Prozess
Dänen enttarnen Aargauer Kinderporno-Täter

Das Aargauer Obergericht verurteilt einen Mann schon zum dritten Mal wegen einschlägiger Downloads. Die Unschuldsbeteuerungen nützten nichts.

Mario Fuchs
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Ein Mann wird zum dritten Mal wegen einschlägigen Downloads verurteilt (Symbolbild)

Ein Mann wird zum dritten Mal wegen einschlägigen Downloads verurteilt (Symbolbild)

Keystone

Markus (Name geändert) macht einen guten Eindruck: Feiner Anzug, Hemd und Krawatte, Businessschuhe. Auch seine Sprache ist gehoben, manchmal fast geschwollen. Doch gestern Nachmittag wird am Aargauer Obergericht schnell klar, dass beides für Markus ein Mittel ist, den zweiten Eindruck zu korrigieren.
Denn: Mehrfach wurde er wegen verschiedenster Delikte verurteilt – zweimal, weil bei ihm pornografische Bilder und Videos mit Kindern und Tieren gefunden wurden. Im April 2015 schliesslich wurde er in Zofingen ein drittes Mal verurteilt. Diesmal: Pornografie, Urkundenfälschung, Betrug, unbefugtes Aufnehmen von Gesprächen. 32 Monate Freiheitsstrafe

Markus war damit nicht einverstanden und ging mit seinem Verteidiger in Berufung. Und der zog gestern von Anfang an alle Register: Die Berufungsverhandlung so zu führen, sei «sinnlos», zuerst müsse man weitere technische Nachweise erbringen, die belegen, dass Markus im September 2011 wirklich 30 Dateien kinderpornografischen Inhalts heruntergeladen und weiterverbreitet habe.
Man müsse bei der Cablecom Nachforschungen anstellen. Das Modem genaustens untersuchen – und auch seinen Mandanten: es brauche ein Gutachten, womöglich eine Massnahme. Oberrichter Jann Six liess sich davon nicht beeindrucken: Alle Beweisanträge wurden nach kurzer Beratung abgewiesen – so musste sich Markus den Fragen der Oberrichter stellen.

Rache der Ex-Frau?

Es waren Ermittler der dänischen Polizei, die Markus im Jahr 2011 als Wiederholungstäter enttarnt hatten. Im Rahmen einer Grossfahndung, bei der online explizit nach Rechnern mit Kinderporno-Dateien gesucht wird, stiessen die Dänen auf die Aargauer IP-Adresse von Markus’ Computer. Mindestens 30 einschlägige Videos hatte er über das Dateiaustausch-Netzwerk «eDonkey2000» heruntergeladen und anderen Nutzern zur Verfügung gestellt.
Vor Gericht betont Markus vehement, man könne ihm nicht nachweisen, dass er die Dateien eigenhändig heruntergeladen habe. Die Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft sind für ihn «gebetsmühlenartig wiederholte Arbeitsthesen». Vielmehr sei er Opfer eines Hackerangriffs geworden. Vermutlich wolle ihm seine Ex-Frau die Tat unterjubeln. «Ich muss mutmasslich davon ausgehen», erklärt Markus, «dass die Motivlage meiner Ex-Frau dahingehend abzielt, mich von meiner Tochter fernzuhalten». Bei einem Schuldspruch, «bequemerweise in Kinderpornografie», habe sie wohl gute Chancen, ihr Ziel zu erreichen.
Oberrichter Six will von Markus wissen, ob seine Ex-Frau ihn denn auch bei den Ermittlern angeschwärzt habe, wenn sie schon dafür gesorgt haben soll, dass man bei ihm Kinderpornografie finde. «Ich gehe nicht davon aus, dass sie die dänische Polizei informiert hat», gibt Markus zu. Solche Online-Grossfahndungen seien «ein Lotteriespiel»: «Man wird gefischt oder nicht.»

«Im Oberstübli einen Schalter umgelegt»

Für ihn sei aber klar: Er könne mit den 30 neuen Dateien nichts zu tun haben. Denn als 2007 seine Tochter zur Welt gekommen sei, habe es bei ihm «im Oberstübli einen Schalter umgelegt». «Als ich wusste, dass ein Kind unterwegs ist, war mir sofort klar, dass das mit meiner neuen Verantwortung nicht mehr geht».

Auf die Frage des Gerichts, ob ihm die Videos gefallen hätten, antwortet er: «Das kann ich so nicht beurteilen. Mit dieser Frage habe ich mich noch nie befasst.» Einverstanden ist er hingegen mit der ihm vorgeworfenen Urkundenfälschung: Weil er bei der Cablecom Schulden hatte, bestellte er ein Modem auf falschen Namen und unterschrieb auf der Post für den Empfang des Pakets.

Der Verteidiger versucht in einer einstündigen Begründung, mit technischen Details und Kritik an den Ermittlungsergebnissen der IT-Forensiker, Markus’ Unschuld zu beweisen. Es gelingt ihm nicht. Für Oberrichter Six ist die Beweislage erdrückend: «Wir haben keine Zweifel, dass Sie es wieder getan haben», sagt er. Markus habe damit eine «unheimliche Unbelehrbarkeit» an den Tag gelegt. Fazit: kein Gutachten, keine Therapie. 21 Monate Freiheitsstrafe, unbedingt.