Beznau/Leibstadt

Das bedeutet ein Atomausstieg für die 1000 Angestellten der Aargauer Kernkraftwerke

Das Atomkraftwerk Beznau.

Das Atomkraftwerk Beznau.

Beznau und Leibstadt haben über 1000 Angestellte – was ein Ausstieg für die Mitarbeiter heissen würde, ist unklar. Während die einen einen enormen Stellenabbau und den Verlust von Fachleuten ans Ausland befürchten, glauben andere, dass ein Atomausstieg gar Tausende neue Jobs schafft.

Für die kantonale Sektion der «Aktion für vernünftige Energiepolitik Schweiz» (Aves) steht fest: «Die Atomausstiegsinitiative der Grünen würde den Aargau besonders stark treffen.» In einer Mitteilung warnt Aves Aargau vor dem Verlust von Arbeitsplätzen, wenn die AKW in Beznau und Leibstadt vorzeitig abgestellt werden müssten.

Diese produzierten «sehr günstigen Strom und garantieren Tausende hochwertiger Arbeitsplätze in den Kraftwerken und Zulieferbetrieben». Auch für die Forschung am Paul-Scherrer-Institut in Villigen sieht die Aves schwarz. Diese würde «keinen Bestand haben, wenn die Schweiz die Kerntechnologie verbietet». Vielmehr würden dann «die besten Köpfe ins Ausland abwandern», befürchtet die Aves.

Weniger oder mehr Stellen?

Zu einem ganz anderen Schluss kam letzte Woche eine Studie, welche die ZHAW Wädenswil im Auftrag der atomkritischen Schweizerischen Energie-Stiftung SES durchführte. Laut der Studie würde ein «geordneter Atomausstieg» nach einem Ja zur Initiative zwischen 5000 und 6000 neue Arbeitsplätze schaffen.

Diese sollen durch den Ersatz des Atomstroms mit erneuerbaren Energien entstehen. Studienautor Jürg Rohrer betont, dass für die Berechnungen von konservativen Annahmen ausgegangen wurde. «Die für die Stilllegung der Atomkraftwerke und die Entsorgung des Atommülls neu zu schaffenden Arbeitsplätze wurden in der Studie nicht berücksichtigt.»

Das Atomkraftwerk Leibstadt

Das Atomkraftwerk Leibstadt

Wie schätzen die Betreiber der beiden Aargauer Atomkraftwerke die Folgen eines Ja zur Initiative ein? Antonio Sommavilla, Mediensprecher bei der Axpo, die Beznau betreibt, bleibt vage: «Bei einer Annahme der Ausstiegs-Initiative entfiele der künftige Beitrag des Kernkraftwerks Beznau zum Steuersubstrat des Kantons. Die Arbeitsplatzsituation müsste im Detail analysiert und der neuen Situation angepasst werden.»

Wie sich ein Ja auf die regionale Wertschöpfung auswirken würde, lasse sich heute noch nicht genau sagen. Auch Christian Schubert, Mediensprecher beim Kernkraftwerk Leibstadt, will sich nicht auf Spekulationen einlassen. «Die Frage nach den Folgen eines Ja für Mitarbeiterzahl, Steuerabgaben und regionale Wertschöpfung können wir Stand heute nicht beantworten.»

AKW als Wirtschaftsfaktor

Klar ist: Die Atomkraftwerke haben eine beträchtliche Bedeutung für den Kanton (siehe Tabellen unten). Zusammen beschäftigen Beznau und Leibstadt mehr als 1000 Mitarbeiter, davon leben knapp 750 im Aargau.

Die AKW sind auch ein Faktor bei Steuern und Gebühren. Dem Kanton liefern sie pro Jahr im Schnitt 22,5 Millionen Franken ab, den Standortgemeinden Döttingen und Leibstadt zusammen fast 6 Millionen. Auch die Region profitiert: «Wir bevorzugen regionale Partner und leisten einen bedeutenden Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung im Unteren Aaretal», sagt Axpo-Sprecher Sommavilla.

Inklusive der Grossprojekte im Kernkraftwerk Beznau habe die regionale Wertschöpfung zuletzt 13 Millionen Franken pro Jahr betragen. Auch das AKW Leibstadt vergibt viele Aufträge in der Region: Allein im Bezirk Zurzach betrug das Volumen in den letzten Jahren laut Sprecher Schubert im Schnitt fast 8,2 Millionen Franken.

Die Axpo engagiert sich laut Sommavilla auch im Sponsoring. «In den letzten zehn Jahren wurde im Aargau durchschnittlich eine Million Franken pro Jahr an Sponsoring-Geldern und Spenden ausgegeben», sagt er.

Heute unterstützt die Axpo unter anderem den FC Aarau und den FC Baden, die Go Easy Arena in Siggenthal, den Innovationspark InnovAARE und die Radsporttage Gippingen als Sponsor.

Leibstadt-Fonds für Gemeinden

Das AKW Leibstadt unterstützt mit kleineren Geld- und Sachspenden jährlich rund 250 Vereine und Institutionen aus dem sozialen, kulturellen und sportlichen Bereich. «Dies können wiederkehrende Mitgliedschaften in einem Sportverein, eine einmalige Unterstützung eines kulturellen Anlasses oder die Kooperation mit anderen standortfördernden Institutionen sein», erklärt Sprecher Schubert.

Das Engagement ist geografisch auf einen Umkreis von 20 Kilometern zum Atomkraftwerk festgelegt, das jährliche Sponsoring-Budget liegt aktuell bei rund 100 000 Franken.

Zudem gibt es seit 1991 den KKL-Nachbarschaftsfonds. Die drei deutschen Gemeinden Dogern, Albbruck, Waldshut-Tiengen und die fünf Schweizer Gemeinden Schwaderloch, Koblenz, Full-Reuenthal, Leuggern und Mettauertal erhalten finanzielle Beiträge aus diesem Fonds. Dieser ist zweckgebunden und darf nur für soziale, kulturelle und sportliche Aktivitäten in den Gemeinden verwendet werden.

Der jährliche Beitrag für die Fondsperiode 2014 bis 2018 liegt für alle Gemeinden bei 18 000 Franken. Die Standortgemeinde Leibstadt wird separat über die «Stiftung pro Leibstadt» unterstützt.

Meistgesehen

Artboard 1