Kantonspolizei Aargau

Dank Zeugenaufrufen kann Kapo mehr Erfolge verzeichnen

Bei Gewaltverbrechen, Einbrüchen und Verkehrsunfällen macht die Aargauer Kantonspolizei pro Jahr 250 Zeugenaufrufe. Bei rund zehn Prozent melden sich Personen, die der Polizei wertvolle Hinweise liefern können. «Der Aufwand lohnt sich», sagt Kapo-Mediensprecher Bernhard Graser.

Die Polizei ist sowohl für den Schutz der Bevölkerung wie auch das Aufklären von Delikten zuständig. Doch es kommt vor, dass die Polizei nicht alle Probleme selbst lösen kann. Dann benötigt sie die Hilfe der Aargauer Bevölkerung – mittels Zeugenaufruf. «Im Schnitt rufen wir pro Jahr 250 Mal Zeugen auf, sich zu melden. So viele Aufrufe waren es auch 2012», sagt Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau. Man mache nicht bei jedem Fall einen Zeugenaufruf. «Wir müssen reelle Chancen erkennen, dass die Aktion erfolgreich sein wird.» Das hänge auch von Schwere und Bedeutsamkeit des Ereignisses ab.

2012 entsprach zudem der Anteil der Rückmeldungen auf Aufrufe dem langjährigen Mittel. Es waren rund zehn Prozent. Laut Graser melden sich in der Regel nur diejenigen, die auch einen hilfreichen Hinweis haben. «Der Aufwand lohnt sich», ist Graser überzeugt. «Umso schöner ist es, wenn wir eine Erfolgsmeldung verbuchen können.»

Fahrerflucht nimmt zu

So geschehen bei einem Todesfall in Gontenschwil. Im April 2012 versendete die Kantonspolizei einen Zeugenaufruf, da im März eine Spaziergängerin einen erhängten Mann im Wald vorfand. Die Polizei tappte trotz intensiver Ermittlungen im Dunkeln, um wen es sich bei der toten Person handelte. «Uns lagen absolut keine Anhaltspunkte vor», erinnert sich Graser. Also wurde ein Aufruf lanciert. «Eine Frau aus der Region glaubte, dass sie den Verstorbenen kannte. Sie vertraute sich einem Ex-Polizisten an, der sich danach bei uns meldete», erklärt Graser. So konnte die Identität des Toten letztlich festgestellt werden. Das habe den Angehörigen immerhin die Gewissheit über das Verbleiben des Vermissten gegeben, so Graser.

Die Polizei ist den Aargauerinnen und Aargauern für ihre Hinweise dankbar. «Die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung ist gross», sagt Graser. Viele Rückmeldungen gehen bei Vorfällen mit Fahrerflucht ein. Das ist auch das Delikt, bei dem am häufigsten ein Aufruf lanciert wird. Dieser Umstand gibt Graser zu denken: «Fahrerflucht hat in den letzten Jahren zugenommen. Die Skrupellosigkeit einiger Autofahrer macht mich nachdenklich.» Es sei unmöglich, dass man jemanden anfahre und das einfach nicht bemerke. Darum ist man bei der Polizei froh, wenn jemand sich meldet. «Es braucht nicht immer viele Infos, manchmal reicht auch ein kleiner Hinweis. Oft fehlt einfach ein Puzzle-Teil.»

Auf Velofahrer geschossen

Auch dafür hat Graser ein Beispiel parat. So wurde scheinbar im letzten September bei Ehrendingen ein Velofahrer mit einem Luftgewehr beschossen. «Wir diskutierten damals, ob sich ein Zeugenaufruf lohnen würde. Einige argumentierten, dass das in diesem Fall nichts bringe.» Trotzdem startete die Polizei einen Versuch. Und siehe da: Einige Tage zuvor hatte ein Bauer ein Auto beobachtet. Aus diesem stieg ein Mann und schoss mit seinem Luftgewehr auf Siloballen. Der Bauer notierte sich das Kennzeichen und gab nach dem Zeugenaufruf der Polizei Bescheid. So konnte der Täter ermittelt werden.

Die Anrufer sollten der Polizei so viele Informationen zur Verfügung stellen wie nur möglich. «Zudem erfordert es die Kunst des Polizisten, noch mehr wichtige Aspekte herauszulocken. Denn Zeugen berichten nur darüber, was sie gesehen haben», sagt Graser. Danach macht sich der Polizist, der die Ermittlungen von Beginn weg führte, daran, die Hinweise zu verwerten, oder er gibt die Hinweise an die oder den Zuständigen weiter. Gleichzeitig gibt er dem Mediendienst der Kapo Bescheid, dass es eine Rückmeldung gab. «Bei Hinweisen zu Tötungsdelikten werden Zeugen aufgerufen, sich beim Polizeikommando direkt zu melden», präzisiert Graser.

Es kommt zwar selten vor, aber ab und zu melden sich gesuchte Personen selbst bei der Polizei. Dafür gibt es laut Graser zwei Gründe: «Entweder erkennen sich Personen bei einem Zeugenaufruf selber und wollen klarstellen, dass sie beispielsweise keine Fahrerflucht begangen haben. Oder fehlbare Fahrer bekommen kalte Füsse, da der Beschrieb genau auf sie passt, und geben ihre Fehler zu.» Wenn sich Leute freiwillig melden, dann sei das meistens die zweite Kategorie, meint Graser.

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