Bei Aargauer Jugendlichen sind negative Einstellungen und diskriminierendes Verhalten gegenüber Schwulen weit verbreitet. Florian Vock erstaunen die Resultate der aktuellen Untersuchung  nicht. «Bei Jugendlichen – wie in der restlichen Gesellschaft – sind Vorurteile weit verbreitet», sagt der SP-Grossrat und Gewerkschaftspräsident.

«Aber es handelt sich oft noch nicht um tief verankerte Werte.» Er erlebe Jugendliche als interessiert. «Sie können ihre Vorurteile gut reflektieren, wenn ihnen die Möglichkeit dazu gegeben wird.» Deshalb sei es wichtig, dass sich die Gesellschaft mit dem Lebensalltag von Anderssexuellen und Transmenschen auseinandersetze.

«Es wird nicht einfach besser»

Noch ist die Situation für sie nämlich alles andere als gut, wie ein Blick in die Statistik zeigt: Jugendliche, die homo- oder bisexuell sind, haben eine fünfmal höhere Suizidversuchsrate als gleichaltrige Heterosexuelle. Die eigene Sexualität, das Sich-bewusst-Werden, dass man anders ist, dass man als Mann auf Männer, als Frau auf Frauen steht, ist belastend. In einem Umfeld, in dem das Thema keinen Platz hat, werden anderssexuelle Jugendliche allein gelassen. Die psychische Gesundheit leidet, Depressionen sind häufig.

Dass es einfach Zeit braucht, um die Situation für Anderssexuelle zu verbessern, glaubt Vock nicht. «Es wird nicht einfach so besser. Aber, und das ist die gute Nachricht, man kann etwas dafür machen.» Aus diesem Satz spricht der Macher. Vock ist nicht nur Politiker, sondern bezeichnet sich selbst als LGBT-Aktivist. Die Abkürzung LGBT steht für Lesbian, Gay, Bisexual und Transgender; also Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transmenschen.

Als Mitgründer der Milchjugend, einer Organisation für lesbische, schwule, transgender, bi- und asexuelle Jugendliche, setzt sich Florian Vock für Anderssexuelle ein. «Etwas ändern können wir, wenn wir LGBT-Jugendliche stärken.» Die Milchjugend schaffe Räume, um Kontakt und Austausch zwischen Jugendlichen zu ermöglichen und sie in ihrer Selbstfindung zu unterstützen. Das habe auf die Gesellschaft und das Umfeld der jungen Menschen die stärkste und nachhaltigste Wirkung.

Über eigene negative und diskriminierende Erfahrungen als schwuler Mann möchte Vock nicht sprechen. Er sagt aber, die Ängste der jungen Männer seien ähnlich: «Ein schwuler Mann erlebt Ignoranz, Aggression und Gewalt von Heteros, wenn er sich outet.» Sich als anderssexuell in einer Klasse zu outen, sei ein Kraftakt für Jugendliche.

«Aber wenn jemand selbstbewusst vor seine Mitschülerinnen und Mitschüler steht, lässt sie das sicher nicht kalt.» Und wenn es mal gesagt sei, man dabei selbstbewusst und cool bleiben könne, verbessere sich die Situation danach oft merklich. Dass Gegenstände oder Menschen als «schwul» bezeichnet werden, werde nach einem Outing seltener oder höre auf. Sobald schwul, trans oder lesbisch sein die Welt der Jugendlichen betreffe, ihr Umfeld oder den Sitznachbarn, würden Vorurteile abgebaut.

«Der Unterricht ist miserabel»

Sensibilisieren könnten auch Lehrerinnen und Lehrer. Aber in den Schulen werde das Thema kaum oder falsch behandelt, findet Florian Vock. «Die Unterrichtsqualität ist miserabel. Wer eine gute Lehrperson hat, kriegt die nötige Unterstützung.

Alle anderen: Pech gehabt.» Das Aargauer Bildungsdepartement ziehe sich in dieser Sache einfach zurück. «Obwohl die Suizidversuchsraten einen klaren Handlungsbedarf anzeigen.» Im Aargau gebe es ausserdem keine kantonale Anlaufstelle für anderssexuelle Jugendliche. «Auch die Milchjugend erhält keine regelmässige finanzielle Unterstützung vom Kanton, so der SP-Grossrat. Die Aktivitäten der Organisation würden aus Mitgliederbeiträgen, Spenden sowie Beiträgen von privaten und öffentlichen Stellen finanziert.

Deshalb setzt Florian Vock weiterhin auf LGBT-Jugendliche als starke Partner, die gemeinsam eine Verbesserung der Situation im Aargau und in der Schweiz erreichen können.