Das Projekt ist ambitioniert: 648 Satelliten in der Erdumlaufbahn sollen aus 1200 Kilometer Höhe rund um die Welt Zugang zum Internet ermöglichen – in entlegenen Gebieten genauso wie auf Schiffen und in Flugzeugen. Der Start der ersten Satelliten ist für Ende 2018 geplant. «Oneweb» heisst das Vorhaben, das auch dank Schweizer Unterstützung umgesetzt werden kann. Forscher der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Brugg-Windisch haben mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag geleistet – und dafür nun den Ypsomed-Innovationspreis erhalten, der mit 30 000 Franken dotiert ist.

«GreDom-Insert» ist die Erfindung, die nach Einschätzung der FHNW den Satellitenbau revolutioniert. Benannt nach den Vornamen der beiden Erfinder: Gregor Burkhard und Dominik Nägeli. Mit den speziellen Gewindeeinsätzen, Inserts genannt, können Instrumente, Aggregate und Sensoren an der Tragstruktur eines Satelliten befestigt werden. Professor Burkhard vergleicht die Inserts mit Dübeln, die es braucht, um Schrauben in einer Betonwand zu befestigen.

Bis anhin war dies ein rein manueller Prozess, der mit deutlich mehr Zeitaufwand verbunden war. Basierend auf der FHNW-Erfindung konnte der Industriepartner Ruag Space die sogenannte «Automated Potting Machine» entwerfen und bauen. Mit dieser Maschine können die einzelnen Gewindeeinsätze vollständig automatisiert in 1,5 statt 8 Minuten eingesetzt und verklebt werden. Pro Satellit für das «Oneweb»-Projekt werden rund 550 Stücke benötigt – knapp eine halbe Million für die insgesamt 900 geplanten Satelliten. Entsprechend gross sind die Einsparungen bei Zeit und Kosten.

Wegbereiter für Millionenauftrag

Die Erfindung, an der zeitweise ein bis zu achtköpfiges FHNW-Team gearbeitet hat, trug massgeblich dazu bei, dass sich die Ruag Space einen Auftrag sichern konnte. Der Schweizer Industriekonzern liefert die Strukturen – vergleichbar mit dem Chassis eines Autos – für sämtliche «Oneweb»-Satelliten. Ein lukrativer Deal, handelt es sich doch um die bisher grösste Serienproduktion in der Geschichte des Satellitenbaus: Die Rede ist von einem zweistelligen Millionenbetrag. Ruag-Sprecher Jiri Paukert spricht von einem strategisch bedeutenden Projekt. «Ruag Space fasst damit im Markt für kommerzielle Satelliten weiter Fuss und stärkt seine Präsenz in den USA.» Insgesamt werden bei Ruag Space 30 bis 40 Mitarbeiter zu «Oneweb» beitragen.

Gregor Burkhard: «Ohne unsere Technologie wäre der Auftrag wohl in ein Billiglohnland vergeben worden.» Er fühle sich «stolz und geehrt», dass der Preis an die FHNW gegangen sei. Das Projekt zeige, dass mit einer automatisierten Produktion und innovativer Technologie auch Hochpreisländer wie die Schweiz gegen die ausländische Konkurrenz bestehen können. «Einer der Hauptgründe dafür, dass wir die Auszeichnung erhalten haben, ist sicher der Grossauftrag, der an die Ruag gegangen ist», sagt Burkhard. Das geht auch aus der Begründung der Jury bei der Preisvergabe hervor: «Diese an der FHNW gemachte Erfindung ist ein Musterbeispiel gezielter, innovativer und zukunftsorientierter Zusammenarbeit zwischen Forschung und Wirtschaft», sagte Ypsomed-Stiftungsrat Peter Mürner bei der Verleihung.

2011 ist der Industriekonzern Ruag mit dem Auftrag auf die Wissenschaftler der Fachhochschule Nordwestschweiz zugekommen, nach einer Lösung zur Automatisierung dieses Produktionsschrittes zu suchen. Daraus entwickelte sich ein von der Kommission für Technologie und Innovation unterstütztes Forschungsprojekt. Die Forscher kamen schnell zu ersten Ergebnissen, 2013 meldete der Industriepartner die ersten Patente an, 2015 wurde ihre Methode erstmals angewendet. Nun werde nach neuen Anwendungsmöglichkeiten der Technologie gesucht, sagt Gregor Burkhard. Denkbar wäre etwa, diese auch beim Flugzeugbau einzusetzen.

Für Burkhard und seine Forscherkollegen ist der Innovationspreis nicht der erste Erfolg: Bereits 2015 wurde Ruag Space mit dem «JEC Innovation Award» ausgezeichnet.