Herbizid-Einsatz

Chlorothalonil ist nicht der einzige Giftstoff im Aargauer Trinkwasser – darunter eine verbotene Substanz

Zu hohe Konzentration: In der Rübenproduktion wurde im Aargau das Herbizid Chloridazon eingesetzt.

Zu hohe Konzentration: In der Rübenproduktion wurde im Aargau das Herbizid Chloridazon eingesetzt.

Der Herbizid-Einsatz in der Aargauer Landwirtschaft ist ein grosses Problem – und das ist nicht auf den aktuellen Fall Chlorothalonil beschränkt. Auch Atrazin und Chloridazon werden im Trinkwasser nachgewiesen.

Das Herbizid Chlorothalonil ist nicht der einzige Giftstoff im Aargauer Trinkwasser – auch wenn die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit aktuell darauf konzentriert ist. Schliesslich mussten am Montag drei Trinkwasserfassungen wegen zu hoher Konzentrationswerte umgehend vom Netz genommen werden.

Alda Breitenmoser, Leiterin des Amts für Verbraucherschutz, beschäftigen auch Substanzen wie Atrazin und Chloridazon – ebenfalls von der Landwirtschaft eingesetzte Herbizide.

Die Leiterin des Aargauer Amts für Verbraucherschutz Alda Breitenmoser: «Man muss die Situation ernst nehmen. Aber man kann das Hahnenwasser trinken.»

Die Leiterin des Aargauer Amts für Verbraucherschutz Alda Breitenmoser: «Man muss die Situation ernst nehmen. Aber man kann das Hahnenwasser trinken.»

Atrazin ist seit 2007 zwar verboten. Laut Breitenmoser ist der Stoff chemisch-physikalisch aber nicht aus dem Trinkwasser-System zu entfernen. Er muss ausgeschwemmt werden. Das dauert. Denn der Stoff ist im Boden gespeichert, gelangt über Grund- und Quellwasser immer wieder ins Leitungssystem. Die Folge: Es lassen sich bis heute Restmengen im Trinkwasser finden, wenngleich in abnehmender Konzentration.

Zu hohe Konzentration des Herbizids Chloridazon

Breitenmosers Kampf gilt aktuell nicht nur dem Herbizid Chlorothalonil, sondern auch dem im Futter- und Rübenanbau eingesetzten Chloridazon.

Noch im letzten November wurde dessen Grenzwert in einer von fünf überwachten Trinkwasserfassungen um das 18-fache überschritten. Zum Vergleich: Wegen einer lediglich 10-fachen Grenzüberschreitung beim Chlorothalonil wurden – wie eingangs beschrieben – drei Trinkwasserfassungen vom Netz genommen. Reagiert hat Breitenmoser damals aber nicht – berechtigterweise.

Bei der Substanz Chloridazon macht der Bund nämlich keine Vorgaben.

Das Herbizid wird folglich nicht als gefährlich eingestuft. Doch Breitenmoser hält fest: «Chloridazon gehört aus Sicht des Grundwasserschutzes zu den problematischen Pflanzenschutzmitteln. Der Aargau ist auffällig häufig von hohen Messwerten der Chloridazon-Abbauprodukte in Trinkwasserfassungen betroffen.»

Und die Substanz ist langlebig. Breitenmoser konnte im Mai 2014 die Rüben- und Randen-Produzenten im Umkreis von fünf Trinkwasserfassungen auf freiwilliger Basis dazu bringen, auf das Herbizid zu verzichten. In der am stärksten betroffenen Fassung sank der Wert seither von rund 2,5 Mikrogramm pro Liter auf 1,8. Dazwischen liegen fünf Jahre. Der Grenzwert liegt bei 0,1 Mikrogramm.

Breitenmoser kann allerdings beim Schreckgespenst Glyphosat, das krebserregend sein soll, Entwarnung geben: «Die Substanz wurde bisher nie im Aargauer Grundwasser nachgewiesen.» Dennoch laufen auch in der Schweiz Bestrebungen, Glyphosat zu verbieten.

Wie schädlich sind die Herbizide für den Menschen?

Wie giftig solche Stoffe in kleinsten Mengen für Menschen sind, ist offen und kann nicht generell beantwortet werden. Breitenmoser will die Herbizid-Konzentrationen im Trinkwasser nicht verharmlosen. Doch auf Panik machen will sie ebenfalls nicht: «Man kann das Wasser aus dem Hahnen trinken.» Und das bedenkenlos.

Klar ist hingegen, dass Breitenmosers Arbeit zum Schutze von Trinkwasser wichtig ist. Ein Blick in die jüngste Statistik des Bundesamts für Landwirtschaft zeigt: 2017 wurden in der Schweiz 2030 Tonnen Pflanzenschutzmittel verkauft.

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