1. August
Darüber sprachen die Aargauer Regierungsräte am Nationalfeiertag

Die Reden drehten sich nicht um Finanzen und Terror. Die Regierungsräte legten je andere Schwerpunkte.

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Die 1. Augustfeier der Stadt Lenzburg auf dem Schloss Lenzburg mit Festredner Stephan Attiger.

Die 1. Augustfeier der Stadt Lenzburg auf dem Schloss Lenzburg mit Festredner Stephan Attiger.

Fabio Baranzini

Finanzdirektor Roland Brogli hielt dieses Jahr zum letzten Mal eine Rede als Regierungsrat. Bekanntlich tritt er altersbedingt nicht mehr zu den Wahlen an. Er lobte und verteidigte in Hellikon im Fricktal das direktdemokratische politische System der Schweiz. Er sieht dieses als fein austariertes, komplexes Gebilde gleichsam als Uhrwerk. Es funktioniere, «weil die Macht nicht an einem Ort konzentriert ist – jeder hat etwas zu sagen und keiner hat alles zu sagen». Er rief auf, dieses System nicht dem kurzlebigen Zeitgeist zu opfern. Es brauche Persönlichkeiten mit klaren Positionen, mit der Fähigkeit und dem Willen, Kompromisse zu schmieden, mit der Bereitschaft, hinzustehen und die Verantwortung für die Entscheidungen zu übernehmen: «Nur so wird das Uhrwerk Schweiz noch lange und weiterhin präzise ticken.»

Landstatthalter Stephan Attiger sprach schon am späteren Vormittag in Lenzburg (und am Abend in Freienwil). Er machte sich für den Föderalismus und das damit verbundene Prinzip der Subsidiarität stark. Er zeigte als Verkehrsdirektor auf, wie er die Folgen des starken Bevölkerungswachstums in der Raum- und Verkehrsplanung mit Zusatzangeboten und Optimierung bewältigen und dabei die Qualität des Lebensraums bewahren will. Sorge bereitet ihm die zunehmende Schwierigkeit, Menschen für öffentliche Ämter zu gewinnen. Wenn das föderalistische System – von dem er überzeugt ist – überleben soll, brauche es konstruktive Kräfte, die auf allen Ebenen Verantwortung übernehmen.

Alphornkläne und Fahnenschwinger in Spreitenbach.
15 Bilder
Bundesfeier 2016 in Möhlin
Bundesfeierschiessen 2016 in Frick.
Guter Wein un feiner Brunch auf dem Schloss Lenzburg.
Spezielle Töne an der 1. August-Feier der Stadt Lenzburg.
Die besten Fotos der 1. August-Feiern im Aargau
Alphornklänge im regnerischen Meisterschwanden.
Auch in Rupperswil erklangen die Alphörner
So eine Feier macht hungrig.
Dazu passen ein sportlich-patriotisches Outfit
Hier wird die Hymne mit Originaltext gesungen.
Grossratspräsident Marco Hardmeier (SP) ergriff in Wettingen das Wort.
Sprach auch über Terror und Hymnen: Martin Killias. Mario Heller
Festredner Rocco Umbescheid, Aargauer des Jahres 2015, in Birr.
SVP-Regierungsratskandidatin Franziska Roth mit Gatte Rolf Siegenthaler in Othmarsingen.

Alphornkläne und Fahnenschwinger in Spreitenbach.

Philippe Neidhart

Gleich dreimal konnte man Bildungsdirektor Alex Hürzeler hören – in Möhlin, in Brittnau und schon am 31. Juli in Seengen. Auf dem Eichberg mit Blick auf den Hallwilersee erinnerte er sich an seine Jugendzeit. Damals habe man die Schweizer Fahne am 1. August aufgehängt und dann meist wieder versorgt. Heute prange sie überall, auf T-Shirts und selbst auf Krawatten: «Es scheint so, dass wir unseren Nationalstolz über das Symbol des Schweizer Kreuzes neu entdeckt haben.» Schweizerinnen und Schweizer dürften stolz auf ihr Land und seine Werte sein, so Hürzeler: «Wir dürfen dies auch zeigen und dafür einstehen – unverkrampft und mit einem gesunden Patriotismus.» Mit Blick auf Olympia rief er auf, die Fahnen hängen zu lassen und so von Ferne das Schweizer Team in Rio zu unterstützen. Auf dass dort vielleicht gar einer der sechs Aargauer eine Medaille erkämpft.

Gleich zweimal war Innendirektor Urs Hofmann am Montagabend im Einsatz – auf Schloss Wildegg und in Eggenwil. Er rief laut Manuskript dazu auf, sich trotz aller Ungleichheit, trotz unterschiedlicher Meinungen zum richtigen Weg nicht abzukapseln, nur noch den eigenen Garten zu pflegen. Hofmann unter Verweis auf das Gleichnis vom Boot, in dem alle sitzen: «Ganz im Gegenteil. Wir alle dürfen stolz auf unser vielseitiges und weltoffenes Land sein. Und wir müssen uns stets bewusst sein, dass alle im Boot in irgendeiner Form mitgenommen werden müssen. Wir können nicht einige über Bord werfen, nur weil sie uns nicht passen, mit ihrer Lebensweise von der Norm abweichen und uns auf die Nerven gehen.» Dies bedinge die Suche nach ausgleichenden Lösungen. Wer Provokation um der Provokation willen suche, gefährde die Weiterfahrt.

Wiederum unter Verweis auf das Bildnis vom gemeinsamen Boot rief er dazu auf, Kurs zu halten. Wichtig sei, «dass auch das Volk die grundsätzliche Richtung nicht dauernd verändert, dass das eigentliche Ziel der Reise nicht aus den Augen verloren geht, auch wenn die genaue Route im Einzelnen unklar sein mag, zuweilen schwierig zu finden ist und auch Korrekturen nötig sind». (MKU)