AZ Storyparade 2019
Das gab im Januar zu reden: Erstochen vor der Haustüre – der Rätselmord von Aarau

Wir haben für jeden Monat eine regionale Geschichte rausgepickt, welche unsere Leserinnen und Leser 2019 besonders interessiert hat. Darunter sind politische Aufreger, Geschichten von aussergewöhnlichen Menschen, aber auch Skurriles und Erschreckendes. Im Januar: Der Mord an einer alleinstehenden Frau in Aarau liess viele Fragen und Rätsel offen.

Philipp Zimmermann
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Tötungsdelikt Aarau: Beim Opfer handelt es sich um die 66-jährige Hildegard Enz Rivola.
22 Bilder
Enz Rivola wurde zu Hause an der Erlinsbacherstrasse 40 umgebracht.
Sie ging oft mit ihrem Hund an der Aare spazieren.
Der Hund von Hildegard Enz Rivola verschwand zwischen Donnerstag 17. und Samstagmorgen, 19. Januar 2019. Die Polizei wollte wissen: Wer hat ihn in dieser Zeit gesehen?
Der Tatort befindet sich an der Erlinsbacherstrasse 40 in Aarau (rot markiert).
Wenige Tage nach der Bluttat: Die Kantonspolizei Aargau verteilt rund um den Tatort des Tötungsdelikts an Hildegard Enz Rivola Flugblätter an Passanten und Hündeler.
Diese Treppe an der Erlinsbacherstrasse in Aarau wurde abgesperrt, nachdem am Donnerstagabend (17. Januar 2019) die 66-jährige Frau niedergestochen wurde.
Die Kantonspolizisten durchforsten am Freitagmorgen die Umgebung nach Hinweisen zur zunächst unbekannten Täterschaft.
Tötungsdelikt an Erlinsbacherstrasse in Aarau (1)
Die Polizisten suchen hier das Nachbargrundstück ab. Die 66-Jährige wurde vor dem Haus im Hintergrund (Erlinsbacherstrasse 40) gefunden.
Tötungsdelikt Aarau: Gibt es nun eine heisse Spur? (19. Januar) Es bleiben viele Fragen ungeklärt. Tele M1 berichtet, dass die Polizei bei ihren Ermittlungen auch Asylunterkünfte ins Visier nimmt.
Die Haustür des Opfers wurde von der Polizei versiegelt.
Der Tatort Erlinsbacherstrasse 40: Die Frau wurde vor ihrem Hauseingang (oben hinter dem Haus) gefunden.
Die Polizisten suchen dei Nachbargrundstücke und die Treppe zur Weinbergstrasse ab.
Am Tag nach der Tat durchforstet die Kantonspolizei Aargau mit einem 20-köpfigem Team die Umgebung.
Die Kantonspolizisten kehren buchstäblich jeden Stein um.
Die Kantonspolizei Aargau durchforstet mit einem 20-köpfigem Team die Umgebung. Im Hintergrund das Kraftwerk.
Vom Haus des Opfers blickt man auf die Aare.
Am Tag nach der Tat durchforstet die Kantonspolizei Aargau mit einem 20-köpfigem Team die Umgebung.
Der Tatort ist von der Strasse aus nicht einsehbar.
Blick vom Haus des Todesopfers auf die Aare.
Das Haus des Opfers

Tötungsdelikt Aarau: Beim Opfer handelt es sich um die 66-jährige Hildegard Enz Rivola.

Staatsanwaltschaft Aargau

1. Die Tat

Am Donnerstag, 17. Januar 2019, hat eine unbekannte Täterschaft die 66-jährige Hildegard Enz Rivola ermordet. Die Tat geschah an der Erlinsbacherstrasse 40 in Aarau, der Wohnadresse des Opfers. Der Täter stach kurz nach 18 Uhr mit einem Messer mehrmals auf die Schweizerin ein. Die Kantonspolizei schrieb in der Medienmitteilung vom Freitagmorgen von "zahlreichen Stichverletzungen".

Nachbarn hörten die Frau um Hilfe rufen und eilten ihr zu Hilfe. Sie lag blutüberströmt am Boden vor dem Wohnungsseingang. Die Nachbarn alarmierten sofort den Notruf und leisteten Erste Hilfe, holten Wolldecken. Hildegard Enz Rivola wurde zwar noch per Ambulanz ins Spital gebracht, doch sie erlag dort am selben Abend ihren schweren Stichverletzungen.

Hildegard Enz Rivola lebte allein mit ihrem Hund.

2. Der Tatort

Geschah die Tat in der Wohnung des Todesopfers oder im Freien, an oder vor der Haustür? Aus ermittlungstaktischen Gründen hüllen sich Polizei und Staatsanwaltschaft dazu in Schweigen. Unklar ist, ob das Opfer während oder kurz nach der Tat um Hilfe rief. Auch, wie lange die Frau schon in der Wohnung war, also ob sie erst kurz zuvor von einem Spaziergang mit dem Hund nach Hause gekommen war – oder ob sie sich schon länger in der Wohnung aufhielt.

Die Wohnung liegt erhöht zur Erlinsbacherstrasse und ist von dort durch eine längere Treppe erreichbar. Die Wohnung und Wohnungstür sind von der Strasse aus nicht einsehbar.

3. Das Motiv

Das Motiv für die Tat liegt im Dunkeln. Die Polizei ermittelt in alle Richtungen, wie sie in den letzten Tagen mehrfach kommunizierte. Es ist noch unklar, ob es sich um ein Beziehungsdelikt handelt oder ob die Tat einen anderen Hintergrund hat.

Hildegard Enz Rivola lebte seit zehn Jahren getrennt von ihrem Ex-Mann. Sie habe keine Feinde gehabt, sagte er zu "TeleM1". Um ein mögliches Beziehungsdelikt abzuklären, nimmt die Polizei Familie, Freundes- und Bekanntenkreis des Opfers unter die Lupe. Hier haben die Abklärungen offenbar nicht zu einer dringend verdächtigen Person geführt.

4. Die Täterschaft

Von der Täterschaft fehlt eine Woche nach der Bluttat offenbar jede Spur. Sie ist offenbar schnell geflüchtet, denn das schwer verletzte Opfer konnte noch um Hilfe rufen, und die Nachbarn trafen die Täterschaft nicht mehr am Tatort an. Die Polizei hat auch kein Signalement einer Person veröffentlicht, die in der Nähe des Tatorts gesehen worden ist. Das weist darauf hin, dass die Täterschaft unbemerkt flüchten konnte.

5. Die Fahndung

Die Ermittler unternehmen viel, um der Täterschaft auf die Spur zu kommen. Rund um den Tatort suchten Polizisten in einer grosse Aktion nach Spuren. Von der Auswertungen der Spurensicherung und des gerichtsmedizinischen Instituts werden sich die Ermittler weitere Informationen erhoffen. Möglich ist etwa, dass DNA-Spuren von der Täterschaft gefunden werden. Auch Kameras in der Nähe werden ausgewertet, ebenso Radaranlagen. Wie schon im Fall Rupperswil fragt die Polizei nach allfälligen Dashcam-Aufnahmen aus Fahrzeugen, welche im fraglichen Zeitraum in Tatortnähe gemacht wurden.

Polizisten verteilten am Montagvormittag an der Aare in Aarau Flugblätter mit Bildern vom Todesopfer und ihrem Hund. Hildegard Enz Rivola ging allmorgendlich mit ihrem Hund am Fluss zwischen Kraftwerk und dem Entennest in Schönenwerd spazieren. Die Polizei sucht Personen, denen das Opfer hier aufgefallen ist.

Am Tag nach der Flugblattaktion hatte die Polizei schon über 50 Hinweise zum Opfer, der Tatortumgebung, verdächtigen Personen und Videoaufnahmen aus der Umgebung erhalten.

6. Der Hund des Opfers

Der kleine schwarze Hund des Todesopfers wurde nach der Tat vom Donnerstag vermisst. Am Samstag tauchte er offenbar wieder auf. Wo hielt er sich in der Zwischenzeit auf? Nahm ihn die Täterschaft etwa mit? Oder befand er sich schon vor der Tat woanders? Und wie tauchte er wieder auf? Möglich, dass die Polizei mehr weiss – sie hielt sich aber auch hier mit weiteren Informationen zurück.

Wegen dieser offenen Fragen stellt die Polizei diese Frage an die Bevölkerung: «Wer hat den Hund von Hildegard Enz Rivola zwischen Donnerstag 17. und Samstagmorgen, 19. Januar 2019, gesehen?»

7. Die Fragen der Kantonspolizei

Das sind jene Fragen, welche die Polizei im Rahmen ihrer Öffentlichkeitsfahndung an die Bevölkerung stellt:

  • Wer hat Hildegard Enz Rivola am Donnerstag, 17. Januar 2019, zwischen 13.30 und 18.00 Uhr gesehen oder mit ihr an diesem Tag in irgendeiner Form Kontakt gehabt?
  • Wer hat am Donnerstag, 17. Januar 2019, zwischen 13.30 und 20.00 Uhr im Bereich der Erlinsbacherstrasse/Weinbergstrasse und nähere Umgebung in Aarau verdächtige Personen gesehen oder Wahrnehmungen gemacht?
  • Wer hat im angegebenen Zeitraum und Gebiet Dashcam- oder andere visuelle Aufnahmen gemacht?
  • Wer kann Hinweise zu Hildegard Enz Rivola, ihrem Verhalten oder ihrem Umfeld geben?
  • Wer hat den Hund von Hildegard Enz Rivola zwischen Donnerstag 17. Und Samstagmorgen, 19. Januar 2019, gesehen?
  • Wer hat im Zusammenhang mit der verübten Tat verdächtige Feststellungen gemacht oder kann andere sachdienliche Hinweise geben?

(23. Januar 2019)