Es war ein erfolgreiches Heimspiel für Ruth Humbel: In der Turnhalle in Birmenstorf, wo die heutige CVP-Nationalrätin als Kind geturnt hatte, wurde sie von den Delegierten ihrer Partei mit 38 zu 0 Stimmen als Ständeratskandidatin nominiert. Zuvor hatte Humbel um die Unterstützung der Basis gebeten – und die bekam sie auch:

Ihre Parteikollegen erhoben sich von den Stühlen und spendeten lang anhaltenden, kräftigen Applaus. Sichtlich gerührt trat die frühere Spitzen-Orientierungsläuferin ans Mikrofon, bedankte sich für die Nomination und sagte: «Es wird nicht leicht, den Sieg zu erringen, aber es lohnt sich zu kämpfen, und zusammen mit euch habe ich eine Chance.»

Ruth Humbel machte klar, dass sie für pragmatische Lösungen, gangbare Wege und sinnvolle Kompromisse steht. «Extreme Positionen und Polemik sind mir zuwider, ich setze mich für Werte wie Solidarität, Gemeinsinn, Anstand und Respekt ein.»

Mit Blick auf ihre starke Konkurrenz durch Pascale Bruderer (SP, bisher), Philipp Müller (FDP) und Hansjörg Knecht (SVP) betonte sie: «Es sind definitiv nicht die Linken und die Rechten, die den Aargau und die Schweiz stark gemacht haben.» Diese würden nur ihre Feindbilder bekämpfen: «Bei den Rechten sind das die Ausländer, bei den Linken die Reichen.»

Ruth Humbel wird als Ständeratskandidatin nominiert

Ruth Humbel wird als Ständeratskandidatin nominiert

Chancen trotz starker Gegner

Humbel ist sich durchaus bewusst, dass sie nicht aus der Pole-Position ins Rennen um einen Ständeratssitz geht. Auf die Frage eines Delegierten nach ihrer Strategie im Wahlkampf antwortete sie: «Ich werde mir die Anliegen der Menschen anhören und ihre Probleme aufnehmen, einen intensiven Austausch mit der Bevölkerung pflegen und in Diskussionen mit den Kontrahenten meine Position klar machen.» CVP-Aargau-Präsident Markus Zemp ist überzeugt, dass Humbel gute Wahlchancen hat.

«Wir stellen mit ihr nicht einfach eine Kandidatin, um jemanden aufzustellen, sondern eine dossierfeste, eigenständige, manchmal unbequeme, klar bürgerliche und sehr erfolgreiche Politikerin.» Humbel sei hervorragend vernetzt, erreiche in Politratings regelmässig Spitzenplätze, sei aber dennoch offen für Kritik und andere Meinungen.

Aussen wild, innen mild

Vor der Nomination stellte Edith Saner, Gemeindeammann von Birmenstorf und CVP-Grossrätin, Humbel persönliche Fragen. Dabei erfuhren die Delegierten, dass die Birmenstorfer laut einem bekannten Lied als «aussen wild, aber innen mild» bezeichnet werden.

Dies passt als Charakterisierung für Humbel, die nach aussen als durchsetzungsstarke Politikerin und disziplinierte Sportlerin oft etwas unnahbar wirkt. Gestern zeigte sich ihre andere Seite – jene Ruth Humbel, die mit ihren Parteikollegen lacht, sich herzhaft über den grossen Applaus freut und gerührt einen Blumenstrauss entgegennimmt.

Ruth Humbel: «So hat Birmenstorf mich geprägt»

Ruth Humbel: «So hat Birmenstorf mich geprägt»