Weihnachten

Das bekannte Weihnachtslied beweist: Bethlehem liegt im Aargau

Die Flur Bethlehem an der Grenze zu Oberrüti in Dietwil.

Die Flur Bethlehem an der Grenze zu Oberrüti in Dietwil.

Manche Orte und Gegenden sind das ganze Jahr hindurch ein bisschen weihnachtlich. Zumindest dem Namen nach.

Es ist Weihnachtszeit und manch einem geht bestimmt das Lied vom Stern von Bethlehem durch den Kopf. «Das isch de Stern vo Bethlehem. Macht eu uuf und folged däm», heisst es im Lied. Wenn wir das machen, dann landen wir in der Gemeinde Dietwil. Ja, richtig, Dietwil, denn Bethlehem liegt nicht nur im Westjordanland. An der Grenze zur Gemeinde Oberrüti liegt die Flur Bethlehem, nach der gefragt wird.

Der Flurname Bethlehem erscheint im deutschschweizerischen Namengut sehr häufig. In den meisten Fällen dürfte es sich um religiös motivierte Benennungen handeln und dabei auf den Geburtsort von Jesus Christus, wie die Bibel überliefert, verweisen.

Bethlehem kann im Schweizerdeutschen aber auch redensartlich an betteln angelehnt werden und somit in Zusammenhang mit Armut stehen. Mit diesem Hintergrund ist etwa die Redensart «Er chunnt schon no uf Bättlihäm an den Bettelstab» zu verstehen.

Die «Ewigkeit»

Die Nachbenennung eines Ortes durch exotische Ortsnamen ist in der Neuzeit recht häufig und ihr Motiv nicht immer leicht zu rekonstruieren. Vielleicht war ein ehemaliger Hof an diesem Standort in Dietwil früher ärmlich, oder ein ehemaliger Stall mit Krippe erinnerte an das biblische Bethlehem.

Im Weihnachtslied heisst es weiter «Folged ihm noh und folged gärn. Eimal dänn winkt er eus und trait. Übere eus i d’Ewigkeit.» Tatsächlich liegt in Dietwil weiter nördlich der Flurname «Ewigkeit». Solche Flurnamen deuten entweder auf Grundstücke hin, die räumlich weit entfernt des Dorfkerns lagen.

Oder aber mit Ewigkeit können auch Orte bezeichnet werden, an denen Tierkadaver vergraben wurden, was jeweils auch ausserhalb des Dorfkerns geschah. Es können aber auch Grundstücke mit dem Namen «Ewigkeit» benannt werden, die an eine unablösbare Pflicht verbunden waren, wie etwa eine Abgabe an einen Pächter oder ähnliches.

Im Aargau geht es christlich zu und her

Weihnächtlich geht es weiter mit der nächsten Frage nach dem Christelirain. Der Flurname bezeichnet einen abfallenden Hang, der sich südlich des Dürrbergs in Aarburg befindet. Der Christelirain hat mit dem Personennamen Christian zu tun. Denn Christeli ist eine mundartliche Verkleinerungsform zum Personennamen Christian.

Aus dem Vornamen sind dann die bekannten Familiennamen Christ oder Christen entstanden. Die Bedeutung des Flurnamens lässt auf eine Besitzerzugehörigkeit schliessen, der Abhang war also einst im Besitz einer Person namens Christian. Solche Beispiele finden sich im Kanton Aargau viele, etwa die Christenmatt in Geltwil oder der Christenacker in Jonen. Der Personenname Christian bedeutet «zu Christus gehörend» oder schlicht «Anhänger Christi».

Heilig bleibt es in der Flurnamenlandschaft, etwa beim Helgeholz in Beinwil, auf dem Helgenfeld in Suhr, auf der Helgewiese in Oberwil-Lieli, auf dem Helgeberg in Villmergen oder beim Helgenhölzli in Thalheim.

Das schweizerdeutsche Wort Helge meint ein Heiligenbild und verweist auf Standbilder von Heiligen auf aufgestellten Holzstücken oder Steinen. Helge-Namen verweisen auch auf Grundstücke, die sich in Kirchenbesitz befanden. Und wer noch nicht genug hat und den Samichlaus am 6. Dezember verpasst hat, kann ja mal nach Döttingen und im Samichlause oder an der Samichlausstrasse suchen.

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