Covid und Kinder
Regierungsrat ringt um richtige Teststrategie, unzufriedene Eltern stellen Forderungen

Hunderte von Kindern in Quarantäne, gleichzeitig aber viele Schüler, die sich nicht testen lassen. Entsprechend wächst der Unmut unter Eltern. Der Aargauer Regierungsrat überlegt sich nun, seine Teststrategie anzupassen.

Rolf Cavalli
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Die Regierungsräte Jean-Pierre Gallati und Alex Hürzeler überdenken die Covid-Teststrategie an Schulen. (Archivbild vom 20.10.2020)

Die Regierungsräte Jean-Pierre Gallati und Alex Hürzeler überdenken die Covid-Teststrategie an Schulen. (Archivbild vom 20.10.2020)

Severin Bigler

Eigentlich hatte der Regierungsrat für diesen Donnerstag eine Medienorientierung in Aussicht gestellt, an der Alex Hürzeler (Bildung) und Jean-Pierre Gallati (Gesundheit) über Neuigkeiten ihrer Pandemie-Strategie an den Aargauer Schulen informieren wollten. Doch nun hat er alles um eine Woche verschoben. Grund: Der Regierungsrat kam an seiner Sitzung vom Mittwoch noch nicht zu einem klaren Entscheid. Zu viele Fragen sind noch offen, die geklärt werden müssen. Die Ausgangslage ist brisant, die Regierung steht vor einer Weichenstellung.

Es gibt zwei Optionen.

Erstens: Der Aargau setzt weiter auf das repetitive Testen, also regelmässige, aber freiwillige Massentests an Schulen.

Oder zweitens: Der Aargau stellt um auf eine sogenannte Ausbruchsstrategie. Das hiesse, sich bei Tests auf Klassen zu fokussieren, wo bereits ein positiver Covid-Fall festgestellt wurde und so versuchen, die Ausbreitung im Keim zu ersticken.

Nach Informationen der AZ war der Regierungsrat nahe dran, seine repetitive Teststrategie über Bord zu werfen und sich auf fallbezogene Tests bei einem Covid-Ausbruch zu konzentrieren. Das wäre ein Eingeständnis, dass das repetitive Testen gescheitert wäre.

Nun scheinen aber wieder die Argumente für das repetitive Testen Oberwasser zu haben, nicht zuletzt nach Einbezug der Schulbehörden. Entschieden ist aber noch nichts, die Diskussion werde ergebnisoffen weitergeführt, heisst es.

Eltern fordern mehr Tempo beim Testen und Gleichbehandlung von Kindern

Fakt ist: So wie es jetzt läuft, kann es nicht weitergehen. Darin sind sich die Beteiligten einig. Das Test-Regime hat funktioniert, solange die Fallzahlen tief waren. Mit der Zunahme an Covid-Fällen an Schulen nach den Sommerferien stiess nicht nur das repetitive Testen an seine Grenzen; an den Anschlag kamen auch die betroffenen Lehrer, Schülerinnen und Schüler und vor allem die Eltern. Entsprechend steigt der Unmut.

Dieser manifestiert sich etwa in einer Petition, die «einige Eltern aus Lenzburg», wie sie sich selber bezeichnen, lanciert haben. Sie fordern in erster Linie, dass Schulschliessungen in Zukunft «mit allen erdenklichen Mitteln vermieden werden».

Dass es gerade bei Eltern in Lenzburg brodelt, kommt nicht von ungefähr: 61 Klassen mit 600 Schülerinnen und Schülern wurden dort nach den Sommerferien in Quarantäne gesetzt, nachdem aufgrund von Massentests Covid-Fälle zutage kamen.

Die Petition, die in den sozialen Medien schnell die Runde machte, richtet sich an die Regierungsräte Jean-Pierre Gallati und Alex Hürzeler sowie der kantonsärztliche Dienst und die Schulleitung der Primarschule Lenzburg. Bereits am Freitag soll die Petition übergeben werden.

Weiter fordern die Eltern:

– ein transparentes Testkonzept, das auch klar kommuniziert werde. «Über mögliche Konsequenzen der repetitiven Massentests möchten wir informiert sein», heisst es im Schreiben.

– auch seien Quarantänemassnahmen für Kinder im Primarschulalter insgesamt zu überdenken und es müsse garantiert sein, dass Kinder mit einem negativen Testergebnis spätestens nach sieben Tagen aus der Quarantäne entlassen werden.

– eine fehlerfreie Kommunikation zwischen dem Contact-Tracing-Center und den Eltern sei zu gewährleisten.

– sollte der Kanton an den repetitiven Tests festhalten, so seien die Testkapazitäten für Nachtests auszubauen.

– Bestimmungen für den Fall eines positiven Test-Pools in Klassen seien anzupassen: Die Nichtteilnahme soll wie ein positives Testergebnis gewertet werden, fordern die Petitionäre.

Druck soll erhöht werden: Testen oder Quarantäne

Der letzte Punkt ist wohl der brisanteste. Im Klartext heisst das: Wer bei einem freiwilligen Test an der Schule nicht mitmacht, soll präventiv in Quarantäne, sowie das testwillige Schüler mit einem positiv getesteten Fall in der Klasse auch tun.

Was intern zumindest diskutiert wird bei den Behörden: Lehrer sollen Kinder, die Symptome zeigen, heimschicken. Diese müssten dann in Quarantäne oder einen negativen Test vorweisen können, um wieder in die Schule zu kommen.

Viele finden es nämlich nicht nur fahrlässig, beim Testen zu kneifen, sondern auch ungerecht gegenüber den Testwilligen, die allenfalls gesund sind, aber wegen eines positiven Falles in der Klasse in Quarantäne müssen, während Ungetestete nicht behelligt werden.

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