Nachruf
CVP-Politiker Max Knecht ist gestorben – er gehörte zum politischen Aargauer Urgestein

Der Jurist, CVP-Politiker und Wahlprognostiker Max Knecht ist mit 87 Jahren gestorben. Er war ein Urgestein der Aargauer Politik. Ein Nachruf.

Hans-Peter Widmer
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Der 87-jährige Max Knecht war der erste Aargauer Anwalt, der einen Computer benutzte.

Der 87-jährige Max Knecht war der erste Aargauer Anwalt, der einen Computer benutzte.

Alex Spichale

Nur acht Tage, nachdem er noch als Gast auf der Zuschauertribüne an der Legislatur-Abschlusssitzung des Grossen Rates teilgenommen hatte, ist der ehemalige Jurist, CVP-Politiker, alt Grossratspräsident und Politbeobachter Max Knecht aus Wettingen kurz vor dem Jahresende überraschend im 88. Lebensjahr gestorben.

Man darf ihn zum politischen aargauischen Urgestein der letzten 50 Jahre zählen. Er war kein «Duzis»-Politiker und Schulterklopfer, sondern ein Analytiker mit klarem Verstand und gutem Instinkt – aber gleichwohl auch ein zugänglicher Mensch. Aus der ländlichen katholischen Umgebung des Studenlands stammend, machte er später im urbanen Umfeld der Region Baden beruflich und politisch Karriere. Sie führte ihn zwar nicht ganz, wie ursprünglich angestrebt, auf das nationale Parkett, aber immerhin zu hohen Ämtern auf kommunaler und kantonaler Ebene.

Studium im Ausland

Max Knecht wurde 1929 in Schneisingen im Bezirk Zurzach als Sohn eines Sägermeisters geboren. Nach der Bezirksschule Endingen wechselte er an das Gymnasium Stans, das aus dem jahrhundertealten klösterlichen Kollegium St. Fidelis entstanden war. Von diesem Milieu aus nahm er naheliegenderweise das Jura-Studium in Fribourg in Angriff, führte dieses in Paris weiter und schloss es in Zürich ab.

Er doktorierte mit einer Dissertation über «Die staatsrechtliche Stellung des Fernsehens» – ein Thema, das dem aufkommenden neuen Informationsmittel gerecht wurde. 1955 eröffnete Max Knecht in Döttingen ein Anwalts- und Notariatsbüro, das er samt Wohnsitz 1958 nach Wettingen verlegte, wo er die Praxis des zum Gemeindeammann gewählten Alfons Sinniger übernehmen konnte.

Präsident von zwei Räten

Er erlebte die letzten berüchtigten Gemeindeversammlungen der grössten Aargauer Ortschaft, die beim damaligen Regime des Stimmzwangs unter quorumsmässig fragwürdigen Umständen durchgeführt werden mussten. Deshalb unterstützte er 1966 die Einführung des Einwohnerrats. Dass er dessen erster Präsident wurde, war ein Glücksfall, weil er als Jurist die neue Gemeindeorganisation souverän handhabte und die Kompetenzen des jungen Gemeindeparlaments gegenüber dem Gemeinderat durchsetzte.

Einige Ratserfahrungen brachte er schon mit, denn 1965 war er auf Anhieb in den Grossen Rat gewählt worden. 1973/74 präsidierte er ihn straff und effizient. Bis zu seinem Tod leitete er als Doyen die «Gipfelkonferenz», die Vereinigung ehemaliger Grossratspräsidenten.

Bei den zahlreichen Aufgaben, die Max Knecht mit Umsicht erfüllte, ereilte ihn als Bankratspräsident der Aargauischen Kantonalbank wegen einer anwaltschaftlichen Geschäftsbeziehung ins Ausland ein Ungeschick. Die AKB blieb dabei schadlos, Knecht zog mit dem Rücktritt dennoch die Konsequenzen. Bis ins hohe Alter blieb er in besonderer Weise – als Wahlanalytiker – mit der Politik verbunden.

Seine Vorhersagen basierten auf grosser Erfahrung und computergestützten Berechnungen. Als ausgebildeter Gebirgsfunker und späterer Offizier der Übermittlungstruppen, zuletzt als Oberstleutnant im Generalstab, wusste er die moderne Informationstechnologie anzuwenden. Er benutzte als erster Aargauer Anwalt einen Computer.

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