Der Regen prasselt nieder in Glashütten. Etwa so, wie die Kritik am aktuellen Wahlplakat der SVP, auf dem diese die anderen Parteien als Maden karikiert. Das Diskussions-Thema am Apéro des SVP-Ehemaligen-Treffens auf dem Hof von Walter und Christian Glur ist gesetzt. Die Maden geben zu reden. Als der aktuelle Aargauer SVP-Präsident Thomas Burgherr dazustösst, sagt er gleich: «Das hätten wir nicht gebraucht im Aargau, wir haben wichtige Regierungsrats- und Ständeratswahlen.»

Christoph Blocher hingegen klopft dem nationalen Parteipräsidenten Albert Rösti auf die Schulter. Er ist sehr zufrieden mit dem unappetitlichen Wahlkampf-Sujet: «Das Plakat ist eine Punktlandung.» Es bringe die Sache auf den Punkt, sagt der zum «Zofinger Tagblatt». Die Schweiz werde ja zerfressen. «Wenn andere über den Stil sprechen, ist das gut.» Denn der Inhalt beisse ja.

«... dann muss man das auch ‹grusig› darstellen»

Die aktuelle Diskussion, wonach das Maden-Sujet stark an Propaganda aus der Nazi-Zeit erinnert, kümmert Blocher wenig. Auf die Frage, ob man Gegner als Maden darstellen dürfe, sagt Blocher nur: «Wenn jemand etwas ‹Grusiges› macht, dann muss man das ‹grusig› darstellen.» Und die Schweiz kaputt zu machen, sei ja «grusig».

Adolf Ogi, der zweite anwesende Alt-Bundesrat, will sich nicht zum neusten Plakat äussern. «Aber die Wahlen werden für die SVP schwierig», sagt er. Der Zeitgeist sei nicht auf Seiten der SVP. «Die Sympathien fliegen in eine andere Richtung.» Leider sei es bis jetzt nicht möglich gewesen, das aufzufangen. «Als Kandersteger sehe ich, wie die Gletscher schmelzen und weiss, was uns die Natur bedeutet.» Aber den Leuten müsse bewusst werden, was all die Klima-Massnahmen kosten werden.

«Ich dachte, die Älteren seien kritischer»

Parteipräsident Rösti sagt trotz der kontroversen Diskussion unter den ehemaligen SVP-Amtsträgern: «Für die Mobilisierung der Wähler ist es wichtig, dass man die Leute aufrüttelt.» Er habe auch von den Ehemaligen weitgehend positive Rückmeldungen erhalten, behauptet er. «Ich dachte, die Älteren seien kritischer.»

Am Ehemaligen-Treffen wird aber nicht nur über aktuelle Plakate, sondern auch über alte Zeiten diskutiert. Und Gastgeber Walter Glur erzählt, wie glücklich er war, dass die Wahl für das diesjährige Treffen auf den Aargau fiel. Doch etwas mulmiger wurde es ihm, als er den Präsidenten fragte, wer denn jeweils zahle. Die Einladungen bei Spuhler oder Blocher auf der Insel Mainau habe man jeweils gerne angenommen, sagt Glur in seiner Rede. «Ja, der weiss ja nicht wohin mit dem Geld», wirft Blocher ein und lacht laut heraus. Glur fand dann eine Lösung. Er selber spendiert den Apéro, Alt-Regierungsrat Ernst Hasler das Mittagessen.

Doch zuerst geht es auf die Betriebsführung mit Bauer Christian Glur. Dieser erklärt dem aufmerksamen Zuhörer Blocher ausführlich die Rinder-Mast. Und am Ende des Rundgangs fachsimpeln sie über echtes Unternehmertum. Es bräuchte eigentlich keine Direktzahlungen, findet Glur. «An denen sind wir mit der SVP aber mitschuldig», sagt Blocher ehrlich. 

Gutes Futter und ruhige Tiere

Interessiert sind auch andere Alt-Nationalräte. Der ehemalige Zürcher Nationalrat und Milchbauer Max Binder nimmt im Stall eine Handvoll Futter aus dem Trog, riecht fachmännisch daran und meint: «Das ist sehr gutes Futter, die Maiskerne sind aufgeschlossen.» Und den Tieren sei es hier drinnen sichtlich wohl. «Die werden nicht mal nervös, wenn so viele Politiker durch den Stall laufen.» Zum Wahlplakat sagt Binder: «Es trifft inhaltlich den Kern.» Und ein Plakat müsse provozieren. «Aber man hätte das Ganze vielleicht auch anders darstellen können.»