Musikunterricht
Christine Egerszegi drohte mit Austritt aus der FDP Aargau

Die Aargauer Ständerätin Christine Egerszegi drohte mit einem Austritt aus der Kantonalpartei, sollte diese die Musik-Initiative nicht unterstützen. Nein gesagt hatte zuvor bereits die nationale Mutterpartei. Die Drohung zeigt Wirkung.

Hans Lüthi
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Christine Egerszegi will die Jugendmusik fördern: Ja-Parole im Aargau, Nein der FDP Schweiz.

Christine Egerszegi will die Jugendmusik fördern: Ja-Parole im Aargau, Nein der FDP Schweiz.

Keystone

Heisser Parteitag der FDP Aargau in Eiken, im doppelten Sinne des Wortes. Im voll besetzten Saal des Gasthofes Weisses Rössli waren es gefühlte über dreissig Grad, die Männer schwitzten vor sich hin, die Frauen fächerten sich mit der Einladung oder dem Abstimmungsbüchlein vermeintlich kühlere Luft zu.

Inhaltlich verlief alles in Minne, von Misstönen und Disharmonien im Vorfeld war überhaupt nichts zu spüren. Die Änderungen von Pflegegesetz und Steuergesetz im Kanton wurden einstimmig und fast diskussionslos genehmigt. Beim Gegenvorschlag zur Jugendmusik-Initiative merkten viele Freisinnige nicht, was auf dem Spiel stand. Dank überzeugender Argumente von Ständerätin Christine Egerszegi und Parteipräsident Thierry Burkart gab es ein überwältigendes Ja, bei nur zwei Nein und zwei Enthaltungen.

Drohung mit Partei-Austritt

Die Vollblutpolitikerin hat sich die Förderung der Jugendmusik auf die Fahne geschrieben und sieben Jahre lang hart dafür gekämpft. Entsprechend tief sitzt ihr Frust, weil die eigene Partei, die FDP Schweiz, die Musikvorlage nicht unterstützt. Das bezeichnete die Ständerätin im Vorfeld als «gschämig», die FDP habe «eine Chance verpasst und politisiere völlig an der Bevölkerung vorbei».

Im Vorfeld macht Ergerszegi klar, was ein Nein im Aargau bedeutete. So sagte sie an einer Politrunde am Badener Stadtfest, dass sie bei einem Nein der Kantonalpartei den Austritt gäbe. Inhaltlich ähnlich äusserte sie sich gegenüber dem «Winterthurer Landboten»: «Dann würde ich wohl als parteilose Ständerätin weiterarbeiten», sagte sie auf ein mögliches Nein der Kantonalpartei. Der brisante Zeitungsausschnitt mit der Drohung wurde auch dem Aargauer FDP-Präsidenten Thierry Burkart zugestellt. «Zu mir persönlich hat Christine Egerszegi nichts gesagt, aber für uns war immer klar, dass wir den Gegenvorschlag voll unterstützen würden», betont Burkart. Für eine direkte Stellungnahme war Egerszegi gestern nicht erreichbar.

Positiver Einfluss der Musik

Mit der Aargauer Partei scheint das Verhältnis nach der überzeugenden Unterstützung wieder in Ordnung. Aber dass die Mutterpartei ihr Herzensanliegen mit Füssen getreten hat, wird Egerszegi kaum so schnell vergessen. «Die Frage, ob sie auch heute noch der FDP beitreten würde, möchte Christine Egerszegi lieber nicht beantworten», liess sie sich im «Tages-Anzeiger» zitieren.

Als ehemalige Leiterin einer Musikschule weiss sie um den positiven Einfluss der Musik auf die Jugend. «Dazu gehören Fleiss, Durchhaltewillen, sicheres Auftreten, Integration und Teamfähigkeit», lobte die Ständerätin. Auch die Politik könnte von der Musik lernen, denn es sei viel schwieriger, leise Töne zu halten.

Voller Elan in Richtung Wahlen

«Ohne die Herbstferien geht es noch sechs Wochen bis zu den Wahlen», rechnete Thierry Burkart vor. Mit Blick auf den 21. Oktober strotzte der FDP-Präsident vor Optimismus, «nach schwierigen Jahren haben wir Energie getankt, sind voller Elan und spüren den Aufschwung». Zu den Pfeilern des Freisinns gehöre eine gesunde Finanzpolitik, mehr Sicherheit und eine kluge Einwanderungspolitik. «Die Freisinnigen haben die besten und glaubwürdigsten Köpfe», behauptete Burkart keck. «Die Partei für Wachstum, Wohlstand und Lebensqualität will um ein bis zwei Prozentpunkte zulegen», heisst das Ziel.

Deutliches Nein zum Rauchverbot

Rauchverbote in Ehren, aber die Initiative «Schutz vor Passivrauchen» sei viel zu radikal und eine Zwängerei, warnte Nationalrätin Corina Eichenberger. In allen öffentlichen Lokalen, aber auch im privaten Büro oder in der Kabine jedes Lastwagens dürfte nicht mehr geraucht werden. Dem Aufruf zur Nein-Parole folgte die grosse Mehrheit, bei sieben Ja und einer Enthaltung.