Flurnamen-Forschung

Das Brügglifeld und andere Irrtümer: Die lustigsten Flurnamen aus der Region

Das Aarauer Fussballstadion «Brügglifeld» kennen alle – wer aber kennt die Bedeutung des Flurnamens?

Das Aarauer Fussballstadion «Brügglifeld» kennen alle – wer aber kennt die Bedeutung des Flurnamens?

Sie sind lustig, ohne es zu wollen: Flurnamen mit einer besonderen Geschichte. Eine Auswahl amüsanter Beispiele aus der Region und ihre Bedeutung zum Rätselraten und Besserwissen.

Flurnamen verrieten, wo ein Acker lag, ob er ertragsreich war oder wem er gehörte. Wo früher Felder bestellt wurden, stehen heute vielerorts Siedlungen. Die Flurnamen leben in Strassennamen weiter, ihre Bedeutung ist aber oft verloren gegangen.

Manchmal wurde sie falsch überliefert, manchmal haben sich die Wörter so stark verändert, dass wir sie nicht mehr verstehen: eine Auswahl amüsanter Flurnamen aus der Region und ihre Bedeutung zum Rätselraten und Besserwissen.

  • Ankenhafen dialektisch für Butterfass; besonders fruchtbares Wiesland. Die Kühe, die hier weideten, gaben wohl besonders viel Milch (wie zum Beispiel in Suhr).
  • Bättlerbaum Rastplatz der herumziehenden Bettler, die jahrhundertelang eine «Landplage» bildeten (Oberentfelden).
  • Brügglifeld falsche Abwandlung von Brüelifeld (Brüel als feuchte, oft von Büschen gesäumte Wiese) in Brügglifeld, vermutlich wegen der vielen Brücken über den Stadtbach (Suhr).
  • Brummel vermutlich ein zusammengezogener Ausdruck aus «Brunnen-Büel». Brunnen bedeutet Quelle, Büel ist die Flurbezeichnung für das Gebiet über dem Brummelbord (Buchs).
  • Chaibehölzli/Cheibenboden Hinter dem Wort Chaib/Cheib steckt der Ausdruck für ein verendetes Tier; Bezeichnung für einen Ort, an dem Kadaver verscharrt wurden (Suhr/Gränichen).
  • Chalchdarre Hinweis auf Kalkofen oder Kalkbrennerei (Gränichen).
  • Erdbrust von der Geländeform motivierter Name. Althochdeutsch brust bedeutet Erdbruch, Abgrund Riss. Erdbrust kann als Name für einen rissigen Untergrund verstanden werden. In manchen Fällen jedoch auch für eine Übertragung des Körperteils Brust, je nach Form des Geländes (Seengen).
  • Franzosebändel ein von Franzosen abgeholztes Stück Wald (Buchs).
  • Galeegge ein Haus- oder Quartiername, der vom französischen Wort «collège» für «Schulhaus» abgeleitet sein soll. Möglicherweise auch vom mittelenglischen Begriff «galegge» in der Bedeutung von Holzschuhen, verwandt mit Galoschen (Suhr).
  • Ghürscht vom Mittelhochdeutschen gehurste für Gestrüpp, Gebüsch (Holziken).
  • Grünggelloch Grünggel steht für etwas Kleines, mangelhaft Entwickeltes; steht vermutlich für ein Stück schlechtes Land, auf dem nichts wachsen will (Gränichen).
  • Gurhalden Das schweizerdeutsche Wörterbuch Idiotikon hält als Bedeutung für Gur «frischer Kot des Rindviehs, Dünger», fest. Ob das der Ursprung für die Gurhalden war (Brunegg)?
  • Habermushof Laut Dorfchronik soll der Habermushof seinen Namen vom Umritt des Landvogtes haben, der dort jeweils eine Pause einlegte und Habermus aufgetischt bekam (Kölliken).
  • Heidenplatz Häufig an Orten mit Gräbern von Personen mit vorchristlichem Glauben, also Kelten oder Alemannen (Suhr).
  • Kehle Der Begriff bedeutet neben Hals auch Schlund, Rinne und bezieht sich auf die Form des Geländes, wo zum Beispiel ein Bach durch einen Einschnitt fliesst (Ammerswil).
  • Leutsch Möglicherweise vom Personennamen Luizo, Leuz. Oder das Schweizerdeutsche Läutsch, das ursprünglich einen von zu Hause weggelaufenen Hund bezeichnet, der ein brünstiges Weibchen suchte (Egliswil).
  • Lätt Dialektischer Begriff für Lehm, bezeichnet Gebiet mit schlechter Bodenqualität (Suhr).
  • Liebeslohn-Äcker Dieser Name hat vermutlich nichts mit Liebe zu tun, sondern hat eine klassische Verballhornung erlebt. Der Flurname geht auf den Familiennamen Lüpold zurück (Lenzburg).
  • Löliäcker Loo oder Lööli bedeuten lichtes Gehölz, Gebiet wurde als Viehweide genutzt (Oberentfelden).
  • Refental Reffen bedeutet Hanf oder Flachs hächeln (durch einen Kamm ziehen, um die Knoten abzustreifen) (Gränichen).
  • Rifegrind «Rife» als dialektischer Begriff für schartige Oberfläche, Grind als abschätziger Begriff für «Chopf». Vermutlich ein Hügel mit schartiger, teilweise abgeholzter Oberfläche (Suhr).
  • Rollhafen Ursprünglich ein Gefäss, das an einer Kette über das Feuer gehängt wurde. Im übertragenen Sinn steht der Name für die Unterwelt oder die Hölle und könnte so eine Flur bezeichnen, die zum Beispiel ertragsarm oder schwierig zu bewirtschaften ist (Attelwil).
  • Schlattächer Schlatt steht für Schlangen, das Gebiet muss also einmal gerodet worden sein (Buchs).
  • Schnauzrain Schnauz war der Ausdruck für eine schmale Reihe Bäume (Gränichen).
  • Schneeschmelzi Dieser Flurname verrät etwas über die Lage des Ackers aus: Vermutlich gegen Süden ausgerichtet, schmolz der Schnee hier besonders schnell. Ach aus dieser Kategorie: Wintersyte (Muhen).
  • Schweini Dieser Flurname hat nichts mit Schweinen zu tun, sondern bedeutet durch Schwenden nutzbar gemachtes Gelände. Schwenden ist eine Art der Waldrodung (Hirschthal).
  • Zopf mundartlich für hinteres Ende, Schwanz, Zipfel, Anhängsel (Gränichen, Suhr, Oberentfelden).

Quellen Ortsgeschichten Buchs, Suhr, Gränichen, Oberentfelden (Markus Widmer-Dean, Raoul Richner, Alfred Lüthi) / «Aarauer Strassennamen» von Paul Erismann, 1957 / Dorfchronik Muhen 1045–1995 von Markus Widmer / Ortsgeschichte Attelwil von Markus Widmer-Dean / Holziker Chronik, hrsg. von der Einwohnergemeinde Holziken

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