Wahlen 2019

CVP empört über nicht repräsentative Umfrage: Aargauer Seelsorgende wählen primär links und grün

Aargauer Seelsorgende wählen vorwiegend links und grün. (Symbolbild)

Aargauer Seelsorgende wählen vorwiegend links und grün. (Symbolbild)

Im katholischen Pfarrblatt «Horizonte» wurde eine Umfrage publiziert, wonach Aargauer Seelsorgende hauptsächlich linke Parteien wählen und nur wenige die CVP. Dort stösst die Umfrage auf Kritik.

139 katholische Seelsorgende, darunter Priester, Diakone und nicht Ordinierte (davon 37 Frauen) arbeiten im Kanton Aargau in Diensten des Bistums Basel. 76 haben das Schweizer Stimm- und Wahlrecht. Von diesen 76 Personen gaben 39 dem katholischen Pfarrblatt «Horizonte» Auskunft über ihre politische Haltung.

Das Ergebnis der nicht repräsentativen Umfrage: Aargauer Seelsorgende wählen vor allem SP (37 Prozent) und Grüne (29 Prozent). Nur gerade acht Prozent geben der CVP ihre Stimme.

«Die CVP ist eine weltliche Partei und nicht die Kommunikationsabteilung des  Vatikans.»

Marianne Binder, Präsidentin CVP Aargau

«Die CVP ist eine weltliche Partei und nicht die Kommunikationsabteilung des  Vatikans.»

Für Ausländerstimmrecht und begleiteten Suizid

Auch inhaltlich decken sich die Haltungen des katholischen Seelsorgepersonals im Aargau mit den Positionen von SP und Grünen. Besonders deutlich zeigt sich dies bei den Themenfeldern Migration und Integration sowie bei wirtschaftspolitischen Fragestellungen.

So begrüssen zwischen 69 und 77 Prozent der Befragten die Aufnahme von Flüchtlingen und die Legalisierung von Sans-Papiers durch die Erteilung von Aufenthaltbewilligungen. Sie finden auch, dass Ausländerinnen und Ausländer nach zehn Jahren in der Schweiz automatisch das Stimm- und Wahlrecht erhalten sollten.

97 Prozent wollen keine Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten, hingegen sind 77 Prozent der Seelsorgenden für den Ausbau des Kündigungsschutzes. 74 Prozent befürworten höhere Abgaben auf fossile Brennstoffe.

Beim Thema Ethik überraschte das katholische «Kirchenpersonal» mit einer progressiven Haltung: 62 Prozent befürworten, dass gleichgeschlechtliche Paare Kinder adoptieren dürfen. Und 46 Prozent unterstützen den begleiteten Suizid, wenn jemand an einer unheilbaren Krankheit leidet.

«Nichts weiter als eine einseitige Wahlempfehlung»

Bei der CVP stösst die von «Horizonte»-Chefredaktor Andreas C. Müller durchgeführte Umfrage auf heftige Kritik. «Ich habe rund 30 Mails von empörten CVP-Mitgliedern von der Basis erhalten, ich wurde auch mehrmals persönlich auf den Text angesprochen», erklärt Marianne Binder, Präsidentin der CVP Aargau und Ständeratskandidatin.

Sie verstehe diese Empörung, sagte Binder, denn in der CVP gebe es seit je viele Menschen, die sich für die Kirche engagieren und die der Kirche trotz heftiger Kritik die Treue halten würden. Da sei es nicht nachvollziehbar, wenn die Mitarbeitenden der Kirche dann ausgerechnet auf diejenigen Parteien setzten, die kirchenkritisch sind. Für Binder steht ohnehin fest: «Die Umfrage ist nicht repräsentativ und nichts weiter als eine einseitige Wahlempfehlung.»

Vielleicht wünsche man sich ja von den Christdemokraten, dass sie vermehrt noch kirchliche Anliegen vertreten sollten, vermutet Binder, stellt dann aber klar: «Die CVP ist eine weltliche Partei und nicht die Kommunikationsabteilung des Vatikans.» Zudem entsprächen die Positionen der Aargauer Seelsorgenden in vielem exakt denjenigen der CVP.

Kritik kommt auch von SVP-Nationalratskandidat

Andreas C. Müller, Chefredaktor von «Horizonte», bestätigt auf Anfrage, dass die Umfrage nicht repräsentativ ist. «Aber es handelt sich keinesfalls um Wahlwerbung. Die Umfrage zeigt lediglich, dass kirchliche Mandatsträger im Aargau politisch eher links stehen.»

Auch auf der Redaktion von «Horizonte» habe man viele Reaktionen auf die Umfrage erhalten. So sei mehrfach kritisiert worden, dass das Pfarrblatt sich mit einem politischen Thema wie den Wahlen beschäftige.

Auch Clemens Hochreuter, SVP-Grossrat und Nationalratskandidat, stört sich daran, dass die politische Weltanschauung der Seelsorgenden stärker und offen propagiert werde – so wie es eben wieder in der Umfrage geschehen sei. «Bürgerliche und konservative Menschen werden so regelmässig vor den Kopf gestossen», kritisiert Hochreuter. Die Folge aus seiner Sicht: «Personen, die mit der linken Ideologie nichts anfangen können, verlassen vermehrt die Kirche.»

Autor

Jörg Meier

Jörg Meier

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