Pandemie-Podium

Corona-Leugner tritt in Aarau zusammen mit Aargauer Nationalräten auf

Samuel Eckert sieht sich als Teil des "Corona-Widerstandes".

Samuel Eckert sieht sich als Teil des "Corona-Widerstandes".

Die für nächsten Freitag geplante Podiumsdiskussion in Aarau «Pro und Contra Corona-Pandemie» gibt schon im Vorfeld zu reden. Neben Regierungsrat Jean-Pierre Gallati und fünf Nationalräten treten nicht nur Corona-skeptische Komplementärmediziner und Impfgegner, sondern auch ein in Deutschland aktiver Verschwörungstheoretiker auf.

Die Bühne nächsten Freitag auf dem Schlossplatz in Aarau wird für Samuel Eckert etwas kleiner sein als noch am 1. August an der Anti-Corona-Demonstration in Berlin. Dort waren gegen 20 000 Teilnehmende (die Veranstalter behaupteten 1,3 Millionen).

Eckert, ein in der Schweiz wohnhafter Deutscher, ist eines der Gesichter des selbsternannten «Corona-Widerstandes» und eben jetzt auch einer der Podiumsteilnehmer des Aarauer Anlasses mit dem Titel «Pro und Kontra zur Corona-Pandemie und ihre Massnahmen».

Organisiert wird die öffentliche Veranstaltung (ab 18 Uhr) von Theres Schöni. Sie ist der Kopf der «Lösungs-Orientierten Volks-Bewegung», kurz LOVB, mit der sie regelmässig zu Wahlen antritt, so auch im Herbst bei den Grossratswahlen. Schöni, beruflich Mental­coach und Lebensberaterin im Freiamt, betont, sie mache das Corona-Podium als Privatperson. Auch die Moderation übernimmt sie gleich selbst. Keine einfache Aufgabe, hat sie doch gleich ein Dutzend Redner eingeladen. Ihr sei der Dialog wichtig, sagt Schöni, es sollen alle Seiten zu Wort kommen.

Man kann die Gäste grob in zwei Gruppen einteilen: die Vertreter der Politik und die ­Corona-Skeptiker.

Dabei sind die Nationalräte Mat­thias Jauslin (FDP), Ruth Humbel (CVP), Lilian Studer (EVP), Thomas Burgherr (SVP) und Beat Jans (SP, Basel-Stadt) sowie der Epidemiologe Marcel Tanner von der Corona-Taskforce des Bundes. Zudem wurde Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati für eine Ansprache angefragt.

Von Ghandi bis Bibel und 9/11

Die Namen der Corona-Skeptiker sind mehrheitlich weniger geläufig: ­Simon Feldhaus, deutscher Komplementärmediziner aus Baar. Er lehnt ­Corona-Impfungen und die Corona-­App ab und beklagt: Wer zu Covid kritische Fragen stelle, werde denunziert. Weiter dabei sind: Rainer Schregel, deutscher Arzt aus Wattwil SG, der auf Facebook vor allem Anti-Corona-Links veröffentlicht, der Heilpraktiker und Internist Björn Riggenbach aus Neuenburg und ein Jurist namens Philipp Kruse aus Oberrieden ZH.

Auf der Einladungsliste heraus sticht aber eben Samuel Eckert. Auf seinem Youtube-Kanal mit 69 400 Abonnenten finden sich Dutzende Interviews und Reden zu Corona. Eckerts Botschaft: Die Menschen würden belogen. Er will mit «Wahrheit und Liebe» gegen die Informationen der Behörden ankämpfen.

"Eine Macht im Hintergrund". Samuel Eckert sieht eine Verschwörung hinter den offiziellen Corona-Informationen.

"Eine Macht im Hintergrund". Samuel Eckert sieht eine Verschwörung hinter den offiziellen Corona-Informationen.

Er sieht sich als Teil einer Bewegung, bezieht sich mal auf Ghandi, mal auf die Bibel. Eckert redet ohne Punkt und Komma. Konkret sind seine Aussagen über lange Strecken nicht, doch zwischendrin wird er deutlich: Für Eckert ist die offizielle Corona-Information «vorsätzlicher Betrug», Ansteckung nichts weiter als «eine Hypo­these». Überhaupt seien Viren einfach eine Theorie; für die Existenz von ­Corona-Viren gebe es keine Beweise.

Bis hierhin könnte man Eckert als  Corona-Skeptiker bezeichnen. Nun sagt der 38-Jährige, der sich als Christ, Unternehmer und «glücklich verheiratet» vorstellt, aber auch Dinge, die man sogenannten Verschwörungstheorien zuordnen kann: Eckert spricht von einer «Macht im Hintergrund», zieht Vergleiche zu 9/11, dessen offizielle Darstellung er bezweifelt. Er warnt vor einer neuen Weltordnung, welche die Mächtigen vorbereiteten und Menschen wie er schon bald mit Repressalien rechnen müssten.

Verschwörungsbewegung «QAnon» hat Zulauf dank Corona

Entsprechend tauchen Samuel Eckerts Videos auch auf einer deutschsprachigen Website der obskuren US-Bewegung «QAnon» auf. Deren Anhänger glauben an eine geheime Elite, die mit einem «Deep State» (Schattenstaat) im Untergrund die Welt regiere und Kinder entführe. Mit Beginn der Coronakrise habe diese Bewegung viel Zulauf bekommen, schreibt die NZZ. Auch die Behauptung, Bill Gates stecke hinter Corona, führt zu «QAnon».

In einem der vielen Interviews mit Alternativmedien sagt Eckert: «Es wird schwer für uns.» Vorerst darf man gespannt sein, wie schwer es für ihn bei der Podiumsdiskussion in Aarau wird – oder für seine Gegner, die gewählten Politiker, die zwar oft auch nicht gleicher Meinung sind im Umgang mit ­Corona, aber zumindest davon ausgehen, dass das Covid-19-Virus existiert.

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