Von der Gründung der Aargauischen Landwirtschaftlichen Gesellschaft (ALG) bis zum Jubiläum im Frühling 2013 des Bauernverbandes.

Finanzdirektor Roland Brogli greift in seinem Vorwort bis zur Kantonsgründung im Jahr 1803 zurück. Wie kaum eine andere Branche habe sich die Landwirtschaft verändert, «geprägt durch Politik, Gesellschaft und Wirtschaft». Die Bauernfamilien hätten eine hohe Anpassungsfähigkeit und Flexibilität immer wieder beweisen müssen, gezwungen durch den Markt – und eine laufend erneuerte Agrarpolitik.

Ein dramatischer Rückgang

Allein die nackten Zahlen zeigen den dramatischen Rückgang der landwirtschaftlichen Bevölkerung. 1890 war mehr als jeder dritte Aargauer ein Bauer, über 82 000 waren in dieser Branche tätig, bei total 193 000 Aargauerinnen und Aargauern. Bis heute schrumpfte die landwirtschaftliche Bevölkerung auf 10 800 Köpfe, die Einwohnerzahl aber stieg auf 625 000 Personen. Gemessen an der Fläche ist der Aargau unbestritten ein Landwirtschaftskanton geblieben.

Trotz einer wuchernden Zersiedlung mit immer mehr Häusern, Einkaufszentren und Strassen sind (noch) 43 Prozent der Kantonsfläche – neben 35 Prozent Wald – landwirtschaftlich genutzt. Die 61 000 Hektaren werden durch nur noch 3700 Bauernbetriebe bewirtschaftet. Mit dem Strukturwandel sinkt die Zahl weiter, immer mehr Maschinen und weniger Menschen prägen das Bild der Landwirtschaft. Der moderne Bauer sitzt vor dem Computer und sieht am Bildschirm die Kühe vor dem Melkautomaten.

Gründung durch die Städter

Zu Beginn des vorletzten Jahrhunderts war der Aargau eine ärmliche Gegend, Hungersnöte zwangen die Bevölkerung zum Auswandern nach Übersee. Kein einziger Bauer war dabei, als die ALG am 22. September 1838 in Aarau aus der Taufe gehoben wurde. Die städtische Oberschicht hielt die Zügel in der Hand, Landammann Johannes Herzog wurde erster ALG-Präsident. Weitere Kapitel im Buch sind der Ausbildung gewidmet, dem Aufbau von Genossenschaften und der Anbauschlacht im Zweiten Weltkrieg. Später kommt der grosse Wechsel vom Pferd zum Traktor, die Mechanisierung rief und ruft nach Güterregulierungen – für immer grössere Höfe.

Neues Leben aus den Ruinen

Das Bauernbuch nennt auch unangenehme Abschnitte beim Namen. So schlitterte die ALG in eine Krise, im Jahr 2000 liefen die Mitglieder in Scharen davon, die Geschäftsstelle stand vor dem finanziellen Kollaps. Aus dem Scherbenhaufen ist ein gesunder und dynamischer Bauernverband Aargau entstanden, dessen erster Präsident, Andreas Villiger (Sins), die Führung am Jubiläum seinem Nachfolger Alois Huber (Wildegg) übergeben konnte. Der Kontrast von früher zur Wohlstands-Gesellschaft könnte nicht grösser sein.

Geblieben ist ein Bauernstand, der für sein Einkommen streng arbeiten muss, aber mit viel Herzblut und Leidenschaft am Werk ist. Die Bevölkerung wird laut Roland Brogli nicht nur mit gesunden Nahrungsmitteln versorgt, die Bauern erbringen viele weitere Leistungen – für Kultur, Gesellschaft, Umwelt und Landschaft. Als politische Pfeiler für die Zukunft der Bauern nennt Brogli «die nachhaltige Nahrungsmittelproduktion, die Ernährungssicherheit und den Ressourcenschutz.»

Das Bauernjahr im Sonnenlicht

Der erste Buchteil ist ein Sammelsurium aus der Geschichte, im Zweiten aber blühen die Bauern erst richtig auf. Bei den vier Streifzügen durch die Jahreszeiten, feinfühlig erzählt von Adrian Krebs, kommt die bäuerliche Kultur und Lebensweise ans Sonnenlicht. Die acht Porträts von Miriam Rorato und Fabian Furter zeigen das heutige Leben moderner Bauern, die anpacken, ihren Beruf lieben und vom Alltag realistisch berichten.

So wünscht sich Gemüsebauer Paul Meier aus Rütihof eine Wirtschaft und Politik, welche die Landwirtschaft und ihre Funktion für die menschliche Ernährung zu schätzen weiss. Die schöne Gestaltung im zweiten Buchteil ist den ausgezeichneten Bildern von Fotograf Pascal Meier zu verdanken.