Zofingen
Das ganze Ausmass des Desasters: Die Schadenskarte zu den Unwettern liegt vor

Die Auswertung der Daten zeigt den sintflutartigen Regen und dessen verheerende Folgen.

Beat Kirchhofer
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Die blauen Geländezonen wurden zu Bächen. Rot markierte Gebäude haben mehr oder weniger grosse Schäden davongetragen. Daten: Kanton Aargau; Orthofoto: © Aargauisches Geografisches Informationssystem AGIS.

Die blauen Geländezonen wurden zu Bächen. Rot markierte Gebäude haben mehr oder weniger grosse Schäden davongetragen. Daten: Kanton Aargau; Orthofoto: © Aargauisches Geografisches Informationssystem AGIS.

Auch wenn das Parkhaus am Bahnhof in Zofingen seit letzten Freitag wieder benutzt werden kann – die Aufräumarbeiten nach dem Unwetter vom 8. Juli sind längst noch nicht abgeschlossen. Spezialfirmen sind nach wie vor damit beschäftigt, überflutete Häuser mit Trocknungsmassnahmen zu retten. Digitale und papierene Archive warten auf ihre Wiederherstellung.

Wie gewaltig das Ausmass der Schäden wirklich ist, zeigt ein mit Karten illustrierter Bericht der kantonalen Abteilung Landschaft und Gewässer. Die Karte oben hat die Abteilung extra für diese Zeitung aufbereitet; sie ist ein Abbild des Desasters vom 8. Juli. Oder wie sich Werner Ryter, Leiter Tiefbau und Planung der Stadt Zofingen, ausdrückt: «Die Karte zeigt, wo die Region unterging.»

Bilder der Zerstörung nach dem Unwetter:

Der Eingangsbereich der sieben Reiheneinfamilienhäuser (rechts) an der Hinterhubel- strasse in Uerkheim wurde total überflutet. Das Auto von Rebecca Kaiser gegen das Vordach gedrückt. 1
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«So hoch stand das Wasser.» Rebecca Kaiser im Eingangsbereich des Hauses ihrer Eltern. Vor und neben ihr Habseligkeiten, die total durchnässt und verdreckt wurden. Fast alles muss weggeworfen werden.
Grosse Schäden in Uerkheim.
Mario Schaffner, der Freund der Nichte, hilft beim Aufräumen. Der Lebensmittelladen von Elsbeth Byland ist total überflutet worden. Praktisch alles muss entsorgt werden.
Haben eine Pause verdient: Andreas Moser (2. v. l.) und seine Helfer Fabian Moser, Fritz Roth, Beat Bolliger und Andreas Bolliger gestern Morgen beim Aufräumen. Links das an die Wand gedrückte Auto und Bleche der Garagen.
Grosse Schäden in Uerkheim.
Überschwemmung in Uerkheim
Überschwemmung in Uerkheim
Überschwemmung in Uerkheim
Überschwemmung in Uerkheim
Überschwemmung in Uerkheim
Überschwemmung in Uerkheim
Uerkheim nach der Überschwemmung am Samstagabend.

Der Eingangsbereich der sieben Reiheneinfamilienhäuser (rechts) an der Hinterhubel- strasse in Uerkheim wurde total überflutet. Das Auto von Rebecca Kaiser gegen das Vordach gedrückt. 1

ZVG

90 Millimeter Regen in 3 Stunden

Markus Tschannen ist beim Kanton für die planerische Aufarbeitung des Ereignisses zuständig. Die Auswertung der Meteo-Daten haben ihm gezeigt, dass innerhalb von drei Stunden im Einzugsgebiet der Zofinger Stadtbäche 85 bis 90 Millimeter Regen niederging. «Die Gebiete rund um Uerke und Köllikerbach wurden mit Niederschlagssummen von 70 Millimetern getroffen.»

Was bedeuten diese Zahlen? Der statistische Jahresniederschlag beträgt in Zofingen rund 990 Millimeter. Ryter ergänzt: «Seit 1883 werden in Zofingen die Tagessummen der Niederschläge gemessen. Am 8. Juli geht es um eine Tagessumme von 81 Millimetern – das sind 82 Liter pro Quadratmeter». In der 135-jährigen Zeitreihe der Messungen das drittgrösste Ereignis – und das einzige, das auf ein einzelnes Gewitter zurückzuführen ist.

«Das ist über dem Durchschnitt der in den 100 Jahren registrierten Ereignisse», stellt auch Tschannen fest. Deshalb werden keine flächendeckenden Schutzmassnahmen ins Auge gefasst. Im dichten Siedlungsgebiet und angesichts der Kosten eines noch besseren Hochwasserschutzes stellt die 100-Jahr-Marke eine Trennlinie dar. Dies insbesondere auch, weil das Zofinger Hauptgewässer Wigger an den Überflutungen nicht beteiligt war.

Das Fazit? In der Kurzversion: Das Ereignis war aussergewöhnlich – Starkregen führte zu überlasteten Bächen und Gerinnen, starkem Oberflächenabfluss und Rückstau in den Kanalisationen. Das Ereignis werde sorgfältig analysiert, um die richtigen Schlüsse für die Zukunft zu ziehen – die Gefahrenkarte Hochwasser gegebenenfalls angepasst. Was bereits fest stehe: «Mit der Gefahrenkarte und dem integralen Hochwassermanagement verfügt der Kanton Aargau über eine gute Grundlage und die richtigen Instrumente», sagt Tschannen.

Bilder vom Zivilschutzeinsatz in der Rosenzucht Koller in Uerkheim:

Schon bei der Ankunft bei der Einsatzzentrale in Uerkheim zeigt sich das Ausmass der Überschwemmung.
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Treibgut säumt die Hecken beim Parkplatz der Schulturnhalle.
Dieser Zaun hielt den Wassermassen nicht stand.
Hier wird sonst ausgelassen Beach-Volleyball gespielt. Nun bietet sich ein Bild der Zerstörung.
Auch der Schlamm auf dem Platz vor der Einsatzzentrale zeigt, dass hier vor wenigen Tagen das Wasser stand.
Das Treibgut in diesem Zaun zeigt, wie hoch das Wasser beim Fussballplatz neben der Turnhalle stand.
Auf dem Gelände der Rosenzucht Koller in Uerkheim bietet sich ein Bild der Zerstörung.
Das Wasser strömte durch zehn Gewächshäusern mit Rosenstöcken.
Schlamm und Zerstörung so weit das Auge reicht.
Alle Blachen und Holzverstrebungen sind durch das Hochwasser unbrauchbar geworden.
Erst in einigen Wochen wird sich zeigen, ob einige der Rosenstöcke noch zu retten sind.
Zivilschützer entfernen die verdreckten und zerstörten Seitenverkleidungen der Gewächshäuser.
Eine überaus schmutzige und nicht zuletzt anstrengende Angelegenheit.
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Diese Hecke auf dem Gelände der Rosenzucht wurde von den Wassermassen niedergerissen
Auch diese Bleche wurden von den Fluten mitgerissen.
Zerstörung in der Rosenzucht Koller in Uerkheim nach dem Unwetter
Diese Brücke am Rand der Rosenzucht wurde vom Hochwasser zerstört. Zivilschützer schneiden das Ufer von Schwemmholz frei.
Zivilschützer füllen Mulde um Mulde mit verschlammten Blachen und zerstörten Holzverstrebungen.

Schon bei der Ankunft bei der Einsatzzentrale in Uerkheim zeigt sich das Ausmass der Überschwemmung.

Lukas Scherrer

Freiwillig Massnahmen treffen

Das Baubewilligungsverfahren müsse in Bezug auf die Hochwassergefährdung nicht verschärft werden. Diese Aussage gilt laut Tschannen allerdings eher allgemein – und bezieht sich nicht auf die einzelne Parzelle. Dazu Ryter: «Die Besitzer betroffener Gebäuden sollten für die Zukunft Massnahmen ergreifen». Das Versicherungsamt unterstütze «notwendige und wirksame Massnahmen zum Schutz von Objekten» mit bis zu 40 Prozent der Kosten. Versicherungen könnten auf Mehrfachgeschädigte sogar «sanften Druck» ausüben, ergänzt Ryter.

Tschannen, Projektleiter beim Kanton, war privat auch schon Überflutungsopfer. «Der Keller stand unter Wasser – Heizung und Boiler waren kaputt.» Die neuen Anlagen stehen bei Tschannen nicht mehr auf dem Kellerboden, sondern erhöht auf massiven Sockeln. Dies so zu machen, rät er allen Hochwassergeschädigten.