Finanz-Gutachten

Das Kantonsspital Aarau erhält ein gutes Zeugnis – aber auch Kritik

Das Finanzdepartement liess die Finanzen des Aarauer Kantonsspitals durchleuchten. (Archivbild)

Das Finanzdepartement liess die Finanzen des Aarauer Kantonsspitals durchleuchten. (Archivbild)

Die Firma KPMG, die im Auftrag des Aargauer Finanzdepartements den Businessplan, die Finanzplanung und das Finanzierungskonzept des Kantonsspitals Aarau (KSA) evaluiert hat, stellt insgesamt ein gutes Zeugnis aus. Die getroffenen Annahmen seien «grösstenteils begründet und plausibel», heisst es in der Zusammenfassung des Gutachtens, welche der Regierungsrat am Freitag veröffentlicht hat.

Die Experten weisen aber auch auf kritische Punkte hin. So hat das KSA im Businessplan eine Abgeltung in der Höhe von 10 Millionen Franken für Gemeinwirtschaftliche Leistungen (GWL) eingerechnet. Der Grosse Rat hat die zusätzlichen 10 Millionen Franken Ende November jedoch nicht genehmigt (die AZ berichtete). Das KSA erhält dieses Jahr nur 2,8 Millionen Franken zusätzlich. Sollten dauerhaft keine zusätzlichen Abgeltungen für GWL bewilligt werden,seien zur Einhaltung der Eckwerte des Businessplans zusätzliche Massnahmen erforderlich, hält KPMG fest. In diesem Fall sei voraussichtlich auch der Businessplan zu aktualisieren.

Höhere Tarife «leicht optimistisch»

Als «leicht optimistisch» beurteilen die Experten auch die Baserate-Erhöhung, mit der das KSA rechnet. Damit das Spital tatsächlich höhere Tarife erhält, müssen die KSA-Verantwortlichen zuerst erfolgreich mit den Krankenversicherern verhandeln. Sie können also nur bedingt Einfluss nehmen. KPMG empfiehlt deshalb sowohl in Bezug auf die höhere Baserate als auch in Bezug auf die Gemeinwirtschaftlichen Leistungen rasch Verbindlichkeit zu gewinnen.

Das gilt auch für den Dividendenverzicht, den das KSA im Basisszenario für die Jahre 2020 bis 2025 und 2027, aufgrund des für 2026 erwarteten negativen Jahresergebnisses, eingerechnet hat. Der Dividendenverzicht des Eigentümers sei nicht beschlossen, hält KPMG fest. Dazu braucht es eine Änderung der Eigentümerstrategie. Finanzdirektor Markus Dieth sagt auf Anfrage der AZ, die Frage der Dividenden werde mit der Überarbeitung der Eigentümerstrategie dieses Jahr geklärt. «Dabei wird zu klären sein, ob der Kanton während der Phase, in welcher aufgrund der hohen Investitionen ein Netto-Mittelabfluss beim KSA stattfindet, auf die Forderung nach einer Dividende vorübergehend verzichten soll.» Aus Unternehmer- und aus Eigentümersicht mache es wenig Sinn, in dieser Phase übermässige Dividenden auszuschütten, so Dieth. «Vielmehr steht in der Gesamtsicht die langfristige finanzielle Tragbarkeit der Investitionen und der Schuldenbewirtschaftung im Zentrum.» Diese Frage werde dannzumal auch für die anderen beiden Kantonsspitäler, das Kantonsspital Baden und die Psychiatrischen Dienste Aargau, zu beantworten sein.

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