Gibt man den hiesigen Unternehmern eine Plattform für ihre wichtigsten Argumente gegen die 1:12-Initiative, dann packen sie die Gelegenheit beim Schopf. Könnte man meinen. Immerhin lässt ihre Lobby, die Aargauische Industrie- und Handelskammer (AIHK), keine Zweifel offen, dass die Juso-Initiative «für gerechte Löhne» am 24. November an der Urne «klar abzulehnen» sei.

Das «staatliche Lohndiktat» hätte mehrere «schädliche Auswirkungen» auf den Wirtschaftsstandort Schweiz, schrieb der Wirtschaftsverband, der die Interessen von 1600 Aargauer Firmen vertritt, Anfang Woche.

Ihr Engagement gegen eine Obergrenze der Lohnunterschiede unterstreicht die AIHK mit zwei Podiumsdiskussionen, die am 28. Oktober in Aarau und am 8. November in Baden stattfinden.

Drei Unternehmen äussern sich nicht

Die einzelnen Unternehmer und Firmenchefs hingegen äussern sich zurückhaltend. Konkret wollte die «Schweiz am Sonntag» von 14 grossen Aargauer Unternehmen wissen, warum eine maximale Lohnspanne von 1:12 in ihrem Fall so schlimm wäre. An der Umfrage nahm gut die Hälfte teil. Wiederum gut die Hälfte ging explizit auf die eigene Firma ein.

Gar keinen Kommentar abgeben wollen drei Unternehmungen. Alstom Schweiz in Baden lässt ausrichten, man äussere sich grundsätzlich nicht zu politischen Themen, «nicht einmal bezüglich Energiepolitik der Länder». Mit derselben Begründung verzichtet Rivella in Rothrist und Möbel Pfister mit Sitz in Suhr auf ein Statement. «Bei Pfister ist diese Lohndiskussion völlig realitätsfremd und entspricht in keiner Weise der Unternehmenspolitik», schreibt eine Sprecherin.

«Kein direkter Einfluss auf unser Unternehmen»

Auskunftsfreudiger sind inhabergeführte Unternehmen, die teilweise auch offenlegen, ob der tiefste und der höchste Lohn weiter auseinanderliegen als Faktor zwölf. So sagt Hans-Jörg Bertschi vom gleichnamigen Transportunternehmen in Dürrenäsch: «Wir liegen in der Lohnspanne deutlich tiefer.» Und gemäss Werner Twerenbold von Twerenbold-Reisen in Baden hätte das eingeschränkte Lohnband «keinen direkten Einfluss auf unser Unternehmen».

Zahlen nennen wollen die Familienunternehmen hingegen nicht. Das gilt auch für die Ferrum AG in Rupperswil, die unter anderem Dosenverschliesser, Autowaschanlagen und Zentrifugen herstellt. «Gut schweizerisch und als family owned company geben wir keine Auskunft über unsere Löhne», schreibt CEO Ernst Werthmüller. Ferrum beschäftige jedoch niemanden mit einem Monatslohn unter 4000 Franken.