Corona-Kontrollen
Soll der Aargau die Schutzkonzepte von Läden oder Coiffeursalons häufiger kontrollieren?

Ja, es brauche mehr Kontrollen und zwar unabhängig von Corona, findet Selina Egger, Geschäftsführerin des Gewerkschaftsdachverbands Arbeit Aargau. Nein, es reiche, bei Hinweisen auf Missstände hinzuschauen, sagt Claudio Erdin, stellvertretender Geschäftsleiter des Gewerbeverbands.

Noemi Lea Landolt
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Coiffeursalons sind offen, brauchen aber – wie Restaurants, Banken oder Läden – ein Schutzkonzept.

Coiffeursalons sind offen, brauchen aber – wie Restaurants, Banken oder Läden – ein Schutzkonzept.

Donato Caspari

Seit Mitte Juli ist in Aargauer Läden, Restaurants, Coiffeursalons oder Banken 683-mal kontrolliert worden, ob Corona-Schutzkonzepte umgesetzt werden. Andere Kantone erreichen diesen Wert in einer Woche.

Das zuständige Departement Volkswirtschaft und Inneres teilte mit, im Aargau werde nicht flächendeckend möglichst viel kontrolliert, sondern gezielt. Ausserdem liessen sich die Kantone nicht so leicht vergleichen.

Ob die Kontrollen genügen, darüber gehen die Meinungen auseinander. Claudio Erdin, stellvertretender Geschäftsleiter des Aargauischen Gewerbeverbands, begrüsst, dass wenig kontrolliert wird.

Er erlebe das Aargauer Gewerbe sehr diszipliniert. «Es wurde viel Zeit und Geld in gute Schutzkonzepte investiert.» Flächendeckende Kontrollen brauche es deshalb nicht. Erdin sagt:

«Anstatt möglichst viele Stichproben zu machen, sollen die Kontrolleure ihre Ressourcen dort einsetzen, wo es Hinweise auf Missstände gibt.»

Schwarze Schafe müssten entlarvt und bestraft werden. «Aber deswegen braucht es keine zusätzlichen Kontrollen.»

Erdin verweist auf die Mängelquote. Bei den kontrollierten Restaurants im Aargau hätten die Kontrolleure beispielsweise nur in 18,5 Prozent der Fälle etwas zu bemängeln gehabt. «Das zeigt, dass ein grosser Teil der Betriebe über funktionierende Schutzkonzepte verfügt und diese auch umsetzt.»

So oft wurden im Aargau die Schutzkonzepte kontrolliert

13.7.2020 bis 14.2.2021
Anzahl Kontrollen
Festgestellte Mängel
0100200300400RestaurationsbetriebeNachtlokaleBeherbergungsbetriebeIndoor- und FreizeitbetriebeEinkaufslädenVeranstaltungenÜbrige Betriebe

Ausserdem erlaube die Statistik keine Hinweise auf die «Schwere der Vergehen».

Selina Egger, Geschäftsführerin Arbeit Aargau

Selina Egger, Geschäftsführerin Arbeit Aargau

Britta Gut

Selina Egger, Geschäftsführerin des Gewerkschaftsdachverbands Arbeit Aargau, beurteilt die Situation anders. Es werde zu wenig kontrolliert und das nicht erst seit Corona.

Seit dem Ausbruch der Pandemie sei das Thema des Gesundheitsschutzes am Arbeitsplatz einfach vermehrt in den Diskussionsfokus gerückt. Egger sagt:

«Es sollte selbstverständlich sein, dass die Arbeitgebenden ihren Arbeitnehmenden einen sicheren Arbeitsplatz bieten müssen – jetzt erst recht.»

Im Zusammenhang mit der Pandemie fände sie es sinnvoll, auch in der Bau-, Industrie- und Technologiebranche mehr Kontrollen durchzuführen.

Mehr personelle Ressourcen für Arbeitsplatzkontrollen

Unabhängig davon müssten die Stellenprozente für Arbeitsplatzkontrollen dringend aufgestockt werden. Selina Egger verweist auf eine Studie der internationalen Arbeitsorganisation, wonach im Aargau über 2000 Stellenprozente fehlen, um die Ziele betreffend Arbeitsaufsicht in Gewerbe und Handel zu erreichen.

Im Grossen Rat ist ein Postulat der Grossrätinnen Lelia Hunziker und Silvia Dell’ Aquila (beide SP) und Andre Rotzetter (CVP) zum Thema hängig. Sie fordern den Regierungsrat auf, die personelle Dotierung des kantonalen Arbeitsinspektorats zu überprüfen. Bei einer festgestellten Unterdotierung soll der Regierungsrat eine Anpassung des Stellenplans vornehmen.

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