Strassenumfrage
Corona-Virus: Das sagen Aargauerinnen und Aargauer zum Notstand – und so trifft er sie

Bei einer Umfrage in Baden und Aarau zeigt sich: Niemand entgeht der Corona-Krise, alle sind in einer Form der drastischen Massnahmen betroffen.

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Fabio Baranzini/Sandra Ardizzone

Robin Winterberg, 18, Coiffeur, aus Muri: «4 Wochen sind eine lange Zeit»

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Unser Coiffeurgeschäft bleibt ab heute zu. Einerseits finde ich das gut, weil die Ansteckungsgefahr reduziert wird. Andererseits sind vier Wochen schon eine lange Zeit. Das schränkt den Alltag ein. Ich weiss auch noch nicht, was das Ganze für meine Lehrabschlussprüfung bedeutet. Diese hätte am 27. April stattgefunden. Von der Berufsschule bekommen wir Aufgaben, die wir zuhause bearbeiten können.

Jaciara Järmann, 49, Verkäuferin, aus Kirchdorf: «Ich kann heute nicht arbeiten»

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Ich arbeite in der Bijouterie im Manor. Wir haben ab heute zu. Ich bin gespannt, wie es nun weitergeht. Ich mache mir schon Sorgen wegen der Situation, habe aber keine Angst. Den Entscheid des Bundesrates finde ich gut. Entweder soll man es richtig machen oder gar nicht. Am Montag hat man es im Manor gemerkt, dass die Schulen zu waren. Es hatte viel mehr Schüler als normal.

Aran Ahmadkhani, 16, Schüler, Ennetbaden: «Kollegen dürfen nicht mehr raus»

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Am Freitag habe ich mich gefreut, dass die Schule geschlossen wird. Es ist ein bisschen wie Ferien. Aber es ist auch nicht ganz einfach, weil man nicht viel tun kann. Jetzt sowieso, wenn alles zu geht. Da kann man nicht mehr dort sein, wo man gerne wären. Aber es ist auch gut, weil dann weniger Leute nahe beieinander sind. Ich habe Kollegen, die nun nicht mehr raus dürfen, weil es ihre Eltern verbieten.

Erich und Petra De Boni (49/48), Techniker/Supply Chain, Baden: «Wir arbeiten im Homeoffice»

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Der Bundesrat hat richtig entschieden. Die Fallzahlen steigen jetzt rasch an. Deshalb ist es wichtig, alles etwas herunterzufahren, damit die Leute nicht mehr so nahe beieinander sind. So kann der Peak hoffentlich reduziert werden. Ob man es schon früher hätte tun sollen, ist schwer zu sagen. Wir sind beide in der glücklichen Lage, dass wir von Zuhause aus arbeiten können.

Aline Baumgartner und Natalie Bächli, 16, Schülerinnen, Untersiggenthal/Tegerfelden: «Das Ganze ist ein Experiment»

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Seit gestern haben wir Fernunterricht. In manchen Fächern gibt es Videokonferenzen. Gewisse Programme funktionieren aber noch nicht oder sind überlastet. Wir betrachten das Ganze als Experiment, das auch Vorteile hat. Wenn der Schulweg wegfällt, muss man zum Beispiel weniger früh aufstehen. Und man hat mehr Freizeit, wenn man für gewisse Aufgaben weniger lange braucht, als der Lehrer meint.

Angela Glumac Kolovrat, 74, pens. Pharmazeutin, Baden: «Ich habe genug Bücher zuhause»

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Es ist besser, die Verbreitung das Virus zu stoppen, als die Menschen heilen zu müssen. Ausserdem sind die Lebensmittelläden und Apotheken weiterhin offen. Ich habe genug Bücher zuhause und informiere mich über die Aktualität in der Zeitung. Bars und Discos besuche ich sowieso nicht. Ich werde auch weiterhin jeden Tag draussen spazieren gehen. Einkaufen können mein Enkel und mein Sohn für mich.

Alessandro Crivaro, 43, aus Aarau, Geschäftsführer Gastrobros: «Wir können die Löhne bezahlen»

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Wir hatten bereits einen Krisenstab gebildet und Szenarien für unsere Restaurants überlegt, sollte die Schliessung eintreffen. Wir finden es gut, denn für ein Restaurant ist die Erhaltung von Dienstleistung und Qualität bei der Hälfte der Gäste schwieriger. Wir sind liquid und können unsere Löhne ohne Umsatz zwei Monate lang bezahlen. Dazu haben wir übers Wochenende einen Online-Bestellservice für unseren Burger aufgebaut.

Elisabeth Hüppi, 61, aus Buchs, Pflegefachfrau: «Es ist wichtig und richtig»

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Ich finde die Massnahme des Bundes wichtig und richtig, auch wenn es jetzt einigen stinken wird. Ich arbeite in einem Altersheim und man muss sich bewusst sein, wo man sich aufhält und dass dies eine Gefahr für andere bedeuten kann. Wenn sich das Personal ausserhalb der Arbeit an solchen öffentlichen Orten aufhält, kann es auf diese Weise die Bewohner gefährden.

Agnesa Gashi, 21, aus Oberentfelden, Pflegefachfrau: «Die Massnahme trifft mich hart»

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Die Massnahmen treffen mich persönlich hart, denn ich arbeite in der Psychiatrie und man braucht einen Ausgleich zu dieser Arbeit. Man kann sich so keine Auszeit mehr nehmen. Diese Notlage hätte man meiner Meinung nach vorbeugend auch früher machen können. Jetzt kommen diese harten Massnahmen alle aufs Mal, das ist frustrierend.

Hakan Menekse, 47, aus Aarau, Bistro Brotkorb Aarau: «Gesundheit ist das Wichtigste»

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Es ist eine Entscheidung, die mich erschüttert. Ich hatte mir darüber keine Gedanken gemacht. Für das Geschäft ist es schlimm. Aber es ist eine Schutzmassnahme, die richtig ist. Wenn alle mitmachen, ist das Ziel erreicht. Es wird schwierig, wenn man sich nicht mehr treffen kann. Aber die Gesundheit ist das Wichtigste. Man muss jetzt solidarisch sein.

Lean und Sabrina Lüthi, aus Aarau, Mitarbeiterin Marketing: «Ein Pilotprojekt für uns alle»

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Ich habe gespaltene Gefühle. Für uns Gesunde ist es einfach, es locker zu nehmen. Andererseits ist meine Mutter Risikopatientin. Hat man jemanden in der Familie, der keine zweite Chance hat, muss man es ernst nehmen. Es ist besser, dass der Bund mit dem Notstand reagiert hat, auch wenn es auf den ersten Moment übertrieben scheinen kann. Es ist eine Situation, die es so noch nie gab. Ein Pilotprojekt für uns alle.

Launora Gashi, 21, aus Oberentfelden, Pflegefachfrau: «Notstand führt zur Isolation»

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Ich finde den Notstand ein Stück weit gut, weil auf diese Weise die älteren und schwächeren Menschen geschützt werden. Für uns, die wir in der Pflege arbeiten und Überstunden machen, gibt es am Abend aber nichts mehr zu unternehmen. Der Notstand führt zur Isolation, zur Abgrenzung von der Familie, was für die psychische Gesundheit eines Menschen auch schwierig ist.