Jahresbericht
Dank Mitarbeitern: Diese Stiftung arbeitet gratis für den Kanton

Die Zeka (Zentren Körperbehinderte Aargau) leistet unentgeltliche Therapien für 190 000 Franken, weil der Kanton nicht alles zahlt – mit dem Spardruck verschärft sich auch das Problem

Manuel Bühlmann
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Auf dem Pausenplatz der Zeka

Auf dem Pausenplatz der Zeka

Zeka Zentren Körperbehinderte Aargau

Die Meldung tönt alarmierend: «Unsere Kapazitäten sind bei allen ambulanten pädagogischen Angeboten überschritten.» Darunter wird im aktuellen Jahresbericht der Zeka (Zentren Körperbehinderte Aargau) aufgelistet, welche Leistungen die Stiftung 2014 erbracht hat – und wie viele davon gratis.

Denn der Kanton kommt nur für eine bestimmte Anzahl Stunden auf. Wird diese Grenze überschritten, steht die Stiftung vor der Wahl: Die Kinder abweisen oder sie notfalls auf eigene Kosten therapieren. Ersteres komme nicht infrage, sagt Stiftungsleiter Ueli Speich. «Das ist auch eine ethische Frage.»

Trotz Effizienzsteigerungen durch vermehrte Gruppenbehandlungen haben sich im letzten Jahr die ambulanten Leistungen – insbesondere im psychomotorischen Bereich – summiert, für die der Kanton nicht aufkommt: Knapp 190 000 Franken konnte der grösste Psychomotorik-Anbieter des Kantons im ambulanten Bereich deshalb nicht in Rechnung stellen. Und auf Anfang dieses Jahres hat der Kanton die Menge der abgegoltenen Leistungen nochmals um 5 Prozent gekürzt.

Die Stiftung kritisiert im Jahresbericht die Art und Weise des Sparkurses: «Dass Zeka im Jahr 2015 im Auftrag des Kantons Aargau nun ausgerechnet bei der Psychomotorik Leistungen abbauen musste, ist angesichts dieser Zahlen schwer verständlich.» Der in der Leistungsvereinbarung festgelegte Betrag reiche nicht einmal für die Behandlung eines von 100 Schulkindern. «Das ist sehr wenig.»

Beim Kanton heisst es, man beobachte die Situation und werde die Leistungen gegebenenfalls anpassen. Simone Strub, Sprecherin des Bildungsdepartements: «Die Frage, wie viel Logopädie oder Psychomotorik idealerweise benötigt wird, führt zu einem unkontrollierten Wachstum.

Einrichtungen wie Zeka sind vielmehr mit der Herausforderung konfrontiert, die verfügbaren Ressourcen für Logopädie und Psychomotoriktherapie möglichst wirkungsvoll einzusetzen.»

Der Kanton müsse einen doppelten Auftrag erfüllen: Ein bedarfsgerechtes Angebot sicherstellen einerseits, die finanziellen Vorgaben einhalten andererseits. Strub weist zudem darauf hin, dass die Zeka über alle Bereiche trotzdem mit einem Ertragsüberschuss von 400 000 Franken abgeschlossen habe.

Das bestätigt auch Ueli Speich: «Dank dem äusserst grossen Engagement und Idealismus unserer Mitarbeitenden, die ihre persönlichen Leistungsvorgaben zum Teil erheblich überschritten haben, ist es uns gelungen, in den Ambulatorien trotzdem schwarze Zahlen zu schreiben.»

Ihm sei bewusst, dass der Kanton sparen müsse, sagt Speich. Doch dafür bräuchte es zuerst eine kantonsweite Offenlegung der Auslastungszahlen und der Tarifentwicklungen aller Anbieter sowie eine Bedarfs- und Angebotsplanung. Nur so liessen sich die knappen Mittel sinnvoll verteilen.

Dazu komme: Leistungen bei den ambulanten Therapien wie der Psychomotorik abzubauen sei auf längere Sicht gar keine Sparmassnahme. «Ich befürchte massive Folgekosten.» Indem Kinder ambulant betreut werden, können deutlich teurere Zuweisungen in Sonderschulen reduziert werden, begründet Speich.

Deshalb kommt er zum Schluss: «Sparen lässt sich insbesondere durch vermehrte Integration und Partizipation in den Regelschulen.» Zentral sei dabei nicht nur der finanzielle, sondern auch der ethische Aspekt: «Wenn immer möglich müssen wir dafür sorgen, dass ein Kind in der Regelschule verbleiben kann.»

Derzeit warten Kinder, die eine Psychomotoriktherapie brauchen, rund ein Jahr auf einen Therapieplatz. «Eine unhaltbare Situation», sagt Ueli Speich. «Dadurch wird das Problem nur verlagert und rausgeschoben.»

Doch die Wartezeiten dürften sich in naher Zukunft kaum verkürzen. Die nächste Sparrunde im Grossen Rat steht bereits im Herbst an. «Das macht uns Sorgen», sagt Speich. Erfreulich, betont er, sei hingegen der Wechsel in der kantonalen Abteilungsleitung: «Probleme lassen sich in Zukunft wohl konstruktiver und partnerschaftlicher lösen, als dies in der Vergangenheit der Fall war.»