Banken
Chef der Aargauischen Kantonalbank will allen Banken Kunden abjagen

Rudolf Dellenbach, der Chef der Aargauischen Kantonalbank will expandieren und anderen Bank Kunden abspenstig machen. Und der bald abtretende Bankchef sagt, was er im Jubiläumsjahr spezielles für die Staatsbank geleistet hat.

Roman Seiler
Merken
Drucken
Teilen
Vor dem letzten Geschäftsjahr als Chef der Aargauischen Kantonalbank: Rudolf Dellenbach setzt sich nochmals ehrgeizige Ziele (Archivbild).

Vor dem letzten Geschäftsjahr als Chef der Aargauischen Kantonalbank: Rudolf Dellenbach setzt sich nochmals ehrgeizige Ziele (Archivbild).

Mathias Marx

Herr Dellenbach, Sie treten im April 2015 zurück. Was sind Ihre Ziele für Ihr letztes Geschäftsjahr als Chef der Aargauischen Kantonalbank (AKB)?

Rudolf Dellenbach: Meinem Nachfolger will ich eine Bank übergeben, die hervorragend aufgestellt ist. Eine Bank, die keine Leichen im Keller hat und über eine gesunde Ertrags- und Ausleihungsstruktur verfügt.

Die AKB erzielte 2013 ein Rekordergebnis. Warum rechnen Sie damit, dass dies nicht zu übertreffen ist?

Das hat mehrere Gründe. Die Dividende der AKB Privatbank Zürich fällt nach dem erfolgreichen Verkauf aus. Die letzte Ausschüttung betrug zwei Millionen Franken. Wegen des neuen Anlagetarifs fällt ein weiterer, tiefer siebenstelliger Betrag weg. Wir geben seit diesem Jahr sämtliche Retrozessionen für den Verkauf von Anlageprodukten vollumfänglich an die Kunden weiter. Zudem bleiben die Zinsen tief.

Sie wären also bereits zufrieden, Ende Jahr einen Gewinn von 100 Millionen Franken ausweisen zu können?

Entscheidend ist der Bruttogewinn. Mein Ziel ist, 2014 die Grenze von 200 Millionen Franken wieder zu knacken.

Ende 2014 wollen Sie auch keine Kunden mehr betreuen, die unversteuerte Gelder bei der AKB parkiert haben. Müssen Sie noch viele Kunden überzeugen, sich selbst beim Fiskus anzuzeigen?

Diese Überzeugungsarbeit leisteten unsere Betreuer bereits. Viele Kunden mit unversteuerten Vermögenswerten legen diese von sich aus offen. Das gilt auch für Schweizer Kunden, die das einmal im Leben ohne Bussenfolge tun können. Wer das nicht tut, muss unsere Bank irgendwann verlassen. Sehr positiv finde ich, dass Kunden deswegen nur wenig Geld bei uns abgezogen haben.

Wie viel Prozent Ihrer verwalteten Vermögen gehören denn Ausländern?

Das bewegt sich im tiefen, einstelligen Prozentbereich.

Sind also in erster Linie Schweizer Steuersünder?

Das habe ich nicht gesagt. Aber das Volumen unversteuerter Gelder ist bei uns absolut überschaubar.

Im Herbst segnet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) den automatischen Informationsaustausch von Bankdaten ab. Hätten Sie gedacht, dass Sie dies als Bankchef erleben werden?

Eigentlich nicht. Bis 2009, ja sogar bis 2010, hätte niemand geglaubt, dass die mit jahrhundertalten Steinen gebaute Mauer zusammenbrechen könnte. Das war eine Illusion.

Was bedeutet dies für die AKB?

Für uns hat dies keine gravierenden Folgen, denn es war ja nicht unser Kerngeschäft, unversteuerte Gelder zu bunkern.

Stark ist die AKB hingegen im Hypothekargeschäft. 2013 legten Sie um 5,4 Prozent zu. Wollen Sie so weiterwachsen?

Wir rechnen nicht mit einem viel tieferen Wachstum.

Obwohl die Preise für Wohneigentum auch in gewissen Regionen ungesund hoch sind?

Seit für die Finanzierung von Wohneigentum keine Pensionskassengelder mehr bezogen werden können, hat sich der Markt beruhigt. Zudem sind alle bei der Berechnung der Tragbarkeit vorsichtiger geworden. Daher übersteigt heute das Angebot an bestehenden Objekten die Nachfrage. Selbst in Hochpreis-Regionen wie der Zürcher Goldküste und am Mutschellen stabilisieren sich die Preise oder gehen teilweise bereits zurück.

Happig zugelegt haben auch die von der AKB betreuten Vermögenswerte. Geht das so weiter?

Hier sehen wir ein ganz klares Wachstum. Obwohl der Aargau stark mit Banken zugepflastert ist, und wir in einem der kompetitivsten Märkte der Schweiz tätig sind.

Wem wollen Sie Kunden abjagen?

Eigentlich allen. Mit unserer Kompetenz, unserer Sicherheit, unserer Geradlinigkeit und dem Vertrauen, das wir geniessen, werden wir weiter zulegen. Vielleicht nicht mehr alljährlich in Milliardenschritten wie seit 2008.

Das Jubiläumsjahr ist vorbei. Was war für Sie das schönste Ereignis?

Ich möchte drei herausheben. Der Höhepunkt war der Festakt im September mit Bundesrätin Doris Leuthard und den Ständerätinnen Pascale Bruderer und Christiane Egerszegi. Was nachhaltig bleibt, sind die Eichen, die wir Anfang 2013 im Kanton gepflanzt haben. Zu den schönen Erlebnissen zählen auch die Tage, die unsere Mitarbeitenden für Freiwilligenarbeit eingesetzt haben, um gemeinnützige Institutionen zu unterstützen.

Was haben Sie ganz persönlich geleistet?

Ich half einen Tag lang bei einer Veranstaltung mit Behindertensportlern und ich pflanzte Eichen im Schneisinger Wald. Wegen eines kaputten Knies war es nicht ganz einfach, den Pickel zu schwingen.