Chestenberg
Das ist der grösste Engpass im ganzen SBB-Netz

Mit dem Ausbau des Bahnverkehrs befasst sich auf Bundesebene morgen die Verkehrskommission des Ständerates. Dabei geht es um die Aufstockung der nötigen Gelder von 3,5 auf 6 Milliarden Franken.

Hans Lüthi
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Der Chestenberg schliesst an den Heitersbergtunnel an. Frank Reiser

Der Chestenberg schliesst an den Heitersbergtunnel an. Frank Reiser

Der Aargauer Baudirektor Peter C. Beyeler und die gesamte Regierung fordern vehement den Bau des Chestenbergtunnels zwischen Wildegg und Mellingen. Die Linie Olten–Zürich ist die meistbefahrene Strecke auf dem ganzen Netz der SBB. «Die Lage wird sich in den nächsten Jahren weiter zuspitzen», antwortet Beyeler auf Fragen der az Aargauer Zeitung. Als einzige S-Bahn in der Schweiz kann heute Aarau–Zürich nur im Stundentakt betrieben werden. Die Heitersberglinie ist das landesweit grösste Nadelöhr, weil sich hier der wachsende Güterverkehr und der starke Personenverkehr überlagern.

Nutzen auch für den Aargau

Der primäre Nutzen eines Chestenbergtunnels mit Kosten von 1,1 Milliarden Franken liegt zweifellos beim Fernverkehr und beim nationalen Güterverkehr. Aber der Bahnverkehr im Aargau wächst überdurchschnittlich, «jede Verzögerung ist inakzeptabel, wir müssen den Regionalverkehr ausbauen können, gemäss dem Wachstum der Bevölkerung», erklärt Beyeler. Der Aargau habe in den letzten zehn Jahren Infrastruktur, Fahrplan und den Komfort beim Rollmaterial ständig ausgebaut. Die zusätzlichen Fernverkehrszüge Bern–Zürich müssten auch in Aarau einen Halt machen.

Durch die Entflechtung mit dem Chestenbergtunnel werde es möglich, alle 15 Minuten Züge von Aarau nach Zürich und via Brugg–Baden–Zürich fahren zu lassen. Für die Regierung sei aber auch klar, dass der Aargau aufgrund seiner geografischen Lage und der Städteinfrastruktur immer ein Durchfahrtskanton bleiben werde.

Alle Kantone wollen Aufstockung

Die Aufstockung der nötigen Gelder auf 6 Milliarden Franken gehört zu den klaren Forderungen des Aargaus, denn ohne Geld gibt es auch keinen zusätzlichen Tunnel. «Aber wir stehen nicht allein da, alle Kantone wollen diese Aufstockung», beteuert der Aargauer Baudirektor. Die Kantone hätten dem Bund Vorschläge unterbreitet, denkbar wäre ein Verzicht auf die Verzinsung der FinöV-Schulden oder längere Fristen zur Rückzahlung. Verschiedene Ständeräte befürworteten eine befristete Erhöhung der Mehrwertsteuer. «Wenn der Wille vorhanden ist, den Ausbauschritt 2025 mit 6 Milliarden Franken zu finanzieren, dann findet das Parlament auch einen Weg dazu», so die Überzeugung von Peter C. Beyeler. Schliesslich hätten die nötigen Investitionen eine langfristige Wirkung und müssten nicht von einer Generation bezahlt werden.

Zustimmung im Frühjahr 2009

Bereits mit der Vorlage «Zukünftige Entwicklung der Bahninfrastruktur (ZEB)» haben Nationalrat und Ständerat dem Chestenbergtunnel im Frühjahr 2009 mit 182:0 und 43:0 zugestimmt. Es dürfe doch nicht sein, drei Jahre danach den Entscheid umzustossen, nur weil die Verwaltung argumentiere, die Planung sei ungenügend weit gediehen. Vom Tunnel profitiere nicht nur der Aargau, «sondern die gesamte Schweiz, inklusiv der Wirtschaftsräume Zürich, Basel und Bern».

Bei einem Ausbauverzicht zwischen Aarau und Zürich werde sich der Kampf um die Trassen zwischen Fernverkehr, Güterverkehr und Regionalverkehr verschärfen, befürchtet Beyeler. Dann komme der Regionalverkehr unter die Räder, «und dies wäre ein harter Schlag für den prosperierenden Kanton Aargau», lautet das entsprechende Fazit.