Aargau
CVP wollte eigentlich Brogli und hat nun Humbel – wie gut sind ihre Chancen?

Die Aargauer CVP-Nationalrätin Ruth Humbel will in den Ständerat. Ihr liege die Arbeit im Ständerat eher als der parteipolitisch geprägte Nationalrat. Bereits 2003 kandidierte sie vergeblich fürs Stöckli. Auch diesmal ist sie nur zweite Wahl.

Fabian Hägler
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Ruth Humbel.

Ruth Humbel.

Keystone

Eigentlich wollte die CVP ihre Kandidatur für den Ständerat erst am Mittwoch öffentlich machen. Doch schon heute ist klar: Ruth Humbel kandidiert fürs «Stöckli». Auf Anfrage der az bestätigt die 56-jährige Nationalrätin eine Meldung von Tele M1.

«Ich habe mich für die Kandidatur entschieden, weil ich mich in Bern für die Interessen des Aargaus einsetzen möchte», sagt Humbel. Zudem würde ihr die Arbeit im Ständerat besser liegen als im stark parteipolitisch dominierten Nationalrat. «Ich bin ein Mensch, der lösungsorientiert und sachlich politisiert, ausserdem ist der Einfluss in der kleinen Kammer mit weniger Mitgliedern deutlich grösser», begründet sie.

Die ausgebildete Primarlehrerin und Juristin sitzt seit 2003 im Nationalrat und hat sich vor allem als Gesundheitspolitikerin profiliert. «Es gibt aber auch weitere Themen wie Infrastruktur, Energie oder Arbeitsplätze, die mir sehr am Herzen liegen», erklärt Humbel. Die langjährige Spitzen-Orientierungsläuferin möchte sich als Ständerätin dafür einsetzen, dass die Stellen im Energiekanton Aargau auch mit der Energiewende erhalten bleiben, zudem unterstützt sie den anstehenden Ausbau von Strasse und Schiene. «Es gibt viele
Zusammenhänge zwischen der Kantons- und Bundespolitik, die es zu berücksichtigen gilt», hält Humbel fest.

Ihre Wahlchancen im Kandidatenfeld mit Pascale Bruderer (SP, bisher), Philipp Müller (FDP) und Hansjörg Knecht (SVP) schätzt Ruth Humbel realistisch ein. «Es wird sicher schwierig, ich bin aber eine Kämpferin und werde alles daransetzen, die Wahl zu schaffen», kündigt Humbel an. Vom schlechten Resultat von Kurt Schmid, der 2011 im ersten Wahlgang mit 10,5 Prozent der Stimmen ausschied, lässt sich die CVP-Frau nicht entmutigen. «Natürlich ist Pascale Bruderer als Bisherige gesetzt, hat Philipp Müller als FDP-Präsident einen Vorsprung auf mich beim Bekanntheitsgrad und kann Hansjörg Knecht auf eine SVP-Hausmacht von rund 30 Prozent zählen – dennoch werde ich mich voll engagieren im Wahlkampf.»

Es gab mehrere Interessenten

Bereits im März hatte CVP-Regierungsrat Roland Brogli bekannt gegeben, dass er nicht als Ständeratskandidat zur Verfügung stehe. Seine Partei bedauerte dies: «Mit Roland Brogli hätten wir den geeigneten Kandidaten präsentieren können», sagte CVP-Aargau-Präsident Markus Zemp. Nun bestätigt Zemp, dass Humbel als Ständerätin für die CVP kandidiert. «Mehr zu unserer Strategie und zur Frage, weshalb wir mit Ruth Humbel in die Wahlen gehen, werde ich aber erst am Mittwoch an der Medienkonferenz bekannt geben.»
Gesprächiger ist Peter Voser, Fraktionschef der CVP im Grossen Rat. Er ist sicher, dass Ruth Humbel die richtige Kandidatin ist.

«Wer für ein solches Amt kandidiert, muss eine nationale Ausstrahlung haben, das ist bei ihr gegeben», sagt Voser. Er hält fest, innerhalb der Partei habe es mehrere Interessenten gegeben, die Wahl sei aber klar auf Humbel gefallen. «Sie hat vor elf Jahren schon einmal für den Ständerat kandidiert und damals – im Vergleich mit den darauffolgenden Kandidaten – ein gutes Ergebnis erzielt», hält Voser fest. 2003 belegte Humbel hinter Maximilian Reimann (SVP), Thomas Pfisterer (FDP) und dem heutigen SP-Regierungsrat Urs Hofmann den vierten Platz.

Binder: «Pointiert in der Mitte»

Marianne Binder, ehemalige Kommunikationschefin der CVP Schweiz und Grossrätin, ist überzeugt, dass Ruth Humbel eine ausgezeichnete Kandidatin ist. «Sie hat sich in Bern einen Namen geschaffen, vertritt ihre Meinung engagiert und ist der beste Beweis dafür, dass Mitte-Politik pointiert sein kann.» Binder, die selber als mögliche Ständeratskandidatin gehandelt wurde, möchte sich zu allfälligen eigenen Ambitionen nicht äussern. «Die Gespräche bei der Auswahl der Kandidatur wurden vertraulich geführt», hält sie fest.
Ralf Bucher, Grossrat, Parteileitungsmitglied und gut vernetzter Geschäftsführer des Aargauischen Bauernverbands, bezeichnet Humbel als beste Kandidatin. «Wenn man den Sitz im Ständerat wirklich holen und die Kandidatur nicht einfach als Sprungbrett für den Nationalratswahlkampf nutzen will, muss man jemanden mit genug Erfahrung und einem gewissen Bekanntheitsgrad aufstellen», betont Bucher.