Wahlwerbung

Das grosse Abhängen der Wahlplakate beginnt

BDP-Nationalrat Bernhard Guhl (rechts) zeigt sich auf einem Facebook-Selfie beim Abbau seiner Wahlplakate.

BDP-Nationalrat Bernhard Guhl (rechts) zeigt sich auf einem Facebook-Selfie beim Abbau seiner Wahlplakate.

Im Aargau hat es sich ausplakatiert: Bis Sonntag müssen alle Nationalratsplakate weg sein. Ein spezielles Gefühl für die Politiker, sich selber abzuhängen.

Es wurde gelächelt, provoziert und sogar wegretuschiert: Die Wahlplakate waren ein prägendes Element im Aargauer Wahlkampf. Nun aber müssen die Nationalratsplakate bis am Sonntag definitiv abgehängt werden. So will es das Reglement.

Oft sind die Politiker selbst für das Auf- und Abhängen ihrer Wahlplakate zuständig. Eines von vielen Beispielen ist Adrian Schoop von den Jungfreisinnigen. Mit zehn Bekannten montierte er vor gut acht Wochen rund 180 Wahlplakate in der Region.

Diese sind bereits wieder weg: «Wir haben sie am Samstag vor den Wahlen schon entfernt», erklärt der Badener. So euphorisch die Plakate auch aufgehängt wurden, so viel Wehmut war beim Abhängen dabei: «Damit wurde mir bewusst, dass ein langer Prozess, der grossen Spass gemacht hat, nun zu Ende geht.»

Guhl: Genervt von Vandalen

Auch BDP-Nationalrat Bernhard Guhl ist bereits fertig mit Abhängen. Auf Facebook zeigt er ein Selfie bei der Arbeit, allerdings auch genervte Worte: «Die primitiven Antidemokraten, die unsere Plakate runterreissen, hätten auch eine Leiter nehmen können, um auch die oberen Kabelbinder zu entfernen», ist dort zu lesen.

Sonst kamen bei ihm aber keine grossen Emotionen auf: «Das Ziel war, im Nationalrat zu bleiben. Das haben wir erreicht.» Er war nicht explizit für seine Plakate zuständig, da die regionale BDP die Beschilderungen in Gruppen abarbeitet.

«Anders als bei anderen Parteien ist das bei uns Teamwork. Am Samstag haben wir bereits begonnen, seit Dienstag sind wir mit unserem Teil fertig», erklärt Guhl, der im zweiten Wahlgang der Ständeratswahlen nicht mehr antreten wird. Dass mit dem Abhängen schon vor den Wahlen begonnen wurde, stört den 43-Jährigen nicht. Er glaube nicht, dass man in der Nacht auf Sonntag noch neue Wähler hinzugewonnen hätte.

Fricker: Könnte knapp werden

Nach seiner Wahl in den Nationalrat wird Jonas Fricker (Grüne) seine Plakate mit einem Lächeln abnehmen. «Ich mache das lieber, als sie aufzuhängen. Es ist schön, die Plakate wegzunehmen und sich wieder dem Wesentlichen zu widmen.»

Ausserdem sei die Arbeit eine willkommene Gelegenheit, nach den Wahlen etwas in sich zu gehen. Nur kommt er kaum vorwärts: «Ich wollte die Plakate schon Anfang Woche wegnehmen. Mir fehlte aber schlicht die Zeit», erklärt der Badener.

Immer wieder werde er durch die Medien unterbrochen und renne von einem Termin zum nächsten. «Ich hoffe wirklich, dass ich es bis Sonntag schaffe.» Es wäre bereits das zweite Mal im Wahlkampf, dass er sich nicht an die Regelungen hält: Schon zu Wahlkampfbeginn stellte er seine Plakate einen Tag zu früh auf.

Burgherr: Ein Viertel kaputt

Ganz anders sieht es beim neu gewählten Nationalrat Thomas Burgherr (SVP) aus. Er hat seine Werbung schon eine Woche vor den Wahlen abbauen lassen. Grund sind Verunstaltungen von rund einem Viertel seiner Plakate.

«Verschmierte Plakate sind schlechte Werbung, darum habe ich zwei meiner Angestellten schon am Freitag eine Woche vor den Wahlen alle Plakate einsammeln lassen.» Er hat nur rund 100 Plakate im ganzen Kanton anbringen lassen.

Das wilde Plakatieren werde er aber in Zukunft lassen: «Ich habe unzählige SMS, Mails und Anrufe erhalten, dass meine Plakate verunstaltet oder umgeworfen worden seien. Es ist ein riesiger Aufwand, diese immer wieder aufzustellen oder zu beseitigen.»

Er bezweifelt auch die Wirkung der einzelnen Plakate, die bei der Flut an Werbetafeln kaum mehr wahrgenommen würden. Bei der SVP sei jeder für seine eigenen Plakate, für die «Grundwerbung» jedoch die Bezirksparteien verantwortlich.

«Die Plakate sollten möglichst schnell abgebaut werden. Ich gehe davon aus, dass heute keine SVP-Plakate mehr hängen, ausser natürlich jene für die Ständeratswahlen.»

Suter: Ein Einziges angemalt

Gabriela Suter (SP) hat zusammen mit ihrem Sohn ihre 28 Metallständer am Sonntagmorgen abgeräumt. Und auch die 80 Kandelaberplakate sind «bis auf vier im Bezirk Rheinfelden» beseitigt.

«Ich bin eigentlich froh, dass ich das schon gemacht habe, bevor die Resultate bekannt waren, denn danach war der Frust natürlich gross.»

Allerdings nicht der persönliche Frust, denn dass sie auf dem 16. Listenplatz nicht gewählt würde, war ihr klar. Dass die Plakate nun weg sind, findet Suter ganz und gar nicht schade: «Endlich ist diese Selbstvermarktung vorbei, denn es ist schon komisch, sich selber überall auf Plakaten zu sehen.»

Sehr erstaunt und erfreut war sie darüber, dass fast keines ihrer Plakate verunstaltet worden ist. «Nur eines beim Wohler Bahnhof, auf dem ich zusammen mit zwei anderen Kandidaten zu sehen war, wurde mit blauer Farbe bemalt.»

Meistgesehen

Artboard 1