Nach dem Suizid einer 13-jährigen Schülerin Ende August in Spreitenbach schockiert ein Video: Ein Mädchen aus Dietikon sagt mit Blick in die Kamera ihres Smartphones: «Also du kleine Nutte. Wir finden dich schon. Du wirst genauso sterben wie Sabrina*.» Das Video war auf der Social-Media-Plattform Instagram zu finden. Die zuständige Jugendstaatsanwaltschaft ermittelt wegen Drohung gegen eine Jugendliche. Ob ein Zusammenhang zum Fall von Spreitenbach besteht, ist unklar.

«Was läuft hier schief?», fragte Moderator Kaspar Loeb zu Beginn des «TalkTäglich» auf Tele M1. Damit stellte sich auch die Frage: «Was kann man gegen Cybermobbing tun?» Zu Gast waren Hannes Schwarz, Schulleiter in Spreitenbach, Medienpädagogin Sharmila Egger und Markus Wopmann, Chefarzt der Kinderklinik am Kantonsspital Baden, zu der eine Kinderschutz-Abteilung gehört. An diese wenden sich Schulsozialarbeiter in akuten Fällen.

Wopmann stuft Cybermobbing als psychische Misshandlung ein. Dazu gehört, jemanden fertigzumachen, zu beschimpfen oder zu bedrohen. «Das kommt häufig vor», stellte er fest. Und zeigte auf, dass der Kampf gegen Cybermobbing vielschichtig ist. «Es braucht Aufklärung.» Es stelle sich jeweils die Frage, was das Kind und andere brauchen – und wie man Mobbing stoppen könne. «Eltern müssen von Anfang an einbezogen werden.» Häufig würden sie aus allen Wolken fallen. Kinder würden ihre Eltern vorher nicht miteinbeziehen, weil sie in ihren Augen keine Fachleute sind.

Wenn «beste bitch» «beste Freundin» meint

«Aufgeklärt werden sollen Kinder spätestens in der Schule, wenn sie mit Social Media in Kontakt kommen», sagte Medienpädagogin Egger. «Sobald sie ein Handy bekommen, müssen sie gut begleitet werden.» Sie seien sich nicht bewusst, wie ihre Sprache bei Erwachsenen ankomme, dass ihre Worte anders verstanden würden. Wenn eine Jugendliche ihre beste Freundin als «beste Bitch» bezeichnet, könne das positiv gemeint sein, gab Egger ein Beispiel.
Als wichtige Massnahme wünscht sich Schulleiter Schwarz eine grosse Kampagne mit Plakaten an Bahnhöfen. «Damit sich bei der Bevölkerung ein Bewusstsein aufbaut, dass Cybermobbing ein Problem ist.» Pädagogin Egger wies auf die Bedeutung von externen Fachleuten hin, wenn Lehrpersonen oder Eltern nicht mehr weiterwissen. «Diese haben das Vertrauen der Kinder und wissen, wie sie mit ihnen ins Gespräch kommen.»

Kinderarzt Wopmann schliesslich wünscht sich «Eltern, die ihre Verantwortung wahrnehmen» und die ihren Kindern klarmachen, dass anonyme Einträge im Internet mindestens
gleich verletzend und beleidigend sein können wie jene Worte, die man jemandem direkt ins Gesicht sagt. «Dies verstehen viele Kinder nicht.»

*Name geändert