Steueramt
Das grosse Aufräumen im Steueramt: «Noch heute fehlen uns Unterlagen»

Privatfirma hinterliess nach dem Ende ihres Mandats viel Arbeit für die Nachfolger. Eugène Bento, der Leiter des regionalen Steueramts, traf in Rottenschwil einen «administrativ schlechten Zustand» an. Verantwortlich war die private Firma «KSG AG».

Fabian Hägler
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Eugène Bento, der Leiter des regionalen Steueramts, traf in Rottenschwil einen «administrativ schlechten Zustand» an.

Eugène Bento, der Leiter des regionalen Steueramts, traf in Rottenschwil einen «administrativ schlechten Zustand» an.

Emanuel Freudiger

Fehlerhafte Einträge im Steuerregister, unkorrekt registrierte Landverkäufe, nicht veranlagte Steuern, fehlende Unterlagen:

Dieses Bild bot sich Eugène Bento, Leiter des regionalen Steueramtes der Gemeinden Aristau, Rottenschwil, Oberwil-Lieli und Unterlunkhofen am 1. Oktober 2013.

Bento und sein Team übernahmen damals die Führung des Steueramtes Rottenschwil. Zuvor hatte die KSG Kompetenzzentrum für Städte und Gemeinden AG das Mandat gut vier Jahre lang ausgeübt.

«Wir haben das Steueramt Rottenschwil bei der Übernahme in einem administrativ schlechten Zustand angetroffen», sagt Bento rückblickend. Und er ergänzt: «Um das Steueramt auf Vordermann zu bringen, waren wir zwei Monate lang mit einem 300-Prozent-Pensum im Einsatz.» Es sei nicht auszuschliessen, dass der Gemeinde in den letzten Jahren auch Steuereinnahmen entgangen seien, hält Eugène Bento fest. Und er verspricht: «Wir setzen alles daran, dass keine Verjährungsfälle auftreten.»

Die Zusammenarbeit mit der KSG AG gestaltet sich laut Bento ziemlich schwierig. «Noch heute fehlen uns gewisse Unterlagen, doch die Firma beantwortet seit Monaten keine Mails oder Anfragen mehr», sagt er.

Steueramt als Ausbildungsort?

Romuald Brem, der Ende 2013 nach acht Jahren als Rottenschwiler Gemeindeammann zurücktrat, sagt: «Wir haben uns 2009 aus finanziellen Gründen für KSG entschieden, weil diese Firma das günstigste Angebot machte.»

Bald zeigte sich, dass die Dienstleistungen nicht den Erwartungen der Rottenschwiler Behörden entsprachen. «Es gab immer wieder Personalwechsel, die Angestellten der Firma waren sehr jung und unerfahren, die fachliche Begleitung für sie fehlte», blickt Brem zurück.

Hanspeter Frischknecht, der als Geschäftsführer der KSG AG diese Begleitung versprochen habe, sei zu selten vor Ort gewesen, kritisiert Brem. «Herr Frischknecht hat sich mit seinen zahlreichen Mandaten verzettelt, er benutzte das Steueramt Rottenschwil als Ausbildungsort, konnte sein Fachwissen aber nicht einbringen», sagt der frühere Gemeindeammann.

Obwohl der Gemeinderat den Wunsch nach besser qualifzierten und älteren Steueramtsangestellten bei allen monatlichen Sitzungen vorbrachte, änderte sich laut Brem nichts.

«Die Firma KSG kann ihre Dienstleistungen nur deshalb zu derart tiefen Preisen offerieren, weil sie auf das Geschäftsmodell mit jungen, unerfahrenen und günstigen Mitarbeitern setzt», sagt Brem. Nach vier Jahren habe sich der Gemeinderat entschieden, den Vertrag mit der Firma zu kündigen. «Jetzt bezahlen wir zwar etwas mehr, dafür ist die Qualität der Dienstleistungen auch besser», hält Brem fest.

«Eine schwierige Gemeinde»

Hanspeter Frischknecht, Inhaber und Geschäftsführer der KSG, wehrt sich gegen die Vorwürfe. «Als wir das Steueramt Rottenschwil übernommen haben – übrigens nach einem Skandal, die damalige Betreuerin hatte in die Kasse gegriffen – mussten wir schnell viel aufräumen.» In den folgenden Jahren sei der Steuerertrag förmlich explodiert, die Gemeinde habe Eigenkapital bilden und die Steuern senken können. «Vor diesem Hintergrund verstehe ich die Äusserungen von Herrn Bento nicht».

Frischknecht betont: «Ich bin seit mehr als 20 Jahren in diesem Bereich tätig und weiss, dass es nicht immer nur an den Verwaltungsmitarbeitern liegt, wenn etwas nicht läuft. Und dann den Mandatsträgern die Schuld zuzuschieben, ist relativ einfach.» Das Verhalten, das die Führungspersonen an den Tag legten, sei typisch für eine schwierige Gemeinde, sagt Frischknecht. Er betont, dass «die Mitarbeiter, die in Rottenschwil eingesetzt wurden, dem Gemeinderat vor Vertragsabschluss mit Lebenslauf und weiteren Unterlagen vorgestellt wurden.» Das Alter der eingesetzten Personen sei nicht das einzige Kriterium, ob ein Mandat funktioniere. «Dies hängt immer vom Gesamtkonstrukt und insbesondere von den Führungsstrukturen ab.»

Gute Erfahrungen in Bellikon

Auch die Gemeinde Bellikon hat die Zusammenarbeit mit der KSG AG im Bereich Steuern beendet. Dies per Ende 2010, wie Gemeindeammann Hans Peter Kurth bestätigt. «Seither führen wir ein gemeinsames Steueramt mit Widen, das war ein strategischer Entscheid des Gemeinderats.» Nun könne Bellikon auf ein Team mit 350 Stellenprozenten bauen, vorher waren es nur 90 Stellenprozente. «Mit der Qualität der Dienstleistungen der KSG waren wir immer zufrieden. Seit die Firma für uns tätig war, ist das Steueraufkommen gewachsen», hält Kurth fest. Auch bei der Übergabe des Steueramtes gab es aus Sicht des Gemeinderats Bellikon keine grösseren Schwierigkeiten. «Dass jeder Steueramtsleiter seine eigene Arbeitsweise hat, ist aus meiner Sicht kein Problem», findet Kurth.

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