Brunegg
Das ist der Aargauer Bauer des Jahres: «Anerkennung für die geleistete Arbeit»

Am 4. «Buure-Sunntig» wurde Bio-Landwirt Simon Lüscher (26) in Brunegg zum Aargauer Bauern 2018 gekürt.

Ann-Kathrin Amstutz
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Landwirtschaftsdirektor und Regierungsrat Markus Dieth übergibt Simon Lüscher in der Vianco Arena in Brunegg die Auszeichnung als Aargauer Bauer des Jahres.
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Bauer des Jahres
Er hält Hühner...
..und Kühe.

Landwirtschaftsdirektor und Regierungsrat Markus Dieth übergibt Simon Lüscher in der Vianco Arena in Brunegg die Auszeichnung als Aargauer Bauer des Jahres.

AZ

Normalerweise haben sie auch am Sonntag nicht frei. Normalerweise stehen sie auch am Sonntag früh auf, um im Stall oder auf den Feldern nach dem Rechten zu sehen. Normalerweise denken sie auch am Sonntag zuerst an ihren Betrieb und erst dann an sich selbst. Doch gestern, am 4. Aargauer «Buure-Sunntig», standen sie im Zentrum: Rund 550 Bauern und Landwirtinnen mit Familie kamen in die Vianco-Arena nach Brunegg, um der Verleihung des Preises «Aargauer Bauer/Bäuerin 2018» beizuwohnen.

Top 5 in der Schweiz

Die Besucher wurden mit einem grosses Brunch-Buffet und musikalischen Darbietungen der Liebegger Musik und der Brassband «Brässkalation» verwöhnt. So war das Publikum in bester Stimmung, als Regierungsrat Markus Dieth ans Mikrofon trat. In seiner Ansprache unterstrich er die Bedeutung der Aargauer Landwirte. «Sie als Bauern versorgen die Bevölkerung mit Lebensmitteln und gestalten die Landschaft massgeblich mit.»

Der Aargau bestehe zur Hälfte aus landwirtschaftlicher Nutzfläche. Rund eine Milliarde Franken betrage der jährliche Markterlös, sagte Dieth. «Damit gehören wir zu den Top 5 in der Schweiz.» Der Regierungsrat, dessen Ressort Finanzen und Landwirtschaft umfasst, sagte: «Neben den trockenen Finanzen ist es schön, auch noch etwas Handfestes zu haben – die Landwirtschaft.» Ihm sei es wichtig, die Personen zu kennen, welche jahrein, jahraus harte Arbeit auf den Aargauer Bauernhöfen leisteten. «Ich will wissen, was Sie bewegt und wo die Herausforderungen liegen.»

Dieth lobte den kreativen, innovativen Umgang mit Neuerungen in der Landwirtschaft. Als Beispiele nannte er den Einsatz von Hackrobotern zur mechanischen Unkrautbekämpfung oder den Bio-Aktionsplan. «Es macht mich stolz zu sehen, wie Sie mutig sind und vorwärts gehen. Mit allem, was Sie leisten, müssen Sie sich nicht verstecken.»

Das sind die Preisträger

Vor dem Höhepunkt, den Preisverleihungen, wurden die zehn Nominierten für den Aargauer Bauer 2018 in einem Video vorgestellt. Anschliessend ging es zur Sache: Der Publikumspreis von Radio Argovia ging an Maja Stürmer aus Mandach. Jungbauer 2018 wurden Martin Spillmann aus Villnachern und Ramon Staubli aus Muri – sie teilten sich den ersten Platz. Dann war es an Markus Dieth, den Hauptpreis zu verleihen.

Der Gewinner heisst Simon Lüscher, ist 26 Jahre alt und kommt aus Holziken. Er wurde von einer Fachjury ausgewählt – Innovation, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit waren die massgeblichen Kriterien. Ökonomie und Ökologie sind auf Lüschers Betrieb im Einklang. Vor drei Jahren hat der 26-Jährige den Hof übernommen. Er hält 2000 Masthühner nach Bio-Standard in mobilen Ställen. Das Spezielle daran ist, dass die Ställe regelmässig den Standort auf der Wiese wechseln. Zusätzlich betreibt Lüscher Ackerbau. Getreide, Kartoffeln und Gemüse wachsen auf seinen Feldern.

«Eine wunderschöne Arbeit»

Und das sagte Lüscher zu seiner Auszeichnung: «Ich bin schon überrascht, den Hauptpreis gewonnen zu haben.» Alle Nominierten, zum Teil noch jünger als er, seien innovative Leute mit einem wettbewerbsfähigen Betrieb. Umso mehr fühlte sich der 26-Jährige geehrt: «Es ist ein schönes Gefühl und eine Anerkennung für die tägliche, mit Herzblut geleistete Arbeit.» Simon Lüscher betonte, dass viele andere ebenso viel leisten würden wie er. Er sehe sich deshalb als Stellvertreter für alle, die am Morgen aufstehen und denselben Job machen. «Mit der Familie zusammen einen Hof zu führen, das ist keine normale Arbeit – aber eine wunderschöne», sagte der Bio-Landwirt strahlend.

Der 4. «Buure-Sunntig» war nicht nur für Simon Lüscher ein voller Erfolg. Auch OK-Präsidentin Myrtha Dössegger zieht ein positives Fazit. «Unser Ziel ist es, den Austausch zwischen den Bauern zu fördern», erklärte sie. «Gerade nach einem Jahr wie diesem, das für viele nicht einfach war, sind solche geselligen Anlässe sehr wichtig.»

Das sagen die Aargauer Bauern zum Nein zur Hornkuh-Initiative:

Monika Leutwiler, 58 Landwirtin aus Leimbach «Ich finde, die Bauern sollen Geld für die Milch und die Produkte bekommen, nicht für die Art der Haltung. Ich bin schon dafür, dass man den Kühen die Hörner lässt, aber das soll jeder Bauer selbst entscheiden. Es gibt ja auch Zuchtrassen ohne Hörner.»
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Andreas Suter, 30, Landwirt aus Lupfig «Ich bin froh über die Ablehnung. Das Thema wurde stark aufgebauscht, Kuhhörner gehören einfach nicht in die Verfassung. Wenn das Ganze in einer Verordnung geregelt würde, wäre es schon in Ordnung, auch wenn der Subven-tionstopf gleich gross bleibt.»
Thomas Haller, 31, Landwirt aus Birrhard «Zum Glück haben die Leute verstanden, dass eine solche Bestimmung nicht in die Verfassung gehört. Selbst habe ich keine Kühe. Ich finde es einfach wichtig, dass wir Bauern angemessene Preise für unsere Produkte bekommen.»
Katharina Lüscher, 36, Bäuerin aus Muhen «Es ist gut so, dass es ein Nein gab. In unserem Stall stehen 70 Kühe, aber keine einzige hat Hörner. Als ich ein Kind war, hatten wir Kühe mit Hörnern, da habe ich mir einmal den Finger eingeklemmt. Es gab auch kleine Verletzungen unter den Tieren.»
Hans Hunziker, 64, ehemaliger Landwirt aus Gontenschwil «Ich war gegen die Initiative. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Hörner gefährlich sind. Als ich selbst noch Mutterkühe hatte, stiess mir eine Kuh das Horn in den Bauch – ich hatte grosses Glück, ohne schwere Verletzung davonzukommen.»

Monika Leutwiler, 58 Landwirtin aus Leimbach «Ich finde, die Bauern sollen Geld für die Milch und die Produkte bekommen, nicht für die Art der Haltung. Ich bin schon dafür, dass man den Kühen die Hörner lässt, aber das soll jeder Bauer selbst entscheiden. Es gibt ja auch Zuchtrassen ohne Hörner.»

Akk-Kathrin Amstutz