Regionalpolizei
Das Auswahlverfahren für Polizisten ist streng, aber nicht überall gleich

Der Aargauer Regionalpolizeiverband bietet standardisierte Assessments für Bewerber an. Die Regionalpolizei Wettingen-Limmattal, die zwei vorbestrafte Polizisten in ihren Reihen hat, macht bisher allerdings nicht mit.

Fabian Hägler
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René Lippuner, Präsident des Verbands Aargauer Gemeindepolizeien (VAG), hat von der az-Redaktion vom Fall Wettingen erfahren. Lippuner hält fest: «Mir sind keine weiteren Fälle von vorbestraften Polizisten in unseren Repol-Korps bekannt.» Der oberste Aargauer Regionalpolizist schränkt aber ein: «Uns sind durch den Datenschutz enge Grenzen gesetzt, deshalb kann es vorkommen, dass Polizisten mit gelöschten Vorstrafen eingestellt werden.»

Lippuner erklärt, dass die Regionalpolizei bei der Einstellung von neuen Polizisten nicht auf das Strafregister-Informationssystem des Bundes zugreifen dürfe. «Es wäre wünschenswert, dass wir Einsicht in diese Daten hätten», sagt der VAG-Präsident. Sonst sei man letztlich auf die Ehrlichkeit eines Bewerbers angewiesen, «obwohl wir natürlich versuchen, den Hintergrund möglichst detailliert abzuklären.»

Tadelloser Leumund verlangt

Lippuner hält fest, aus seiner Sicht sollte niemand als Polizist angestellt werden, der rechtskräftig verurteilt worden sei. Dies würde auf die beiden Polizisten aus Wettingen wohl zutreffen. Dennoch will sich Lippuner zu diesen Fällen «in Unkenntnis der genauen Sachlage» nicht äussern.

Wer sich im Aargau für eine Stelle als Regionalpolizist bewirbt, muss einen tadellosen Leumund aufweisen. Dies wird in allen Stellenausschreibungen verlangt, die derzeit auf der Website des VAG aufgeschaltet sind. Bewerber müssen sich auch einverstanden erklären, dass zur Erstellung eines polizeilichen Leumundsberichts mit ihren Personendaten Auskünfte bei Amtsstellen und Personen eingeholt werden dürfen.

René Lippuner betont, dass bei der Anstellung von neuen Polizisten ein strenges Auswahlverfahren angewendet werde. «Von hundert Bewerbern wird im Schnitt nur einer angestellt», sagt Lippuner, der selber als Assessor unter anderem beim Schweizerischen Polizeiinstitut tätig war. Der VAG bietet standardisierte Assessments an, bei denen Bewerber bis zu anderthalb Tage lang eingehend geprüft werden.

Selektion soll einheitlich werden

«Die einzelnen Regionalpolizeien sind aber selber für die Anstellung von Mitarbeitern verantwortlich und deshalb auch frei, ob sie ihre Bewerber in die Assessments schicken wollen», sagt Lippuner. Die Regionalpolizei Wettingen-Limmattal habe die Personalauswahl bisher selber vorgenommen und auf Assessments verzichtet. Kleinere Polizeikorps würden sich eher daran beteiligen.

Geht es nach den Plänen des Polizeiverbandes, wird die Personalselektion künftig für alle Repol-Korps im Kanton gleich sein. «Pläne für ein standardisiertes Verfahren, bei dem jeder Bewerber das exakt gleiche Prozedere durchläuft, liegen bei uns in der Schublade», sagt Lippuner. Aufgrund der starken Belastung der Regionalpolizeichefs seien sie bisher aber nicht umgesetzt worden.

Lippuner bekräftigt, er lege seinen Kollegen immer wieder ans Herz, bei der Auswahl der Mitarbeiter auf die Qualität zu achten. «Auch wenn wir die Korps aufstocken müssen, ist es im Endeffekt besser, wenn das bestehende Team eine Zeit lang mehr arbeitet, bis eine wirklich geeignete Person mit den gefragten Qualitäten gefunden ist», sagt er.

Nachgefragt: «Entlassung war nicht angebracht»

Ein Polizist wird wegen Hausfriedensbruchs und Amtsmissbrauchs verurteilt - er darf in Lenzburg aber weiterarbeiten?
Daniel Hug: Der Polizist hat den Fall gemeldet und den Stadtrat informiert. Wir haben eine interne Untersuchung vorgenommen und Massnahmen ergriffen.

Was heisst das konkret, hat der Polizist einen Verweis erhalten?
Dazu kann ich aus Datenschutzgründen nichts sagen. Grundsätzlich muss der Stadtrat die Verhältnismässigkeit prüfen. Die Verfehlung des Polizisten war nicht so gravierend, dass eine Entlassung angebracht gewesen wäre.

Dennoch hat der Chef der Lenzburger Regionalpolizei seinem Wettinger Kollegen empfohlen, den Mann nicht anzustellen.
Das ist korrekt, es handelte sich um eine mündliche Empfehlung. Die Aussagen basierten auf Einträgen in der Personalakte des Lenzburger Polizisten.

Vor vier Jahren flog in Zofingen ein ehemaliger Lenzburger Polizist auf, der Drogen konsumierte, nun der Fall in Wettingen. Müssen Sie die Personalselektion verschärfen?
Nein, wir stützen uns weiter auf Leumundszeugnisse und Strafregisterauszug. Bei Polizisten kann es schnell vorkommen, dass sie angezeigt werden und in ein Verfahren verwickelt werden. Das muss aber nicht zwingend heissen, dass sie nicht angestellt werden können - auch hier muss man den Einzelfall beurteilen.

Daniel Hug ist Leiter der Lenzburger Verwaltung. Einer der Wettinger Polizisten war in Lenzburg tätig und wurde dort verurteilt.

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