Wahltalk
Das erste Gipfeltreffen: «Ich will mich nicht in die rechte Ecke drücken lassen»

Zwischen den drei Kandidatinnen für den zweiten Wahlgang kam es am Mittwoch im Wahltalk von Tele M1 zum ersten Aufeinandertreffen.

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Auf den turbulenten Wahlsonntag folgten turbulente Tage. Aus dem vermeintlichen Duell wurde ein Dreikampf. Franziska Roth (SVP), Yvonne Feri (SP) und Maya Bally (BDP): Die drei Frauen, die in den Regierungsrat einziehen wollen, stellten sich im TalkTäglich den Fragen von Moderator und az-Chefredaktor Christian Dorer – erstmals in dieser Konstellation. Im zweiten Wahlgang vom 27. November wird sich zeigen, wer den freiwerdenden Sitz von Susanne Hochuli erben wird.

Das sind die drei Kandidatinnen

Franziska Roth (SVP)

Alter: 52

Wohnort: Brugg

Beruf: Gerichtspräsidentin

Politik: alt Einwohnerrätin Brugg

Privat: verheiratet, Mutter eines Sohnes

Yvonne Feri (SP)

Alter: 50

Wohnort: Wettingen

Beruf: Nationalrätin und Gemeinderätin in Wettingen

Privat: zwei Töchter

Maya Bally (BDP)

Alter: 55

Wohnort: Hendschiken

Beruf: Projektmanagerin

Politik: Grossrätin

Privat: verheiratet, Mutter eines Sohnes

Frau Roth, Ihr Parteipräsident Thomas Burgherr hat zum bürgerlichen Schulterschluss aufgerufen. Nun hat Maya Bally entschieden, ebenfalls anzutreten. Vermasselt sie Ihnen am Ende die Wahl?

Franziska Roth: Das kann ich im Voraus nicht beurteilen. Am Schluss entscheidet die Wählerschaft.

Burgherr sagte, es sei egoistisch von Frau Bally, dass sie nochmals antritt. Sehen Sie das gleich?

Roth: Es ist die Freiheit jedes Einzelnen, zum zweiten Wahlgang anzutreten. Nun hat die Wählerschaft eine Auswahl. Ich bin selber gespannt, wie es am 27. November herauskommt.

Frau Bally, werden Sie zur Wahlkampfhelferin der Linken?

Maya Bally: Ich glaube nicht. Eher habe ich das Gefühl, bei einem Duell Roth gegen Feri wäre Yvonne Feri gewählt worden. Wenn man mein Resultat anschaut, sieht man, dass ich von beiden Seiten Stimmen erhalten habe. Wer wem Stimmen wegnimmt, ist Kaffeesatzlesen.

Frau Feri, können Sie sich nun gemütlich zurücklehnen und zuschauen, wie sich die beiden anderen Kandidatinnen gegenseitig bekämpfen?

Yvonne Feri: Nein, das gibt die nächsten viereinhalb Wochen alles andere als einen Spaziergang. Die Frage, wer wem Stimmen wegnimmt, lässt sich jetzt nicht beantworten. Das wäre wirklich Kaffeesatzlesen.

Frau Bally, Sie würden bei einer Wahl zur Eveline Widmer-Schlumpf des Aargaus – eine Regierungsrätin ohne Macht im Rücken.

Bally: Ich glaube nicht, dass dem so ist. Die BDP ist gezwungen, eine Fraktionsgemeinschaft einzugehen. Eine Fraktion wäre also im Hintergrund.

Frau Roth, die FDP hat Sie im ersten Wahlgang nicht unterstützt. Nun werden Sie von den Freisinnigen empfohlen, aber ohne grosse Begeisterung. «Diese Kröte muss man schlucken», sagte alt Regierungsrätin Stéphanie Mörikofer. Würden Sie sich nicht eine charmantere Unterstützung wünschen?

Roth: Ich weiss nicht, wie sie das genau auslegen würde. Tatsache ist, dass mich die FDP unterstützt. Das freut mich sehr. Und das zeigt mir auch, dass nicht alle FDP-Mitglieder und Exponenten sich von der zum Teil sehr abschätzigen Berichterstattung beeinflussen liessen.

Sie haben sich ab und zu missverstanden gefühlt im Wahlkampf. Kann das auch damit zusammenhängen, dass Sie sich nicht klar genug ausdrücken?

Roth: Ich drücke mich grundsätzlich klar aus. Richtig ist, dass ich zweimal unglückliche Formulierungen gewählt habe. Ich konnte dies aber vor allem auch im direkten Kontakt mit der Bevölkerung ohne grossen Aufwand richtigstellen.

Frau Feri, es gibt Auswertungen, die zeigen, dass Sie noch weiter links stehen als Cédric Wermuth.

Feri: Ausgewertet wurden zwei Sessionen. Wenn man immer teilnimmt und meist nach Parteilinie abstimmt, kommt man auf dieses Rating. Doch wenn Sie die Auswertung der ganzen vier Jahre anschauen, dann bin ich nicht so weit links, sondern auf der rechten Seite der SP. Dort fühle ich mich sehr wohl, ich bin sehr pragmatisch.

Frau Bally, wie würden Sie Yvonne Feri einordnen?

Bally: Für mich ist das schwierig zu beurteilen, weil ich mit ihr noch nicht viel persönlich zu tun hatte. Aber ich würde sagen, sie politisiert auf der linken Seite. Das ist mit ein Grund gewesen, warum viele Leute zu mir gekommen sind und sich jemanden aus der Mitte gewünscht haben.

Feri: Wenn wir uns nun schon gegenseitig angreifen: Die BDP ist gar nicht mittig, sondern auf der rechten Seite. Eine Abspaltung der SVP. Vielleicht sind die BDP-Politiker ein wenig pragmatischer als jene der SVP. Doch das sind rechte Leute.

Frau Bally, für was stehen Sie denn genau? Mitte kann auch nach Wischiwaschi tönen.

Bally: Wenn man mein Profil anschaut, bin ich genau in der Mitte. Wir haben ein wenig einen konservativen Touch, sind aber auch gesellschaftsliberal.

Frau Roth, sind Sie eher ein Alex Hürzeler oder ein Andreas Glarner?

Roth: Ich bin auf jeden Fall auf der rechten Seite, würde mich aber in der Mitte der SVP positionieren. Ich möchte mich nicht in die rechte Ecke drücken lassen, bin aber natürlich rechts, das ist ganz klar.

Anzunehmen ist, dass jemand von Ihnen das Departement von Susanne Hochuli übernehmen wird. Dazu gehört das Asylwesen. Was würden Sie anders machen als Susanne Hochuli, die stark in der Kritik stand?

Bally: Von aussen hat man so viel gehört, doch beurteilen kann man das nicht schlüssig. Dazu muss man zuerst ins Departement reinschauen. Klar ist, ich würde bei den Grossunterkünften eine offene Kommunikation mit den Betroffenen pflegen. Das ist das Allerwichtigste.

Die grösste Kritik kommt von der SVP. Was würde eine Regierungsrätin Roth anders machen?

Roth: Wichtig ist, die heutigen Anreize im Asylwesen zu reduzieren.

Was heisst das konkret?

Roth: Diese Leute kommen hierhin und für sie wird gut geschaut. Sie profitieren von den Sozialversicherungen, ohne je in diese Töpfe einbezahlt zu haben.

Feri: Ich würde den Grossen Rat in die Pflicht nehmen, der eine Asylstrategie verabschiedet hat. Diese Strategie würde ich im Dialog mit den Gemeindevertretern umsetzen. In der Kommunikation liesse sich einiges machen.

Das zweite grosse Thema im Departement ist das Gesundheitswesen. Die Kosten steigen Jahr für Jahr. Was würden Sie als Regierungsrätin dagegen unternehmen?

Bally: Wir müssen die Strukturen anschauen. Braucht jedes Täli sein Spitäli? Wir müssen beurteilen, welches Angebot sinnvoll und nötig ist.

Roth: Ganz wichtig ist, dass in dieser Branche der Wettbewerb spielt. Da gibt es sicher Einsparmöglichkeiten.

Feri: Ein konkretes Beispiel: Die Strategie ambulant vor stationär müssen wir weiterhin verfolgen. In der Langzeitpflege sind nach wie vor viele Leute in Institutionen untergebracht, obwohl sie mit Spitex zu Hause gepflegt werden könnten.

Im Kanton Zürich wird darüber diskutiert, das Kantonsspital Winterthur zu privatisieren. Wäre das eine Option für den Aargau?

Roth: Absolut, Privatisierung ist sicher auch bei uns ein Weg.

Bally: Das muss man anschauen und Vorteile und Nachteile abwägen. Im Moment ist es natürlich so, dass man Interessenkonflikte hat als Regierung.

Feri: Mehr Wettbewerb in der Gesundheit heisst nicht unbedingt, dass man Kosten sparen kann. Man müsste überlegen, wie eine Privatisierung aussehen könnte und welche Leistungsaufträge bestehen würden. Dann könnte man allenfalls Ja sagen dazu.