Rothrist

«Das Ford-Areal wird nicht notverkauft»

Am 8. März wird über den Verkauf des Ford-Areals entschieden. lee

Am 8. März wird über den Verkauf des Ford-Areals entschieden. lee

Rothrists Ammann Hans-Jürg Koch erklärt den Entscheid für das Projekt der Schöni Transport AG. Einem anderen Logistikunternehmen war 2010 eineAbsage erteilt worden.

«Wir sind erstaunt, dass das Ford-Areal an ein Logistikunternehmen verkauft werden soll», sagt Josef Jäger. Der Direktor der Camion Transport AG mit Sitz in Wil SG hat für das 14 Fussballfelder grosse Industriegrundstück in Rothrist im April 2010 erstmals schriftlich Interesse bekundet. «Wir erhielten sechs Tage später einen abschlägigen Bescheid, weil an diesem Standort keine verkehrsintensive Nutzung angesiedelt werden soll», zitiert Jäger das gemeinderätliche Schreiben.

Die Camion Transport AG ist mit rund 1000 Beschäftigten und 500 Fahrzeugen an 13 Standorten in der Schweiz präsent. Laut Jäger wird im Mittelland für Winznau bei Olten ein neuer Standort mit Gleisanschluss gesucht. «Unser Unternehmen setzt auf die Bahn. Dank dem dualen Transportkonzept werden 60 Prozent unserer Sendungen mit der Bahn transportiert und dafür jede Nacht 100 Bahnwagen eingesetzt», so Jäger.

Als Mitte Januar bekannt wurde, dass die Schöni Transport AG für 21,6 Millionen Franken das Ford-Areal kaufen will, bat die Camion Transport AG nochmals schriftlich bei der Gemeinde Rothrist um einen Vorstellungstermin. «Leider wurde uns nie die Möglichkeit gewährt, unsere Alternative zu präsentieren», kritisiert Josef Jäger.

Einer von vielen Interessenten

«Wir haben eine Kriterienliste», erklärt Rothrists Gemeindeammann Hans-Jürg Koch. Ausschlaggebend für den Gemeinderat sei, dass auf dem Ford-Areal nicht ein Filialbetrieb und Warenumschlagplatz entsteht. «Deshalb haben wir solche Anfragen immer abgewiesen», sagt Koch und versichert, dass jede Anfrage im Gemeinderat eingehend behandelt worden sei. «Die Camion Transport AG hat nicht im Sinn, den Firmensitz nach Rothrist zu verlegen. Auch wurden Anforderungen wie die gewünschte Mitarbeiterzahl nicht erfüllt.» In den letzten zwei Jahren seien weit über 100 Kaufanfragen eingegangen. Über die Hälfte davon waren von Transport- und Logistikunternehmen.

Mit der Schöni Transport AG ist die Wahl des Gemeinderates nun trotzdem auf ein Logistikunternehmen gefallen. Auf die Frage, wo der Unterschied zu anderen liege, entgegnet der Ammann, dass diese Firma am wenigsten Mehrverkehr mit sich bringe und die zu erwartenden Emissionen überschaubar seien. «Die Schöni AG kauft nicht nur das gesamte Areal, sondern wird auch den Firmensitz nach Rothrist verlegen. Zudem werden 250 bis 300 Arbeitsplätze geschaffen.»

Bescheidene Steuereinnahmen

Betreffend der Steuereinnahmen kann Koch keine konkreten Zahlen nennen. Diese würden in den nächsten 10 bis 15 Jahren sicher eher bescheiden fliessen, aber dennoch spürbar sein. Eine gewisse Konstanz sei gegeben, da auch Vermögens-, Kapital- und Quellensteuern anfallen. «Für den Gemeinderat ist es bisher das beste Projekt, und es ist unsere Pflicht, den Stimmbürger darüber an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung am 8. März entscheiden zu lassen», betont Koch.

Aufgrund der Wirtschaftslage sei in der Schweiz in nächster Zeit nicht mit realisierbaren Hightech-Projekten zu rechnen. Zudem gibt Koch zu bedenken, dass der Gemeinderat immer wieder angefragt worden sei, wie es um den Verkauf stehe. «Das Ford-Areal wird nicht notverkauft. Wenn die Verhandlungen scheitern, fallen weiterhin Kosten an.» In den letzten drei Jahren hat das brachliegende Grundstück 800 000 Franken gekostet.

Gegner befürchten Mehrverkehr

Die Meinungen über den Verkauf sind in der Bevölkerung und in den Parteien geteilt. Grösste Befürchtung ist, dass Rothrist im Verkehrschaos versinkt. «Jede Nutzung dieses Areals ergibt zusätzlichen Verkehr», so Koch. Als das Ford-Areal in Betrieb war, gab es täglich 40 Zu- und Wegfahrten von Lastwagen und 50 von den Pw der Mitarbeiter. Bei der Schöni AG ist täglich mit 130 zusätzlichen Zu- und Wegfahrten von Lastwagen und 50 von Lieferwagen zu rechnen. Dazu kommt noch der Mehrverkehr der 250 künftigen Angestellten.

Gemäss Koch fahren etwa 100 Mitarbeiter der Schöni AG heute schon durch Rothrist. Bei den Lastwagen sind es 45. «Im Extremfall würde es 10 Prozent Mehrverkehr geben, wobei wir einen Teil davon schon haben.» Hans-Jürg Kochs grösste Sorge ist, dass die Schöni AG nach einem Nein sich in Wynau oder Roggwil niederlässt. Der Kanton Bern sei daran interessiert, die Firma zu halten.

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