Knecht Reisen
Dank Barack Obama liegt Nordamerika im Trend

Nordamerika ist dank Obama und dem tiefen Dollar die beliebteste Feriendestination der Kunden der fest im Aargau verwurzelten Knecht Reisegruppe.

Thomas Schlittler
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Bei Knecht Reisen hoch im Kurs: Die pure Wildnis Nordamerikas

Bei Knecht Reisen hoch im Kurs: Die pure Wildnis Nordamerikas

HO

Was hat Barack Obama mit dem Jahresergebnis der Knecht Reisegruppe zu tun? «Einiges», ist deren Chef Roger Geissberger überzeugt. Seit Obama in den Staaten das Zepter übernommen habe, sei die USA als Reiseziel bei den Schweizern wieder um einiges beliebter geworden: «Als Bush noch Präsident war, wollten viele aus Prinzip nicht in die USA», weiss Geissberger aus Gesprächen mit Kunden. Natürlich habe aber auch der tiefe Dollar eine wichtige Rolle gespielt.

Mittlerweile macht die Knecht Reisegruppe in Nordamerika rund 18 Millionen der 152 Millionen Franken Umsatz. Vor drei Jahren hat Nordamerika die frühere Top-Destination Australien/Ozeanien überflügelt. Mit einem Umsatz von rund 12 Millionen Franken liegt Australien/Ozeanien heute deutlich hinter den USA, Kanada und Mexiko zurück. 2011 schrumpfte der Umsatz im Land der Koalas und Kängurus um satte sieben Prozent. «Mit der Beliebtheit der Ferienländer ist es wie mit der Mode - sie verändert sich von Jahr zu Jahr», sagt Geissberger. Er muss es wissen, führt er Knecht Reisen doch seit 24 Jahren.

Die USA sind momentan definitiv «in». Die Diskussion betreffend einer möglichen Wiedereinführung der Visa-Pflicht hat Geissberger deshalb «mit Schrecken» mitverfolgt. Die Behörden in Bern hätten ihn dann aber einigermassen beruhigt: «Das EDA hat mir gesagt, dass sie nicht davon ausgehen, dass die USA das tatsächlich durchziehen würden.» Es handle sich dabei wohl eher um Drohgebärden. «Sollte die Visa-Pflicht aber tatsächlich wieder eingeführt werden, könnte das gewisse Leute davon abhalten in die USA zu reisen», glaubt Geissberger.

Erfolgsgarant Nischenprodukte

Zum Wachstum in Nordamerika massgeblich beigetragen hat der Bereich Heliskiing in Kanada. Sowohl in der Westschweiz unter der Marke Voyageplan wie auch in der Deutschschweiz. Das Nischenprodukt konnte nochmals um acht Prozent wachsen und macht nun bereits sieben Prozent des Gesamtumsatzes aus. Dass dieses Geschäftsmodell dem Image von Knecht Reisen - wegen ökologischer Bedenken - schaden könnte, glaubt Geissberger nicht: «Wir bieten Heliskiing nur in Kanada an. Die Distanzen dort sind nicht mit der Schweiz vergleichbar. Dort ist genug Platz vorhanden.»

Heliskiing ist nicht das einzige Nischenprodukt, auf das sich Knecht Reisen spezialisiert hat. Der viertgrösste Reiseveranstalter der Schweiz bietet des Weiteren Lese- und Agrarreisen an. Bei Letzteren würden Bauern Landwirtschaftsbetriebe in anderen Ländern inspizieren. «Ein Erfolgsmodell», sagt Geissberger. Das Portfolio soll in Zukunft um weitere Nischenplayer ergänzt werden: «Wir stehen mit zwei Unternehmungen in Verhandlungen», bestätigt Geissberger. In den vergangenen 10 Jahren hat Knecht Reisen 10 Firmen dazugekauft, darunter so bekannte wie Baumeler Reisen, Reisebüro Mittelthurgau Retail oder Kira Reisen.

Starkes Jahresergebnis

Mit dem Ergebnis 2011 ist CEO Geissberger mehr als zufrieden, auch wenn der Umsatz um 3,6 Prozent auf 152 Millionen Franken zurückgegangen ist: «Das Wichtigste sind für mich die Mitarbeiter, die Kunden und der Gewinn. In diesen Bereichen sind wir sehr gut aufgestellt.» Konkret heisst das: Die Anzahl Mitarbeiter ist stabil geblieben. Die Passagierzahlen konnten um 1,8 Prozent gesteigert werden. Und der Gewinn sei einer der Besten der Firmengeschichte. Der Nettogewinn in Prozent des Umsatzes beträgt 3,74 Prozent.

Mit dem Umsatzrückgang könne er leben, sagt Geissberger. Dieser sei vor allem auf die zehn Prozent tieferen Reisepreise zurückzuführen, aber auch auf die Abwanderung von einfachen Massenprodukten vom Knecht Retailing ins Internet. Im Kerngeschäft Tour Operating sei man dagegen praktisch stabil geblieben.

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