Habsburg
China interessiert sich für den Aargau: Landammann Hofmann trifft den Vizepräsidenten

Geschichte ist seine Passion: Chinas Vizepräsident Wang Qishan nutzte deshalb seinen Auftritt beim Weltwirtschaftsforum in Davos für einen Kurzbesuch auf der Habsburg im Aargau. Dort, wo im Mittelalter Schweizer Geschichte gemacht wurde.

Claudia Meier
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Der chinesiche Vizepräsident Wang Qishan flankiert von der Aargauer Staatsschreiberin Vincenza Trivigno und Landammann Urs Hofmann auf der Habsburg.
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Qishan Wang auf Schloss Habsburg Qishan Wang, Vizepräsident der Volksrepublik China, besucht auf Schloss Habsburg eine Delegation von Landammann Urs Hofmann
Qishan Wang und die Aargauer Regierungsdelegation treffen auf dem Schloss ein.
Staatsschreiberin Vincenza Trivigno, Landammann Urs Hofmann und der chinesiche Vizepräsident Wang Qishan.
Chinas Vizepräsident auf der Habsburg
Ein Treffen mit Häppchen auf der Habsburg.
Wang und Hofmann in Diskussion auf Schloss Habsburg.
Auf Schloss Habsburg wird ein spezieller Gast angekündigt.
Qishan Wang lässt sich Schloss Habsburg zeigen.
Herzlich Willkommen. Qishan Wang, Vizepräsident der Volksrepublik China, besucht auf Schloss Habsburg eine Delegation von Landammann Urs Hofmann
Qishan Wang blickt in die Weite.
Wang und Hofmann tauschen Geschenke aus.
Wang und Hofmann in Diskussion auf Schloss Habsburg.
Aarauer Turmbläser spielten zum Abschied im «Aargau sind zwoi Liebi».
Wang auf der Habsburg.
Um 11.30 Uhr verlässt Wang die Habsburg – Hofmann und Trivigno winken zum Abschied.
Der chinesiche Vizepräsident Wang Qishan mit dem Aargauer Landammann Urs Hofmann auf der Habsburg.
Der chinesiche Vizepräsident Wang Qishan mit der Aargauer Staatsschreiberin Vincenza Trivigno und Landammann Urs Hofmann auf der Habsburg.
König Rudolf von Habsburg.
Lageplan der Habsburg. Beim Loch in Habsburg hat sich herausgestellt, dass es eine Zisterne ist. An den Balken und am Gewölbe ist zu erkennen, dass es sich um etwas handelt, das von Menschen erbaut wurde. Die Karte zeigt, wo in Habsburg sich überall Sodbrunnen befinden.
Die Habsburg bei Nacht - sie erhielt 2005 eine neue Aussenbeleuchtung. – den Vorgaben im kantonalen Umweltrecht entspricht diese aber nicht. André Albrecht/Archiv
Die ersten und die letzten Habsburger ruhen im Kloster Muri In der Loretokapelle des Klosters Muri ruhen die letzten Überreste der ehemaligen Herrscher von Habsburg. Die Gruft ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, aber auf einer Führung durchs Kloster darf man einen Blick hinunter werfen.

Der chinesiche Vizepräsident Wang Qishan flankiert von der Aargauer Staatsschreiberin Vincenza Trivigno und Landammann Urs Hofmann auf der Habsburg.

Michael Hunziker

Grosses Sicherheitsaufgebot am Dienstagmorgen in der Region Habsburg: Bereits am Waldrand in Windisch stehen die ersten Fahrzeuge der Kantonspolizei Aargau. Auf dem Weg nach Habsburg sind überall mit Gewehr ausgestattete Polizisten anzutreffen. Es herrscht Ausnahmezustand im Stammlande der einst weltumspannenden Dynastie der Habsburger. Der Grund: Chinas Vizepräsident Wang Qishan nutzt seinen Aufenthalt in der Schweiz im Rahmen des Weltwirtschaftsforums in Davos für einen Besuch im Kanton Aargau. Als Historiker interessiert sich der 70-jährige Vizepräsident speziell für die Habsburger und ihr Schloss.

Über der 430-Seelen-Gemeinde kreist kurz vor 10.30 Uhr ein Helikopter. Die Kantonspolizei Aargau hat den Auftrag, die Sicherheit und den geordneten Ablauf des Besuchs sicherzustellen. Dazu begleitet die Kapo den Konvoi des Staatsmanns von der Raststätte Würenlos her bis zum Schloss Habsburg und nach dem Besuch von dort zurück an die Zürcher Kantonsgrenze.

Im Zentrum der Macht

Bei der Barriere vor der Schlosszufahrt empfangen Landammann Urs Hofmann und Staatsschreiberin Vincenza Trivigno Wang Qishan und seine Delegation. Zusammen laufen sie auf den Schlossplatz, wo sie mit Fanfaren-Klängen der Aarauer Turmbläser begrüsst werden. Hier erklärt Hofmann Wang, wie sich das Weltreich ab dem Jahr 1020 von Habsburg aus in alle Himmelsrichtungen entwickelt hatte. Der Landammann zeigt auf den Boden und sagt: «Bis Macao sind es 9210 Kilometer.» Chinas Vizepräsident nickt.

Über den roten Teppich und vorbei an der chinesischen, Aargauer und Schweizer Fahne gehts ins Schlossinnere. Über steile Holztreppen steigt die Gruppe zum Turm hinauf. Kurator Thomas Frei von Museum Aargau erinnert daran, wie die Habsburger klein und bescheiden angefangen hatten. Zusammen mit Schweinen und Hühnern lebten sie auf dem Schloss. Wang ist ein aufmerksamer Zuhörer.

Ich hoffe, dass die Habsburger Welthandelsgeschichte ein gutes Omen ist für die aktuellen Wirtschafts- und Handelsdiskussionen.

(Quelle: Urs Hofmann, Landammann Kanton Aargau)

Beim Apéro in der warmen Schlossstube – es gibt Habsburger Pinot Noir und verschiedene Käsespezialitäten aus dem Aargau – unterhalten sich die beiden Politiker angeregt über geschickte Heiratspolitik und den Machtausbau. Hofmann weist auf die historischen Beziehungen zwischen den Habsburgern und China hin: «Die Verbindungen gehen auf die Gründung der österreichisch-ostendischen Kompanie zurück, die mit Handelsprivilegien ausgestattet wurde. Sie brachte den österreichisch-chinesischen Handel mit Seide, Porzellan und Tee zum Florieren. In der Blütezeit der Habsburger ging die Sonne im ganzen Reich nie unter – dasselbe galt auch für die historische Seidenstrasse zwischen China und Europa. Und genau diese Seidenstrasse soll mit der ‹Belt and Road›-Initiative wiederbelebt werden.» Der Landammann gibt seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Habsburger Welthandelsgeschichte ein gutes Omen für das Gelingen dieses Vorhabens sei – und auch für die aktuellen Wirtschafts- und Handelsdiskussionen. Wang Qishan bedankt sich für die Einladung und erklärt, dass er diese Hoffnung teile.

Geschichtsverständnis verbindet

Chinas Vizepräsident würdigt die historischen Verdienste der Habsburger, ein politisch zersplittertes Europa geeinigt zu haben. Er betont die Bedeutung von kulturellen Beziehungen zwischen Ländern und Völkern: «Ein gemeinsames Verständnis der Geschichte ermöglicht Verständigung auch in anderen Bereichen.»

Hofmann verweist auf andere herausragende Kulturdenkmäler im Aargau. «Nur fünf Kilometer von hier entfernt befand sich das grösste römische Militärlager nördlich der Alpen. Die Römer brachten uns den Wein», erklärt er und lädt den Vizepräsidenten zu einem Glas Habsburger Pinot Noir ein, der vom Rebberg unterhalb des Schlosses stammt. Als Geschenk darf Wang einen Mammut-Rucksack, gefüllt mit Staatswein aus Effingen und Tegerfelden, Brändli-Bomben aus Aarau und einem Buch über die Habsburger, entgegennehmen. «Dieser bequeme Rucksack ist für Wanderungen in China oder in der Schweiz», sagt Hofmann. Er selbst darf sich daraufhin als Teeliebhaber über feines Porzellangeschirr freuen. Nach einer Stunde reisen die Chinesen im Konvoi ab. Die Aarauer Turmbläser spielen zum Abschied «Im Aargäu sind zwöi Liebi».