Rothrist
Christina Koenig vor der Pfarrerwahl: «Ich bin mir keiner Fehler bewusst»

Ein anonymes Komitee will die Wahl von Christina Koenig verhindern – nun nimmt die reformierte Pfarrerin Stellung.

Katrin Freiburghaus
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Die 52-jährige Christina Koenig stellt sich am nächsten Sonntag zur Pfarrwahl in der reformierten Kirche in Rothrist.

Die 52-jährige Christina Koenig stellt sich am nächsten Sonntag zur Pfarrwahl in der reformierten Kirche in Rothrist.

Die am Sonntag in Rothrist anstehende Pfarrwahl von Christina Koenig sorgt seit einigen Tagen für Aufregung. Ein anonymes Komitee hat die reformierte Kirchenpflege aufgefordert, von ihrer Kandidatin abzusehen, die Wahl gar zu verschieben. In verschiedenen Mails werden der Pfarrerin Geschehnisse aus der Vergangenheit vorgeworfen (wir berichteten).

Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als Sie vom anonymen Komitee erfahren haben?

Christina Koenig: Mich erstaunt, dass innerhalb der Kirche so etwas gemacht wird, und erst noch anonym. Bei uns geht man doch eigentlich friedlich miteinander um, die christlichen Grundwerte sind Nächstenliebe, Menschenwürde und Wertschätzung. Ich habe mich gefragt, wer so etwas tut.

Haben Sie eine Idee, wer hinter diesen anonymen E-Mails stecken könnte?

Ich glaube nicht, dass dieses Komitee aus Rothrist kommt. Ich denke, es ist jemand aus der Vergangenheit.

Haben Sie denn in früheren Zeiten etwas gemacht, was Anlass zu einer solchen Aktion geben könnte?

Zur Vergangenheit kann ich nur Folgendes sagen. Ich bin mir keiner Fehler bewusst. Es gibt subjektive Meinungsverschiedenheiten, was gut und schlecht ist. Beispielsweise predigt der eine so, der andere so.

Wie erklären Sie sich, dass jemand Ihre Wahl in der Kirchgemeinde Rothrist verhindern will?

Die Frage ist doch, wieso gibt es auf der Welt so viel Gewalt, Unwahrheiten und Verrat? Man kann nicht immer alles erklären. Vor zwei Jahren sind Gerüchte über mich verbreitet worden. Statt dass diese Leute nach der Wahrheit gesucht haben, klammern sie sich an Gerüchten fest. Es kann immer wieder vorkommen, dass irgendwelche Leute mal «ausflippen».

Die Kirchenpflege Umiken unterstützte Ihre Wiederwahl 2014 nicht – wegen Vertrauensbruch, Reklamationen und vermehrten Kirchenaustritten – was sagen Sie zu diesen Vorwürfen?

Ich äussere mich nicht mehr zu diesen Unterstellungen. Zu diesem Thema wurde vor zwei Jahren alles gesagt und publiziert. Diese Sache ist für mich abgeschossen.

Es wurden Stimmen laut, dass die Kirchenpflege Staufberg vor 23 Jahren wegen Ihnen geschlossen zurückgetreten ist. Was ist passiert?

Ich war in dieser Kirchgemeinde nicht als Pfarrerin tätig, das war mein Ex-Mann. Ich habe als Pfarrfrau ab und zu Stellvertretungen übernommen, das war Freiwilligenarbeit. Muss ich mich jetzt entschuldigen, dass ich als Pfarrfrau dort gewirkt habe? Das anonyme Komitee behauptet, dass es meine erste Stelle war und redet von einer dritten Chance in Rothrist. Das stimmt so nicht. Ich war in der Kirchgemeinde Staufberg nie angestellt.

Nach der Abwahl in Umiken haben Sie gegenüber der «Aargauer Zeitung» gesagt, dass Sie nicht mehr damit rechnen, in den nächsten Jahren eine Pfarrstelle zu finden und dass Sie sich ein neues Berufsfeld suchen müssen. Was hat Sie bewogen, sich für die Pfarrstelle in Rothrist zu bewerben?

Ich habe in den vergangenen eineinhalb Jahren andere Tätigkeiten ausgeübt. Nebst den Stadthausabdankungen in Zürich habe ich meine Mutter während acht Monaten zusammen mit meiner Familie gepflegt. Der Pfarrberuf ist für mich nicht nur ein Beruf, es ist für mich eine Berufung. Für die Stelle in Rothrist habe ich ein gutes Gefühl. Ich wollte in einem Teampfarramt mitarbeiten und mit dem Pfarrehepaar passt das gut zusammen.

Weshalb sollte Ihnen die Kirchgemeinde Rothrist eine Chance geben?

Ich habe mehr als 20 Jahre Berufserfahrung und habe viel für Jung und Alt getan. Ich könnte ein Pfarrhauscafé in Rothrist einführen, meine Tochter würde DJ-Events für die junge Generation organisieren. Ich würde es schade finden, wenn ich mit meiner langjährigen Erfahrung nicht mehr als Pfarrerin arbeiten würde. Ich habe an all den Orten, wo ich angestellt war, Gutes getan. Ich hatte viele Anhänger und Leute, die Freude an meiner Arbeit hatten.

Haben Sie keine Bedenken, dass es in Rothrist nochmals zu einer ähnlichen Situation wie in Umiken kommen könnte?

Nein, Rothrist kann nicht mit den Geschehnissen von vorher verglichen werden. Ich bin überzeugt, dass Rothrist das Richtige für mich ist.

In den vergangenen Tagen wurde viel über Sie berichtet, Altes wird aufgerollt. Ist es Ihnen nicht verleidet, sich für diese Wahl zur Verfügung zu stellen?

Im Pfarrberuf steht man in der Öffentlichkeit und damit muss man umgehen können. Ich habe das Vertrauen, dass Gott mir auch in schwierigen Zeiten beisteht wie jetzt. Ich kann gut mit der Situation umgehen, weil ich unter anderem Coaching-Kurse besucht habe.

Am Sonntag findet die Wahl im Anschluss an den Gottesdienst statt. Wie sehen Sie der Wahl entgegen?

Ich hoffe, dass ich ab November meine Arbeit in der reformierten Kirchgemeinde Rothrist aufnehmen darf.

Was tun Sie, wenn Sie nicht gewählt werden?

Ich würde wie jetzt weitermachen, noch meine Weiterbildung in Spitalseelsorge abschliessen. Dann würde ich mich für ein anderes Pfarramt bewerben oder im Coaching-Bereich einsteigen. Aber wie bereits erwähnt, mein Ziel ist es, als Pfarrerin in Rothrist zu wirken.

Zur Person: Christina Koenig

Christina Koenig ist 52 Jahre alt, geschieden und hat zwei erwachsene Töchter. Im Moment wohnt die Pfarrerin in Basel. Sie ist mehr als 20 Jahre als Pfarrerin tätig.

Sie absolvierte eine Ausbildung in der Spitalseelsorge und arbeitete fünf Jahre im Behindertenpfarramt. In den letzten Monaten war sie für Stadthausabdankungen in Zürich zuständig. Zudem hat sie eine Coaching-Ausbildung absolviert.