Coronademo in Aarau
«Nein, das war kein gelungener Einsatz» – SP-Grossrätinnen kritisieren Polizeidirektor und Parteikollege Dieter Egli

Die Polizei versuchte am Samstag nicht, die illegale Demo der Coronaskeptiker in Aarau gewaltsam aufzulösen. Sie konnten kreuz und quer durch die Stadt marschieren. SP-Grossrätinnen kritisieren nun den Einsatz.

Raphael Karpf
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Nach der illegalen Demo in Aarau – 1500 Coronaskeptiker zogen am Samstag stundenlang ohne Bewilligung durch die Stadt – äussern sich nun verschiedene Politikerinnen zum Polizeieinsatz. Sie kritisieren, dass die Demonstranten trotz Demoverbot mehr oder weniger unbehelligt quer durch Aarau marschieren durften. Etwa Lelia Hunziker, SP-Grossrätin. Sie postete auf Twitter das Interview von SP-Polizeidirektor Dieter Egli, der gegenüber der AZ das Vorgehen der Polizei rechtfertigte.

Trotz fehlender Bewilligung strömten Hunderte nach Aarau, um gegen die Massnahmen zu protestieren.
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Die Polizei war mit einem Grossaufgebot vor Ort
Die Stimmung gegenüber der Polizei war zuweilen aggressiv.
Auch ABAZ-Sprecher Markus Häni war vor Ort.
Grosse Menschenansammlung beim Schlössli.
Die Demonstranten ziehen durch die Laurenzvorstadt
Polizisten hielten mehrere Skeptiker an.
Corona-Skeptiker bewegen sich bei einem nicht bewilligten Demonstrationsumzug gegen die Corona-Massnahmen und Maskenpflicht durch Aarau.
Der Demonstrationszug hat die rathausgasse erreicht.
DerZug geht Richtung Altstadt.
Protestierende stellen sich der Polizei in den Weg.
Die Polizei steht im Grosseinsatz und bekommt Unterstützung von Basel.
Über hundert Menschen versammelten sich in Aarau.
Die Polizei wird vn Protestierenden angegangen.
Es werden mehr Leute.
Hier war es noch ruhig. Fast mehr Polizisten als Passierende.
Die Polizei kontrollierte am Morgen alle Zufahrtsstrassen nach Aarau.

Trotz fehlender Bewilligung strömten Hunderte nach Aarau, um gegen die Massnahmen zu protestieren.

Raphael Huenerfauth

Bei solchen Anlässen müsse immer abgewogen werden, sagte Egli. Auf der einen Seite sollen illegale Kundgebungen möglichst verhindert oder zumindest eingeschränkt werden. Auf der anderen Seite hätte die Gewalt durch Polizei nur Gegengewalt ausgelöst – mit Folgen für die Polizisten und Polizistinnen, die Passanten und die Stadt.

Und Egli gab offen zu: «Wenn sich genügend Leute versammeln, haben sie eine gewisse Macht. Dort kann der Staat nur beschränkt eingreifen.»

Die Kapo Aargau zog in einer ersten Mitteilung ein positives Fazit. Zwar hätte man sich gewünscht, dass gar niemand das Demoverbot missachtet hätte. Aber in Anbetracht der Umstände sei man mit dem Ergebnis einigermassen zufrieden.

Das will Hunziker nicht gelten lassen. «Der Einsatz war gross, nicht gut», schreibt sie. Und weiter: «Man macht, was man will. Ohne Halt und Stop. Aarauer:innen wurden angegriffen und das Leben liegt lahm. Von Kleinstadt zu Kleinstadt. Wieder und Wieder!»

Auch Silvia Dell'Aquila äusserte sich in den Sozialen Medien. Die SP-Grossrätin und Aarauer Stadtratskandidatin schreibt auf Facebook: «Manch Aarauer:in fragt sich, wie es möglich sein konnte, dass diese Leute mehrere Stunden durch die Stadt ziehen konnten, trotz des massiven Polizeiaufgebots.» Und weiter: «Und wozu ein solches Polizeiaufgebot, wenn man nicht einmal eine unbewilligte Demo mit einer eher kleinen Anzahl (1500 waren nicht die 5000 bis 8000, von denen man ursprünglich sprach) Teilnehmenden stoppen kann, was aus Sicht vieler an verschiedenen Stellen möglich gewesen wäre.» Auch sie kritisiert ihren Parteikollegen und Polizeidirektor Egli:

«Nein, das war kein gelungener Einsatz, Dieter Egli.»