Coronavirus
Viel mehr positive Tests in Aargauer Schulen als erwartet – Kanton prüft neuerliche Maskenpflicht

Weil an Aargauer Schulen massiv mehr Coronatests positiv ausfallen als erwartet, kommt es zu Verspätungen bei den wichtigen Nachtests. So gehen positiv Getestete ins Wochenende, ohne von ihrer Ansteckung zu wissen. Der Kanton reagiert nun.

Mark Walther und Muriel Daasch
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Corona-Spucktests in der Turnhalle an der Primarschule Dorf in Windisch.

Corona-Spucktests in der Turnhalle an der Primarschule Dorf in Windisch.

Severin Bigler (26. Mai 2021)

Im Aargau ist man von der Delta-Variante überrumpelt worden. Beim Team, das die repetitiven Tests durchführt, herrscht ein Engpass. «Wir waren auf mehr positive Proben vorbereitet, aber nicht auf derart viele», sagt Andreas Obrecht, Leiter des kantonalen Corona-Programms.

Diese Woche waren drei Prozent der so genannten Mischproben in Aargauer Schulen und Betrieben positiv – dreissig Mal mehr als vor den Sommerferien, wie das Departement Gesundheit und Soziales (DGS) in einer Mitteilung schreibt. Der Anstieg geht wesentlich von Ferienrückkehrern aus – rund jede dritte Infektion geht auf sie zurück.

Test-Teams des Kantons kommen nicht mehr nach

In der laufenden Woche enthielten bisher 42 Mischproben positive Proben, 39 davon in Schulen. Betroffen davon sind mehrere hundert Schülerinnen und Schüler.

Eine so genannte Mischprobe enthält jeweils bis zu zehn Proben. Enthält eine Mischprobe eine positive Probe, so werden die Schüler der betroffenen Klassen einzeln getestet. Wie viele Schüler sich effektiv angesteckt haben, lässt sich anhand der Mischproben nicht sagen.

Die Einzeltests führt das Testteam mit Unterstützung des Contact-Tracing-Centers durch. Angesichts der vielen positiven Proben kommt man allerdings mit der Arbeit nicht mehr nach. Insbesondere die Einzeltests sind davon betroffen.

Positiv Getestete gehen ohne Bescheid ins Wochenende

Die AZ stand am Freitag mit zwei Schulleitern in Kontakt, die auf solche Nachtests warteten. An der Primarschule in Hägglingen wiesen zwei Klassen positive Mischproben auf. Das Contact-Tracing sei informiert und Nachtests angefordert worden, bisher aber erfolglos, hiess es vonseiten der Schule.

An der Real- und Sekundarschule in Niederwil gab es in einer Klasse einen positiven Pooltest. Dieser fand am Dienstag statt. Die Einzeltests – um herauszufinden, wer positiv ist – fanden noch nicht statt. Das bedeutet: Die mindestens eine Person, die sich angesteckt hat, kann frühestens nächste Woche eruiert und isoliert werden – es sei denn, die Schüler liessen sich am Wochenende privat testen.

«Hatte gehofft, unser Kanton sei besser vorbereitet»

In einer Mitteilung an die Eltern, die der AZ vorliegt, erklärt der Schulleiter, die Schule sei nicht über eine Änderung beim Testen informiert worden. Demnach hatte die Schule die Einzeltests selbst schon gemacht. Sie konnten aber nicht eingeschickt werden, weil das kantonale Testteam die Nachtests neu selber durchführt. Sie waren also wertlos.

Der Unterricht in der betroffenen Klasse fand am Freitag online statt. «Ich hatte gehofft, dass unser Kanton mit den repetitiven Tests besser vorbereitet wäre», schreibt der Schulleiter den Eltern.

Um die sehr grosse Testanzahl bewältigen zu können, werden gemäss DGS nun auch Einzeltests in einem Testzentrum, in Apotheken und Arztpraxen durchgeführt. Einige Einzeltests hätten am Freitag in Schulen vor Ort stattgefunden.

Kommt die Maskenpflicht wieder?

Das Departement prüft nun, die Maskenpflicht wieder einzuführen – und zwar für ganze Schulen, wenn dort Ansteckungen bekannt werden. Der Entscheid wird laut Obrecht bald fallen. Die Schulen würden umgehend darüber informiert. Um die Nachuntersuchungen stemmen zu können, verstärkt das DGS das Testteam. Auch das Contact-Tracing leiste Unterstützung.

Das repetitive Testen wurde am Montag an 171 Schulstandorten und in wenigen Betrieben wieder aufgenommen. Bislang wurden 1422 Mischproben vorgenommen. Insgesamt liessen sich 11'280 Personen so testen. Das repetitive Testen funktioniere und sei weiterhin ein wichtiges Mittel der Pandemiebekämpfung, schreibt das DGS.

Am Dienstag hatte der Regierungsrat bekannt gegeben, dass in der ersten Schulwoche 209 Schülerinnen und Schüler sowie einige Lehrpersonen wegen eines positiven Coronatests krankgemeldet der Schule ferngeblieben waren. «Wir wollen normal Schule haben», sagte Michael Umbricht, Generalsekretär im Bildungsdepartement, am selben Tag an der Medienkonferenz der Regierung. Viele Schülerinnen und Schüler dürften sich das derzeit auch wünschen.

Ähnlicher Infektionsanstieg an Baselbieter Schulen

Auch Schulen in anderen Kantonen verzeichnen gehäuft Infektionen. Schon am ersten Schultag wurden an Baselbieter Schulen mithilfe der Pooltests einige positive Fälle entlarvt. Insgesamt waren 18 Pools positiv, wobei ein Pool einer Klasse entspricht. Wie viele Schüler und Schülerinnen aus den betroffenen Klassen tatsächlich vom Coronavirus betroffen sind, muss nun mittels Einzeltests festgestellt werden.

Laut dem Kanton Basel-Stadt machen die Ferienrückkehrer bis zu 35 Prozent der positiven Fälle der letzten Wochen aus. Eine gute Vorsichtsmassnahme wäre also gewesen, die Schüler bereits vor dem ersten Schultag einem Test zu unterziehen. So hätten die vielen Ansteckungen in der ersten Schulwoche zu einem grossen Teil vermieden werden können. Laut Roman Häring, Sprecher des Baselbieter Krisenstabs, wäre ein vom Kanton organisiertes Testen vor Schulbeginn jedoch mit enormem logistischem Aufwand verbunden gewesen.

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