AIHK

Daniel Knecht zum Regierungsrat: «Lassen Sie uns bitte einfach arbeiten»

Über 400 Anwesende hoben an der Generalversammlung in Wettingen Marianne Wildi auf den Schild.

Die Generalversammlung der Aargauischen Industrie- und Handelskammer (AIHK), des Dachverbandes der Wirtschaft in Wettingen, ist alljährlich ein gesellschaftliches Ereignis. Das war gestern beim Wechsel des Präsidiums von Daniel Knecht zu Marianne Wildi erst recht so. Die Regierung war mit dabei mit Landammann Stephan Attiger, Volkswirtschaftsdirektor Urs Hofmann, Staatsschreiberin Vincenza Trivigno sowie den früheren Regierungsräten Roland Brogli und Peter C. Beyeler. Mit im Saal nebst Schulklassen Grossratspräsident Benjamin Giezendanner sowie sein Vizepräsident Bernhard Scholl, Obergerichtspräsident Guido Marbet, die Spitzen der aargauischen Gewerkschaften, mehrere National- und Grossräte, natürlich zahlreiche Wirtschaftsvertreter und weitere Gäste.

Wildi mit Applaus gewählt

Die vom Vorstand als Knechts Nachfolgerin vorgeschlagene bisherige AIHK-Vizepräsidentin und CEO der Hypothekarbank Lenzburg, Marianne Wildi (vgl. Hauptartikel), wurde in einem kleinen Film vorgestellt und mit Applaus gewählt. Gar mit stehender Akklamation wurde Knecht danach zum Ehrenmitglied ernannt. Mit auf den Weg bekam er einen Reisegutschein, den er zusammen mit seiner Frau Eva vielleicht demnächst im Engadin einlösen wird.

Zehn Jahre habe er der AIHK ein Gesicht geben dürfen, sagte Knecht in seiner Bilanz. Er mahnte Politik und Unternehmer, Neues gelinge nur, wenn der permanente Umbau möglichst ungehindert vor sich gehen könne. Nach seiner Auffassung sei im internationalen Vergleich nach wie vor «unser freier Arbeitsmarkt der entscheidende Konkurrenzvorteil». Dieser diene letztlich auch den Interessen der Arbeitnehmenden. Das bewiesen Tausende von Unternehmen täglich. Knecht: «Sie verhalten sich nämlich auch ohne zusätzliche gesetzliche Vorschriften ihren Mitarbeitenden gegenüber anständig. Und sie stellen, wenn es die Situation erlaubt, auch neue Mitarbeitende an.

In der Verantwortung stehe aber auch der Gesetzgeber. Knecht: «Wir dürfen dem Ausland nicht alle Dummheiten nachmachen und quasi unbesehen europäisches Recht übernehmen (das dann vielfach noch mit einem ‹Swiss Finish› versehen wird).» Er rief dazu auf, der Europäischen Sozialcharta nicht beizutreten: «Wir brauchen nicht noch mehr Kündigungsschutz, so wenig wie wir Quotenregelungen brauchen.» Sein grösstes Anliegen an die Politik: «Lassen Sie uns bitte einfach in Ruhe arbeiten.»

Plassnik: Voneinander lernen

Gespannt waren die Anwesenden anschliessend auf die Hauptreferentin, die frühere ÖVP-Aussenministerin und heutige österreichische Botschafterin in Bern, Ursula Plassnik. Ihr Thema: Europa im Stresstest. Europa sehe sich nicht einem, sondern mehreren Stresstests gegenüber, meinte Plassnik. Sie streifte das Scheidungsverfahren mit dem Familienmitglied Grossbritannien, das Sorgenkind Griechenland, Populisten wie Marine Le Pen, das zu klärende Verhältnis zur Türkei, den Krieg in der Ukraine, die terroristische Herausforderung durch den «Islamischen Staat».

Sie glaube gleichwohl nicht, dass die EU in einer Identitätskrise steckt, sagte Plassnik. Die EU brauche Zeit. Auch die schweizerische Integration habe sehr lange gedauert, etwa die schweizerische Währungsunion. Vielleicht, so Plassnik sinnierend, sei die EU auch bloss das am schlechtesten vermarktete Politwunder. Im europäischen Lebensmodell liege eine grosse Kraft, die jüngeren Generationen wollten darauf nicht verzichten. Man möge nicht übereinander richten, sondern voneinander lernen, bat Plassnik, und weiter: «Wir Europäer wollen den Frieden. Denn wir wissen, ohne Frieden ist gar nichts.»

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