Kantonsarchäologie
Dank Früherkennung wurde dieser Steinzeittopf gefunden – so funktioniert das neue System

Ein neu eingeführtes System der Kantonsarchäologie soll helfen, historische Funde schneller zu entdecken. Erste Erfolge zeichnen sich ab.

Nora Güdemann
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Der Egliswiler Steinzeittopf.

Der Egliswiler Steinzeittopf.

ZVG

Egliswil, vor rund einem Jahr: Die Baugesuche für drei Einfamilienhäuser liegen auf und die Aargauer Kantonsarchäologie wittert ihre Chance. Denn die Bauplätze im Dorf lagen auf einer Verdachtsfläche – einem Ort, wo es wahrscheinlich ist, auf archäologische Funde zu stossen. Also entwarfen die Archäologen Auflagen für die Bauarbeiten und begleiteten die Aushebung.

Und sie hatten Erfolg: Ein Topf aus der sogenannten Horgener Kultur (um 3000 v. Chr.), Pfostenbauten und Becher aus der mittleren Spätbronzezeit (um 1000 v. Chr.) sowie eine römische Strasse wurden gefunden.

Bei der Entdeckung dieser historisch wichtigen Belege half das Monitoring-System der Aargauer Kantonsarchäologie, das im vergangenen Jahr eingeführt wurde.

4000 Baugesuche geprüft

Christian Maise hat dieses System mitentwickelt: «Das Monitoring dient zur Früherkennung. Wir können so voraussagen, wo grosse Chancen bestehen, auf bisher unbekannte Funde zu stossen», sagt er.

Und das funktioniert so: Die Aargauer Gemeinden sind gesetzlich dazu verpflichtet, ihre Baugesuche der Kantonsarchäologie zu melden. Dann werden diese von den Archäologen geprüft: «Pro Jahr werden rund 4000 Baugesuche öffentlich», sagt der Monitoring-Experte Maise. «Rund 1000 davon verursachen grössere Eingriffe in den Boden – was für uns am spannendsten ist.»

Die Baugesuche werden anschliessend mit den Verdachtsflächen verglichen, die auf den Lebensgewohnheiten von Menschen aus vergangenen Zeiten basieren. «Jede Zeit hat ihre
eigene Raumplanung», so Meise. «Das heisst, Menschen aus verschiedenen Epochen haben verschiedene Ansprüche an ihren Siedlungsraum.» Meist aber waren diese ähnlich: «Nähe zu Gewässern und zum Ackerland wurde bevorzugt.» Neben den Verdachtsflächen werden auch bereits bekannte Fundstellen berücksichtigt.

Kommen die Archäologen zum Schluss, dass man bei den Bauarbeiten auf historische Funde stossen könnte, begleiten die sie Grabungen. «Das funktioniert meist problemlos, aber wir müssen viele Kompromisse mit den Bauherren eingehen», so Maise.

Die Zeit sei knapp und darunter leide auch die Dokumentation der Funde. «Trotzdem ist die Situation im Aargau gut», sagt der Archäologe. «In anderen Kantonen geht mehr verloren.»

System hat sich bewährt

Mit dem neuen Monitoring-System wolle die Kantonsarchäologie eine aktivere Rolle übernehmen und schneller reagieren können, erläutert Maise.

Der Archäologe zieht nach dem ersten Jahr eine positive Bilanz: «Es hat sich bewährt. Wir konnten etwa 15 bisher unbekannte archäologische Fundstellen entdecken. Stolz sind wir vor allem auf den Egliswiler Topf.»

Bilder von archäologischen Sehenswürdigkeiten im Aargau:

Baden: Burgruine Stein Die Burg Stein auf dem Schlossberg bei Baden ging vermutlich aus einer frühmittelalterlichen Fluchtburg hervor. Heute bietet sie einen tollen Blick über Baden.
35 Bilder
Beinwil am See: Pfahlbauten im Aegelmoos Unsichtbares Welterbe: In Beinwil am See liegen 6000 bis 3000 Jahre alte Pfahlbauten unter Wasser. Die Uferstelle ist jederzeit frei zugänglich.
Bergdietikon: Burgruine Kindhausen Die Burg Kindhausen wurde im 11. oder frühen 12. Jahrhundert gegründet und bestand aus einem mehrgeschossigen Steinhaus. Heute sind noch Reste von Turm und Wohnhaus sichtbar. Vorort findet man zudem eine Feuerstelle.
Böbikon: Burgruine Böbikon Am Rand eines Tobels liegt die Burg Böbikon. Sie ist eine Gründung des späten 11. Jahrhunderts und bestand weitgehend aus Holzbauten.
Brugg: Römisches Kastell Altenburg Noch heute bewohnt: In Brugg liegen die Reste eines spätantiken Kleinkastells aus dem vierten Jahrhundert, dessen Mauern stellenweise meterhoch erhalten sind. In einem Teil der Anlage befindet sich die Jugendherberge Brugg.
Brunegg: Schloss Brunegg Erst Burgruine, dann Krankenanstalt, heute Schloss: Die Burg Brunegg wurde in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts als Sitz habsburgischer Dienstleute erbaut. Heute befindet sich das Gebäude in Privatbesitz.
Denbüren: Burgruine Urgiz Vom Bischofsbesitz an die Effinger zu den Bernern: Die Burg Urgiz (vermutlich aus dem 13. Jahrhundert) besass eine dicke Mauer zum Schutz vor Wurfmaschinen und Kanonen. Neben der Ruine befindet sich ein Grillplatz.
Effingen: Römische Strasse am Bözberg Über den Bözberg bei Effingen führte in der Römerzeit eine Strasse. Sie wurde bis ins Mittelalter genutzt. Die heute noch sichtbaren in den Fels eingegrabenen Karrgeleise sind vermutlich durch die jahrhundertelange Nutzung entstanden.
Gipf-Oberfrick: Burgruine Alt-Tierstein Die Burgruine Alt-Tierstein liegt oberhalb von Gipf-Oberfrick und bietet eine weite Aussicht über das Fricktal. Die Burg gilt als die Stammburg der Grafen von Tierstein. Bis zu ihrer Aufgabe im 15. Jahrhundert blieb sie in deren Besitz.
Koblenz: Römischer Wachturm Kleiner Laufen Kaiser Valentinian (364–375 n. Chr.) liess rund 50 Wachtürme und andere militärische Anlagen zwischen Basel und Bodensee errichten. Zu diesen zählt auch der noch heute erhaltene «Kleiner Laufen».
Küttigen: Burgruine Königstein und Burgruine Horen Die Burgruine Königstein (im Bild) wurde im zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts erbaut. Die Burgruine Horen stammt aus dem 11. Jahrhundert. Vom früheren Turm ist eine eine Ringmauer erhalten. Die früheren Bewohner stammten wohl vom Hochadel.
Laufenburg: Burgruine Laufenburg Die Burgruine Laufenburg wurde 1207 erstmals urkundlich erwähnt. Der Schlossberg trug jedoch vermutlich schon in spätrömischer Zeit einen Wachtturm.
Möhlin: Die römischen Wachtürme am Rhein Kaiser Valentinian (364–375 n. Chr.) liess rund 50 Wachtürme und andere militärische Anlagen zwischen Basel und Bodensee errichten. Vom Römischen Wachturm Untere Wehren und dem Wachturm Fahrgraben (im Bild) sind noch heute Teile erhalten.
Möhlin: Frühmittelalterliche Befestigung am Bürkli Das Bürkli ist eine der ältesten Adelsburgen der Schweiz. Die weitläufige Anlage nimmt eine dreieckige Schotterterrasse zwischen dem Rhein und dem Möhlinbach ein. Dort stand vermutlich einst ein römischer Wachturm.
Möriken-Wildegg: Höhensiedlung Kestenberg Auf dem steilen Grat des Kestenbergs zwischen den Burgen Burnegg und Wildegg ist ein kleines Plateau durch zwei 20−30 Meter breite und 5 Meter tiefe Gräben abgetrennt. Dort stand vor ca. 3000 Jahren (Spätbronzezeit) ein Dörfchen, das 1951-53 augegraben wurde.
Oberlunkhofen: Römischer Gutshof mit Badeanlage In der Antike lag bei Oberlunkhofen ein römischer Gutshof mit Badeanlage. Die Ruinen sind noch heute zu sehen.
Oftringen: Burgruine Alt Wartburg Die Ruine Alt Wartburg liegt auf dem Gipfel des Säli mit Blick über das Aare- und Wiggertal. Der Zugang zur Burg führte über einen Felsenweg um die Südseite des Burgfelsen.
Riniken: Burgruine Iberg Gräben, ein Brand und ein unvollendeter Turm: Die Burg Iberg aus dem 11. Jahrhundert hat eine bewegte Geschichte. Bei der Ruine gibt es einen Picknickplatz mit Feuerstelle.
Sarmenstorf: Grabhügel Zigiholz und Römische Villa Im Zigiholz bei Sarmenstorf liegen 21 Hügelgräber (im Bild) aus der Bronzezeit. In der Antike gab es auch eine römische Villa. Die Mauerzüge des Gutshofes «Murimooshau» sind noch heute sichtbar.
Schlossrued: Burgruine Alt Rued Der «Ruinenweg» führt zur Burgruine Alt Rued. Die Herren von Rued, Besitzer der Burg, sind im 14. Jahrhundert ausgestorben.
Seengen: Jungsteinzeitliches Haus (Rekonstruktion) im Moos In Seengen erinnert ein Pfahlbauhaus an die Zeit der Pfahlbauer. Dieses wurde im Jahr 1989 vom Rotary-Club Lenzburg in Zusammenarbeit mit Max Zurbuchen gebaut. Zudem liegt ein römisches Mosaik noch an Ort und Stelle.
Seon: Grabhügel im Niederholz Im Wald bei Seon sind zwei Grabhügel noch heute zu sehen. Sie stammen aus der älteren Eisenzeit (Hallstattzeit) und mittleren bis späten Bronzezeit (ca. 1500−1200 v. Chr.).
Sins: Stadtwüstung Meienberg Gründer der Stadt Meienberg waren die Grafen von Habsburg, die um 1240 die Stadt an der Stelle einer älteren Siedlung errichten liessen. Zu sehen ist heute noch der Stadtgraben und Teile der Stadtmauer sowie weitere Teile im Amthaus von Meienberg.
Tegerfelden: Burgruine Tegerfelden Die Burg war der Sitz der Herren von Tegerfelden. Die Familie stieg im Laufe der Geschichte hoch auf.
Talheim: Burgruine Schenkenberg Die imposanteste Burg des Kantons: Die Ruine Schenkenberg thront auf dem gleichnamigen Berg ob Thalheim. Wahrscheinlich wurde sie in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts gegründet.
Unterlunkhofen: Grabhügel im Bärhau Die 63 Grabhügel im Bärhau sind der grösste bekannte Friedhof der älteren Eisenzeit. Sie wurden im 8. Jahrhundert v. Ch. aufgeschüttet.
Untersiggenthal: Burgruine Freudenau Die Burg Freudenau wurde in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaut. Der Turm war ein Lehen der Grafen von Habsburg, die übrigen Burggebäude und das Burggut ein Lehen des Klosters Säckingen. An der Ruine gibt es einen Picknickplatz mit Feuerstelle.
Villigen: Burgruine Besserstein Auf dem Geissberg in Villigen steht die Ruine Besserstein (12. oder 13. Jahrhundert). Davor liegen die Wälle einer Befestigungsanlage. Vor Ort befindet sich ein Picknickplatz mit Feuerstelle.
Windisch: Das antike Vindonissa Noch heute sind die Spuren der Römer in Brugg und Windisch sichtbar. Viele Monumente sind frei zugänglich. Zum Beispiel das mächtige West- und Nordtor des Legionslagers, die einzige noch funktionierende römische Wasserleitung nördlich der Alpen und die malerische Ruine des Amphitheaters.
Wittnau: Spätrömische Befestigung auf dem Horn Über Jahrtausende war der steil aufragende Wittnauer Horn Wohnort und Schutzort für Menschen. Immer noch sichtbar sind Teile einer Mauer der Anlage, die in der Zeit des römischen Bürgerkrieges als Fluchtburg gedient hat.
Wittnau: Burgruine Alt Homberg Die Burgruine Alt Homberg besteht aus einer Kern- und einer Unterburg. 1869, 1882 und 1884 wurde die Burgruine Alt Homberg durch junge Männer aus Wittnau unter Anleitung von Dorfpfarrer Hermann Müller mit grossem Enthusiasmus ausgegraben.
Zeihen: Histrorischer Bergbau und Pingenfeld Sommerhalde In Zeihen wurde in historischer Zeit Eisenerz abgebaut. Noch heute zeugen davon tiefe, trichterförmige Gruben, die an der Sommerhalde im Wald sichtbar sind.
Zofingen: Römischer Gutshof mit Badeanlage Kunstvoll gefertigte Mosaikböden und die Überreste eines der grössten römischen Gutshöfe im Aargau lassen sich in Zofingen bestaunen. Die Mosaikräume wurden bereits 1831 mit zwei klassizistischen Schutzbauten versehen und dadurch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. (Täglich 9.00-17.00 Uhr)
Zofingen: Burgruine Bottenstein Nach der Burg Bottenstein nannte sich eine kyburgische, später habsburgische Dienstadelsfamilie. Sie entstand im 13. Jahrhundert.
Bad Zurzach: Römisches Kastell mit frühchristlichem Taufbecken In Bad Zurzach sind die Reste eines römischen Kastells (300 n. Chr.) zu sehen. Im 5. Jahrhundert errichteten Christen in dem von den Römern verlassenen Brückenkastell auf dem Kirchlibuck eine Kirche. Das Taufbecken und die Grundmauern sind heute noch sichtbar.

Baden: Burgruine Stein Die Burg Stein auf dem Schlossberg bei Baden ging vermutlich aus einer frühmittelalterlichen Fluchtburg hervor. Heute bietet sie einen tollen Blick über Baden.

Kanton Aargau; Foto: Béla Polyvàs