Egliswil, vor rund einem Jahr: Die Baugesuche für drei Einfamilienhäuser liegen auf und die Aargauer Kantonsarchäologie wittert ihre Chance. Denn die Bauplätze im Dorf lagen auf einer Verdachtsfläche – einem Ort, wo es wahrscheinlich ist, auf archäologische Funde zu stossen. Also entwarfen die Archäologen Auflagen für die Bauarbeiten und begleiteten die Aushebung.

Und sie hatten Erfolg: Ein Topf aus der sogenannten Horgener Kultur (um 3000 v. Chr.), Pfostenbauten und Becher aus der mittleren Spätbronzezeit (um 1000 v. Chr.) sowie eine römische Strasse wurden gefunden.

Bei der Entdeckung dieser historisch wichtigen Belege half das Monitoring-System der Aargauer Kantonsarchäologie, das im vergangenen Jahr eingeführt wurde.

4000 Baugesuche geprüft

Christian Maise hat dieses System mitentwickelt: «Das Monitoring dient zur Früherkennung. Wir können so voraussagen, wo grosse Chancen bestehen, auf bisher unbekannte Funde zu stossen», sagt er.

Und das funktioniert so: Die Aargauer Gemeinden sind gesetzlich dazu verpflichtet, ihre Baugesuche der Kantonsarchäologie zu melden. Dann werden diese von den Archäologen geprüft: «Pro Jahr werden rund 4000 Baugesuche öffentlich», sagt der Monitoring-Experte Maise. «Rund 1000 davon verursachen grössere Eingriffe in den Boden – was für uns am spannendsten ist.»

Die Baugesuche werden anschliessend mit den Verdachtsflächen verglichen, die auf den Lebensgewohnheiten von Menschen aus vergangenen Zeiten basieren. «Jede Zeit hat ihre
eigene Raumplanung», so Meise. «Das heisst, Menschen aus verschiedenen Epochen haben verschiedene Ansprüche an ihren Siedlungsraum.» Meist aber waren diese ähnlich: «Nähe zu Gewässern und zum Ackerland wurde bevorzugt.» Neben den Verdachtsflächen werden auch bereits bekannte Fundstellen berücksichtigt.

Kommen die Archäologen zum Schluss, dass man bei den Bauarbeiten auf historische Funde stossen könnte, begleiten die sie Grabungen. «Das funktioniert meist problemlos, aber wir müssen viele Kompromisse mit den Bauherren eingehen», so Maise.

Die Zeit sei knapp und darunter leide auch die Dokumentation der Funde. «Trotzdem ist die Situation im Aargau gut», sagt der Archäologe. «In anderen Kantonen geht mehr verloren.»

System hat sich bewährt

Mit dem neuen Monitoring-System wolle die Kantonsarchäologie eine aktivere Rolle übernehmen und schneller reagieren können, erläutert Maise.

Der Archäologe zieht nach dem ersten Jahr eine positive Bilanz: «Es hat sich bewährt. Wir konnten etwa 15 bisher unbekannte archäologische Fundstellen entdecken. Stolz sind wir vor allem auf den Egliswiler Topf.»

Bilder von archäologischen Sehenswürdigkeiten im Aargau: