der Bevölkerung mit dem KSA und folglich dessen Verankerung in der Region, heisst es im PwC-Bericht. Beim Verkauf an ein Privatspital seien Optimierungen im Betriebsmodell sowie die Nutzung von Synergien zu erwarten. Als nicht prioritär beurteilt PwC eine Fusion des KSA mit dem KSB sowie die Integration des KSA in die Universitätsspital Nordwest AG. Neben Akzeptanzschwierigkeiten wären hohe Transferkosten und Reibungsverluste zu erwarten. In der Revision des kantonalen Spitalgesetzes, das bis übermorgen Freitag in einer Vernehmlassung steht, schlägt die Regierung keine Trägerschaftsänderung vor. (MKU)

  • Das Gutachten sieht «unternehmerische Flexibilität» als zentrales Element für die Zukunftsausrichtung des KSA. Es empfiehlt eine Lockerung der 70-Prozent-Regelung im Spitalgesetz (heute muss der Kanton 70 Prozent des Aktienkapitals halten bzw. kann 30 Prozent veräussern).
  • Das Gutachten misst auch der Zusammenarbeit mit weiteren Leistungserbringern eine grosse Bedeutung bei. Diese solle auch Psychiatrien und Rehakliniken einschliessen.
  • PwC empfiehlt zudem, den unternehmerischen Handlungsspielraum des KSA durch eine Anpassung der Eigentümerstrategie sicherzustellen. Die Regierung will diese nun überarbeiten.

Mit 512'000 Konsultationen eines der fünf grössten Spitäler der Schweiz

Die KSA AG ist ein Grossunternehmen mit einem Umsatz von knapp 650 Millionen Franken und über 4400 Mitarbeitenden. Mit 28'327 stationären Fällen, 512'412 ambulanten Konsultationen im Jahr 2017 und Leistungsaufträgen in der spezialisierten und hochspezialisierten Medizin gilt das KSA als Zentrumsspital mit Endversorgercharakter. Es ist eines der fünf grössten Zentrumsspitäler der Schweiz und verfügt über eine starke, überregionale Positionierung. Das KSA steht aber vor grossen strukturellen und finanziellen Herausforderungen und plant in den nächsten Jahren bauliche Investitionen in der Grössenordnung von rund 600 Millionen Franken.
Die Nachfrageentwicklung im KSA war in der Beurteilung des Gutachtens über die Jahre hinweg trotz kompetitivem Wettbewerbsumfeld sehr erfreulich. Die Zielsetzung zur Rentabilität, hat das KSA aber trotz starker Marktposition in Vergangenheit nicht erreicht. Die Ebitda-Marge konnte zwar 2015 und 2017 stetig auf 6,1 Prozent erhöht werden. Sie liegt jedoch weiterhin deutlich unter dem vom Kanton vorgegebenen Zielwert von mindestens 10 Prozent. Damit ist das KSA zwar im Durchschnitt von Schweizer Spitälern mit über 250 Betten, liegt jedoch deutlich unterhalb des Kantonsspitals Baden mit 10,9 Prozent. (MKU)