Die CVP Aargau wählt am Parteitag vom 20. Januar in Lenzburg einen neuen Präsidenten oder eine neue Präsidentin. Markus Zemp tritt nach vier Jahren in diesem Amt nicht mehr an. Eine Findungskommission unter Leitung von Fraktionschef Peter Voser spricht derzeit mit möglichen Kandidaten. Namen gibt Voser keine bekannt.

Kommt er denn selbst als Präsident infrage? Hätte er dies gewollt, antwortet Voser, hätte er schon vor vier Jahren antreten können. Er liess es damals offen, sagte schliesslich Nein. Voser heute: «Ich bin schon länger Fraktionschef, das möchte ich bleiben, also eher Nein.»

Im Idealfall aus der Fraktion

Welchen Kriterien soll der Neue oder die Neue denn genügen? Gesucht wird eine kantonal ausgerichtete Persönlichkeit, «im Idealfall jemand aus der Fraktion, oder jemand, der rasch in die Fraktion nachrutschen könnte», so Voser. Das Alter stehe nicht im Vordergrund. Der oder die Betreffende sollte aber bereit sein, länger im Amt zu sein als zwei Jahre, so Voser weiter. Vorausgesetzt werden Führungserfahrung, eine gute Vernetzung, Kenntnis der Abläufe. Für Gotteslohn scheint das aber nicht mehr machbar. Der jetzige Präsident hat eine minime Entschädigung und erhält eine Spesenvergütung. Voser erwartet, dass die Entschädigung bei den Gesprächen ein Thema wird.

Dieth: Zurzeit kein Thema

Wer könnte es denn sein? Ein Blick in die 19-köpfige Grossratsfraktion zeigt: Theo Voegtli und Franz Hollinger hatten das Amt schon mal inne. Mehrere Fraktionsmitglieder sind zugleich Gemeindeammänner. Das dürfte schwierig zu vereinbaren sein. Grossrat und Gemeindeammann Werner Müller gibt zu diesem Thema keine Auskunft und verweist auf die Findungskommission. Der Grossratspräsident 2015 und Vizepräsident der CVP Aargau, Markus Dieth, sagt: «Für mich ist das Präsidium der CVP Aargau zurzeit kein Thema. Ich denke auch, dass es mit der Ausübung des grossen öffentlichen Amtes als Gemeindeammann des grössten Dorfs im Aargau eher schwierig zu vereinbaren wäre – nicht von der Zeit her, sondern von vielleicht dann sich allfällig stellenden Fragen von Interessenkonflikten.»

Auch Susanne Voser ist Gemeindeammann (von Neuenhof), aber nicht Grossrätin. Sie erreichte bei den Nationalratswahlen auf der CVP-Liste Platz 7 und war massgeblich beteiligt, im Finanzausgleich für darbende Agglomerationsgemeinden eine deutlich bessere Behandlung zu erkämpfen. Sie macht auf Anfrage der az für ein allfälliges Interesse am Präsidium keine Aussage. Dasselbe gilt für CVP-Bildungsspezialist und Kantonalparteivorstandsmitglied Martin Steinacher, seit 2009 Grossrat. Er und auch Sabine Sutter-Suter, Präsidentin der CVP-Frauen, verweisen auf die Findungskommission.

Grossrat Ruedi Donat (er war Vierter auf der CVP-Nationalratsliste) hingegen würde diese Herausforderung grundsätzlich reizen, er steht aber nicht zur Verfügung: «Mit meinem Grossratsmandat sowie meiner Funktion als Gemeinderat in Wohlen und den damit verbundenen Turbulenzen wurde die Schwelle des zeitlich Machbaren bereits mehrmals überschritten.»

Ralf Bucher winkt ab

Eine Absage kommt von Grossrat Ralf Bucher. Er eroberte auf der Nationalratsliste im letzten Oktober den dritten Platz. Der 35-Jährige stünde für einen Generationenwechsel. Für ihn komme das Amt aber nicht infrage, sagt Bucher. Aus zeitlichen Gründen und weil sich die Funktion als Geschäftsführer des Bauernverbandes Aargau (BVA) und des CVP-Präsidiums nicht vereinbaren liesse. Unter den Grossräten sind auch zwei Spitaldirektoren: Marco Beng und René Huber, gleichzeitig OK-Präsident der Radsporttage Gippingen. Die beiden haben keine Ambitionen. Für Huber war es «aus zeitlichen Gründen nie ein Thema», auch Beng hat «aktuell keine Ambitionen für das Amt».

Marianne Binder: Interesse

Keine potenzielle Interessenskollision zum Beispiel wie ein Gemeindeammann hätte die hinter Ruth Humbel Zweitplatzierte auf der Aargauer CVP-Nationratsliste, Grossrätin und Parteileitungsmitglied Marianne Binder. Sie engagiert sich vorab in Bildungs- und Kulturpolitik, Familien-, Wirtschafts- und Staatspolitik. Sie ist eine kämpferische Natur mit viel Elan, hat beste Verbindungen nach Bern aus ihren acht Jahren als Kommunikationschefin der CVP Schweiz und als Präsidiumsmitglied der CVP Schweiz. Sollte der oft an Veranstaltungen der CVP Aargau gesehene Zuger Nationalrat Gerhard Pfister Präsident der CVP Schweiz werden, hätte Binder wohl erst recht einen guten Draht nach Bern. Sie sagt auf Anfrage der az, man habe «das Gespräch mit mir gesucht. Die Aufgabe interessiert mich, einfach ist sie sicher nicht».