Um 6.37 drückte er auf den Auslöser seiner Kamera, kurz darauf ging das Foto bereits um die Welt. Pascal Mora, Fotograf mit Aargauer Wurzeln, hielt am Mittwoch die Verhaftungen der Fifa-Funktionäre im Zürcher Luxushotel «Baur au Lac» für die «New York Times» fest. Der 32-Jährige erzählt, wie das Bild entstand, das zum Symbol des Fifa-Skandals geworden ist.

Ihr Foto ist das einzige Bild der Festnahmen und wird von Medien in aller Welt gezeigt. Wie fühlen Sie sich am Tag danach?

Pascal Mora: Müde (lacht). Nach dem langen Tag mit viel Adrenalin habe ich nicht gut geschlafen. Aber natürlich erfüllt es mich mit Stolz, dass mein Foto nun überall zu sehen ist.

Ausser Ihnen war kein Fotograf vor Ort. Wie sind Sie zu diesem Auftrag gekommen?

Die erste Anfrage der «New York Times» kam vor ein paar Tagen. Ein Redaktor wollte wissen, ob ich unter der Woche Zeit für einen Auftrag hätte. Worum es geht, sagte er mir nicht. Ins Bild gesetzt worden bin ich erst kurz davor.

Wissen Sie, wer der Redaktion den Tipp gegeben hat?

Nein, ich habe bloss den Auftrag erhalten.

Die Polizisten verhafteten die Fifa-Funktionäre am frühen Morgen. Wie lange lagen Sie auf der Lauer?

Um 4 Uhr bin ich aufgestanden, um kurz vor 5 Uhr war ich beim Hotel. Zusammen mit den beiden «Times»-Journalisten habe ich zuerst in der Lobby gewartet. Später bin ich um das Haus gelaufen und habe beim Seitenausgang gewartet. Wo und wann sie rauskommen würden, wusste ich nicht.

Die Gefahr besteht, den Moment zu verpassen. Wie hoch geht da der Puls?

Sicher war ich nervös. Der Druck war gross, immerhin handelte es sich um die «New York Times». Ich war mir bewusst, welche Auswirkungen ein Foto haben und dass der Skandal wohl zum Thema der Woche werden würde.

«TalkTäglich» zum Fifa-Skandal

Ex-Fifa-Funktionär: «Hat nur noch gefehlt, dass sie die Polizei mit Champagner empfangen haben.»

Zum Thema diskutierten am Mittwochabend in der Sendung «TalkTäglich» Ex-Funktionär Guido Tognoni und az-Sportchef François Schmid-Bechtel mit Markus Gilli (v.l.).

Sie hatten Glück, standen im richtigen Moment am richtigen Ort.

Plötzlich ging alles sehr schnell. Der erste Verhaftete wurde noch nicht hinter einem Sichtschutz versteckt. Doch ein Hotelangestellter hielt die Hand vor die Kamera.

Danach haben Angestellte die Funktionäre mit Tüchern geschützt. Ein Frust für den Fotografen?

Nein, in diesem Moment dokumentiert man einfach, was läuft. Ich finde es sogar besser, dass das Foto so um die Welt geht, auch wenn darauf niemand zu erkennen ist. Allein schon wegen der Symbolik des gewählten Sichtschutzes: Erst im Nachhinein habe ich gemerkt, dass sie ein frisch gebügeltes Leintuch verwendet haben – die Diskretion eines 5-Sterne-Hotels. Auf Twitter wird bereits über die Sheets of Shame, die Leintücher der Schande, gespottet.

Was geschah danach?

Ich stand unter Zeitdruck, so schnell wie möglich wählte ich das beste Foto aus und schickte es der Redaktion in New York. Dann ging der Trubel los. Kurz darauf waren bereits die ersten TV-Teams vor Ort beim Baur au Lac. Den ganzen Tag haben mich Leute aus aller Welt angerufen, die das Bild verwenden wollten. Allerdings konnte ich nicht weiterhelfen, da ich zu dem Zeitpunkt nicht wusste, ob das Bild von der «Times» auch freigegeben wird.

Sie sind seit zwölf Jahren mehrheitlich als freier Fotograf tätig. Ist dieses Foto nun der Türöffner für weitere internationale Aufträge?

In der Branche muss man sich einen Namen machen. Die Reputation hilft dabei, Aufträge zu erhalten. Von dem her ist das sicher ein guter Start. Aber ich werde nun nicht zum «Fifa-Korruptions-Paparazzi». Auch am Kongress vom Freitag werde ich nicht fotografieren.

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