Grosses Sicherheitsaufgebot am Dienstagmorgen in der Region Habsburg: Bereits am Waldrand in Windisch stehen die ersten Fahrzeuge der Kantonspolizei Aargau. Auf dem Weg nach Habsburg sind überall mit Gewehr ausgestattete Polizisten anzutreffen. Es herrscht Ausnahmezustand im Stammlande der einst weltumspannenden Dynastie der Habsburger. Der Grund: Chinas Vizepräsident Wang Qishan nutzt seinen Aufenthalt in der Schweiz im Rahmen des Weltwirtschaftsforums in Davos für einen Besuch im Kanton Aargau. Als Historiker interessiert sich der 70-jährige Vizepräsident speziell für die Habsburger und ihr Schloss.

Über der 430-Seelen-Gemeinde kreist kurz vor 10.30 Uhr ein Helikopter. Die Kantonspolizei Aargau hat den Auftrag, die Sicherheit und den geordneten Ablauf des Besuchs sicherzustellen. Dazu begleitet die Kapo den Konvoi des Staatsmanns von der Raststätte Würenlos her bis zum Schloss Habsburg und nach dem Besuch von dort zurück an die Zürcher Kantonsgrenze.

Hoher Besuch aus China im Aargau

Der Beitrag von TeleM1: Hoher Besuch aus China im Aargau

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen hat der chinesische Vizepräsident dem „Rüeblikanton“ einen Besuch beschert.

Im Zentrum der Macht

Bei der Barriere vor der Schlosszufahrt empfangen Landammann Urs Hofmann und Staatsschreiberin Vincenza Trivigno Wang Qishan und seine Delegation. Zusammen laufen sie auf den Schlossplatz, wo sie mit Fanfaren-Klängen der Aarauer Turmbläser begrüsst werden. Hier erklärt Hofmann Wang, wie sich das Weltreich ab dem Jahr 1020 von Habsburg aus in alle Himmelsrichtungen entwickelt hatte. Der Landammann zeigt auf den Boden und sagt: «Bis Macao sind es 9210 Kilometer.» Chinas Vizepräsident nickt.

Über den roten Teppich und vorbei an der chinesischen, Aargauer und Schweizer Fahne gehts ins Schlossinnere. Über steile Holztreppen steigt die Gruppe zum Turm hinauf. Kurator Thomas Frei von Museum Aargau erinnert daran, wie die Habsburger klein und bescheiden angefangen hatten. Zusammen mit Schweinen und Hühnern lebten sie auf dem Schloss. Wang ist ein aufmerksamer Zuhörer.

Beim Apéro in der warmen Schlossstube – es gibt Habsburger Pinot Noir und verschiedene Käsespezialitäten aus dem Aargau – unterhalten sich die beiden Politiker angeregt über geschickte Heiratspolitik und den Machtausbau. Hofmann weist auf die historischen Beziehungen zwischen den Habsburgern und China hin: «Die Verbindungen gehen auf die Gründung der österreichisch-ostendischen Kompanie zurück, die mit Handelsprivilegien ausgestattet wurde. Sie brachte den österreichisch-chinesischen Handel mit Seide, Porzellan und Tee zum Florieren. In der Blütezeit der Habsburger ging die Sonne im ganzen Reich nie unter – dasselbe galt auch für die historische Seidenstrasse zwischen China und Europa. Und genau diese Seidenstrasse soll mit der ‹Belt and Road›-Initiative wiederbelebt werden.» Der Landammann gibt seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Habsburger Welthandelsgeschichte ein gutes Omen für das Gelingen dieses Vorhabens sei – und auch für die aktuellen Wirtschafts- und Handelsdiskussionen. Wang Qishan bedankt sich für die Einladung und erklärt, dass er diese Hoffnung teile.

Einige Eindrücke des hohen chinesischen Besuchs im Kanton Aargau

Einige Eindrücke des hohen chinesischen Besuchs im Kanton Aargau

Einige Eindrücke des Besuchs von Wang Qishan, Vizepräsident der Volksrepublik China. Am 22. Januar 2019 besichtigte er zusammen mit seiner Delegation das Schloss Habsburg, wo er von Landammann Dr. Urs Hofmann und Staatsschreiberin Vincenza Trivigno empfangen wurde.

Geschichtsverständnis verbindet

Chinas Vizepräsident würdigt die historischen Verdienste der Habsburger, ein politisch zersplittertes Europa geeinigt zu haben. Er betont die Bedeutung von kulturellen Beziehungen zwischen Ländern und Völkern: «Ein gemeinsames Verständnis der Geschichte ermöglicht Verständigung auch in anderen Bereichen.»

Hofmann verweist auf andere herausragende Kulturdenkmäler im Aargau. «Nur fünf Kilometer von hier entfernt befand sich das grösste römische Militärlager nördlich der Alpen. Die Römer brachten uns den Wein», erklärt er und lädt den Vizepräsidenten zu einem Glas Habsburger Pinot Noir ein, der vom Rebberg unterhalb des Schlosses stammt. Als Geschenk darf Wang einen Mammut-Rucksack, gefüllt mit Staatswein aus Effingen und Tegerfelden, Brändli-Bomben aus Aarau und einem Buch über die Habsburger, entgegennehmen. «Dieser bequeme Rucksack ist für Wanderungen in China oder in der Schweiz», sagt Hofmann. Er selbst darf sich daraufhin als Teeliebhaber über feines Porzellangeschirr freuen. Nach einer Stunde reisen die Chinesen im Konvoi ab. Die Aarauer Turmbläser spielen zum Abschied «Im Aargäu sind zwöi Liebi».