Coronavirus

«Das ist einfach unfair» – Apothekerin und Grossrätin Martina Sigg kritisiert Maskenverteilung des Bundes

Apothekerin und Grossrätin Martina Sigg ist enttäuscht über Maskenverteilung.

Apothekerin und Grossrätin Martina Sigg ist enttäuscht über Maskenverteilung.

Der Bundesrat hat angekündigt künftig Detailhändler mit Schutzmasken zu versorgen. Die Verteilung betrifft nur ausgewählte Unternehmen. Die Aargauer Grossrätin und Apothekerin Martina Sigg kritisiert den Entscheid des Bundes.

Täglich eine Million Schutzmasken will der Bund in den kommenden beiden Wochen für Detailhändler bereitstellen. Für insgesamt zwei Wochen sollen diese an führende Detailhändler geliefert werden, erklärte Verteidigungsministerin Viola Amherd am Mittwoch auf einer Pressekonferenz.

«Das ist ein unzulässiger Markteingriff», sagt FDP-Grossrätin Martina Sigg. Zuerst habe der Bund Hygienemasken zum überhöhten Preis eingekauft, schrieb die Inhaberin der Apotheke Schinznach-Dorf auf Facebook. Nun würden diese an Detailhändler verschleudert. «Für uns Apotheker ist das unverständlich», so Sigg. Die Preispolitik sei undurchsichtig. Zudem gebe es möglicherweise immer noch Apotheken, die keine Schutzmasken anbieten können, betont Sigg. Diese würden vom Bund aber nicht berücksichtigt.

Wo gibt es künftig Schutzmasken zu kaufen?

Tatsächlich betrifft die grosse Bereitstellung der Schutzmasken noch nicht einmal jeden Detailhändler. Gemäss den Aussagen des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) gilt die Abgabe nur für Coop, Migros und die Fenaco – also Landi und Volg.

Migros und Coop haben beide bestätigt Schutzmasken von der Armeeapotheke zu beziehen. Verkauft werden diese ab Montag – allerdings nur in ausgewählten, grösseren Filialen. Welche das im Aargau genau sind, ist nicht bekannt. Eine flächendeckende Versorgung solle aber gewährleistet sein. Bei der Migros soll voraussichtlich auch ein Online-Verkauf ab Freitag möglich sein. Genaue Verkaufspreise wollten beide Detailhändler noch nicht nennen. Eine Anfrage an die Fenaco blieb bislang unbeantwortet.

Die Konkurrenz ist gross

«Es ist einfach unfair», sagt Martina Sigg. Sie selbst habe erst kürzlich nach langem Zögern 5000 Stück Schutzmasken für ihre Apotheke gekauft. Bislang wäre der Einkauf kaum sinnvoll gewesen, da Masken teils überteuert und in schlechter Qualität angeboten wurden. Ihr sei zwar bewusst, dass sie damit ein unternehmerisches Risiko einging, so Sigg. Damit habe sie auch kein Problem. «Aber nun schmeisst der Bund ohne Vorankündigungen Millionen Masken auf den Markt.» Obwohl die Hygienemasken nun auch zum Selbstkostenpreis angeboten würden, lägen diese im günstigsten Fall mit 92 Rappen immer noch deutlich über den Preisen der Konkurrenz.

Die Detailhändler, die bei der Verteilung durch den Bund unberücksichtigt bleiben, scheinen gut vorbereitet. Aldi Suisse bietet beispielsweise ab sofort in sämtlichen Filialen Masken zu 72 Rappen an. Man habe einen Vorrat von rund 2 Millionen Masken, hiess es in einer Medienmitteilung. Dieser sei vorab erfolglos dem Bund und Kantonen zum Verkauf angeboten worden. Zu welchem Preis ist nicht bekannt. 

Lidl Schweiz erhält ebenfalls keine Schutzmasken durch die Armeeapotheke, wie das Unternehmen bestätigt. Über einen Schweizer Importeur habe man jedoch Einwegmasken besorgen können. Diese stehen ab sofort schweizweit in allen Filialen zur Verfügung. Der Stückpreis einer Maske liegt hier sogar bei unter 70 Rappen.

Kanton verteilt Masken an vier Standorten

Auch der Kanton verteilt Schutzmasken, 200'000 Stück gehen kostenlos an Gewerbebetriebe. Nach der Ankündigung am Mittwoch können die Masken ab heute Freitag in Baden, Frick, Kölliken und Wohlen bezogen werden. Bezugsberechtigt sind Betriebe, die gemäss Bundesrat am Montag ihren Betrieb wiederaufnehmen dürfen und über ein Schutzkonzept verfügen. Masken könnten Teil des Konzepts sein, wenn die Zwei-Meter-Abstandsregel im üblichen Kundenkontakt nicht eingehalten werden könne.

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