Tötungsdelikt Fislisbach
Das dritte Kapitalverbrechen eines Aargauer Minderjährigen

Das Tötungsdelikt in Fislisbach AG vom Dienstagabend ist das dritte Kapitalverbrechen innerhalb von acht Jahren, das von einem Minderjährigen aus dem Kanton Aargau verübt wurde. Erst im Juni hatte Kris V. für mit seinem Ausbruch aus der Psychiatrischen Klinik Königsfelden für Schlagzeilen gesorgt.

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Tötungsdelikt Fislisbach
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Im Wald von Fislisbach AG ist im Juni 2016 ein 18-jähriger Schweizer umgebracht worden. Das Bild zeigt die Spurensicherung bei der Arbeit am Mittwochmorgen.
Das Tötungsdelikt ereignete sich im Waldstück "Rüsler", beim Hagibuechplatz.
Das Waldstück gehört zu Fislisbach, einer Gemeinde mit rund 5500 Einwohnern.
Die Polizei sperrte das Gebiet um den Tatort am Dienstagabend grossräumig ab und nahm die Fahndung nach der Täterschaft auf. Noch in der Nacht wurde ein 17-jähriger Schweizer verhaftet.
Der Polizei gelang es nach wenigen Stunden, den mutmasslichen Täter, einen 17-jährigen Schweizer, zu ermitteln und ihn im Elternhaus in Fislisbach festzunehmen.
Es handelt sich um den Lernenden S.N.
Der Tatort im Fislisbacher Waldstück "Rüsler" liegt zirka 150 Meter von der Sportanlage Esp entfernt.
Der mutmassliche Täter hat die Schussabgabe gestanden. Er wie auch das Opfer sind Schweizer mit Wohnsitz in der Region. Im Bild: Autos von Ermittlern. Hinten im Waldstück sind Mitarbeiter der Spurensicherung erkennbar.
Im Bild sind Mitarbeiter der Spurensicherung erkennbar.
Der Kriminaltechnische Dienst nahm in der Nacht auf Mittwoch die Spurensicherung auf.
Die Spurensicherung war auch am Tag danach am Tatort im Einsatz.
Eine Waldstrasse in Fislisbach nahe des Tatorts.
Die Spurensicherung am Morgen nach der Tatnacht an der Arbeit am Tatort.
Die Spurensicherung am Morgen nach der Tatnacht an der Arbeit am Tatort.

Tötungsdelikt Fislisbach

Mario Fuchs

Der 17-jährige Schweizer Tobi B. hatte 2008 in Aarau eine 40-jährige deutsche Prostituierte vergewaltigt und sie anschliessend erwürgt. Das Jugendgericht Lenzburg sprach ihn im November 2001 des Mordes schuldig und verhängte die Höchststrafe für Jugendliche von vier Jahren Freiheitsentzug. Es ordnete eine Behandlung der psychischen Störung an.

Der Aarauer Dirnenmörder im November 2011 auf dem Weg ins Gericht.

Der Aarauer Dirnenmörder im November 2011 auf dem Weg ins Gericht.

Silvan Hartmann

Seit der Verbüssung der Strafe ist der Prostituierten-Mörder in der Justizvollzugsanstalt Lenzburg fürsorgerisch untergebracht. Das ordneten die Behörden im Juni 2012 an. Das Bundesgericht lehnte es zuletzt im November 2015 ab, den jungen Mann freizulassen. Dieser sei gefährlich und müsse weiterhin therapiert werden.

Ausbruch aus der Klinik

Der zweite Fall eines zur Tatzeit minderjährigen Mörders hatte zuletzt Ende Mai für Aufregung gesorgt. Der heute 22-jährige Schweizer Kris V. war am 28. Mai aus der Psychiatrischen Klinik geflüchtet.

Nach sechs Tagen wurde der Mann in der süddeutschen Kleinstadt Asperg von der Polizei widerstandslos verhaftet. Er befindet sich in Deutschland in Haft. Die Aargauer Staatsanwaltschaft hat ein Auslieferungsgesuch gestellt.

Kris V. brach im Juni 2016 aus der Psychiatrischen Klinik in Königsfelden (Windisch AG) aus, wurde fast eine Woche später im Süddeutschland festgenommen.

Kris V. brach im Juni 2016 aus der Psychiatrischen Klinik in Königsfelden (Windisch AG) aus, wurde fast eine Woche später im Süddeutschland festgenommen.

AZ

Im Alter von 16 Jahren hatte er in Sessia TI eine 17-jährige Vietnamesin mit einem Holzscheit erschlage. Das Jugendgericht Baden verurteilte ihn 2013 wegen Mordes zur Höchststrafe von vier Jahren Freiheitsentzug.

Weil die jugendstrafrechtlichen Massnahmen bis zum Erreichen des 22. Altersjahres befristet sind, wurde der Mann im Frühling 2015 auf Antrag der Jugendanwaltschaft fürsorgerisch untergebracht. Ab Anfang Juli gilt für Massnahmen eine Altersgrenze von 25 Jahren.

Der junge Mörder wehrte sich auf dem Rechtsweg gegen die fürsorgerische Unterbringungen. Es folgte ein Hin und Her. Im Februar wies das Aargauer Verwaltungsgericht die Beschwerde des Mannes gegen die fürsorgerische Unterbringung ab.

Täter von Fislisbach geständig

Im aktuellen Tötungsdelikt von Fislisbach im Bezirk Baden sitzt ein 17-jähriger Schweizer aus der Region in Haft. Er gestand gemäss Polizeiangaben bei der Befragung, einen 18-jährigen Schweizer am Dienstagabend erschossen zu haben.

Die Jugendanwaltschaft Aargau eröffnete eine Untersuchung. Ein Gericht wird darüber entscheiden, ob der Minderjährige in Untersuchungshaft kommt.

Die Jugendanwaltschaft ist zuständig für Strafverfahren gegen Jugendliche im Alter zwischen 10 bis 18 Jahren. Die Verfahren und die Verhandlungen vor einem Jugendgericht sind nicht öffentlich.